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Prinz William steckt seiner Frau Kate den Goldring an den Finger.

Prinz William heiratet Kate Middleton

Eine sehr englische Hochzeit

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Flieder für Treue, Myrte für Liebe und Hyazinthen für Beständigkeit – bei der Vermählung von Kate und William stand nicht nur der Blumenschmuck in der Kirche für Tradition und Volksverbundenheit.

Flieder für Treue, Myrte für Liebe und Hyazinthen für Beständigkeit – bei der Vermählung von Kate und William stand nicht nur der Blumenschmuck in der Kirche für Tradition und Volksverbundenheit.

Um 13.25 Uhrzeit raschelten die Gardinen. Dann öffneten sich die Türen zum Balkon: Prinz William und Kate traten heraus, die Queen, Prinz Charles und Camilla, Brautjungfern, Pagen sowie die der Rest der beiden Brautfamilien Windsor und Middleton. Um 13.27 Uhr Ortszeit, unter dem Applaus der Zuschauer vor dem Buckingham-Palast, küsste William seine Braut – und dann eine Minute später, ohne Ankündigung, noch einmal. Es dürften die pünktlichsten Küsse in der Geschichte königlicher Hochzeiten gewesen sein. Der kleine öffentliche Zärtlichkeitsbeweis auf dem Balkon stellt einen relativ neuen Programmpunkt bei Vermählungen im britischen Königshaus dar. Es war Prinzessin Diana, die verstorbene Mutter des Bräutigams, die diesen Hochzeitsbrauch 1981 eingeführt hatte.

Kate Middleton hatte die Nacht vor der Trauung im Kreise ihrer Familie im Hotel Goring nördlich des Buckingham-Palasts verbracht. Die Luxusherberge gehörte zu den Londoner Lieblingstreffpunkten der verstorbenen Königin-Mutter, die dort mit Freunden und Bekannten gern ihren Tee eingenommen hatte. Die Middletons hatten sämtliche Räume reserviert, einschließlich der mehr als tausend Pfund teuren Suite mit Himmelbett, in der sich die Braut als Bürgerliche schlafen legte und als Herzogin erwachte: Denn im Morgengrauen ließ die Queen bekanntgeben, dass sie ihrem Enkel die Titel Herzog von Cambridge, Graf von Strathearn und Baron Carrickfergus verliehen hatte. Und noch ein paar Stunden später war Kate, oder Catherine, wie sie nun bei Hofe heißt, bereits Königliche Hoheit.

Sie war mit ihrem Vater die Letzte, die sich auf den Weg begab. Tausende hatten an der Strecke campiert: Darunter eine neunköpfige Familie aus Norfolk, samt Kindern und Oma, die seit Dienstag auf dem Bürgersteig übernachteten. Sie verbrachten das lange Warten damit, Passanten die Schnappschüsse früherer königlicher Jubelfeiern zu zeigten, bei der sie ebenfalls an der Straße standen, etwa die zweite Hochzeit von Williams Vater, Prinz Charles, mit Camilla, die 2005 eine etwas unterkühltere Veranstaltung war.

Für die Schaulustigen begann das Spektakel bereits um acht Uhr morgen, drei Stunden vor dem Gottesdienst, als die ersten der 1900 Gäste vor dem noch geschlossenen Portal der Westminster Abbey Aufstellung nahmen. Dann marschierten die Militärkapellen mit blitzblank gewienerten Stiefeln und funkelnden Blasinstrumenten auf – die angemessene Unterhaltungsmusik bei solchen Anlässen für die Massen.

Die Kavallerie und die berittene Leibgarde der Queen mit glänzenden Brustpanzern und Helmen zog vorbei, und langsam begann sich die Kirche zu füllen: Der Fußballer David Beckham, ordentlich geföhnt, war mit seiner Frau Victoria, die eine blaue, auf der Stirn getragene Hutkreation präsentierte, wie empfohlen eine Stunde vor dem Premierminister und den Kabinettskollegen da. Elton John kam mit seinem Partner; der australische Schwimm-Olympiasieger Ian Thorpe und die vierzig gekrönten Häupter fanden sich ein, darunter der Sultan von Brunei, Prinz Albert von Monaco mit seiner Verlobten, sowie der König von Tonga, der angeblich auf seinem Inselstaat mit einem Londoner Taxi spazieren fährt.

Das Brautpaar hatte allerdings darauf geachtet, dass trotz der klimpernden Orden und klunkergroßen Juwelen die Gemeinde hübsch gemischt blieb: Der Briefträger aus Kates Wohnort Bucklebury war samt einer kleinen Gemeideabordnung geladen. Ebenso die Geschwister zweier gefallener Soldaten, mit denen Prinz William auf der Militärakademie Sandhurst befreundet war; ein Ehrenplatz war ebenfalls für einen in Afghanistan bei einem Taliban-Anschlag schwer verwunderten Kollegen Williams reserviert, Leutnant Martyn Compton.

Der Prinz trug als Hochzeitsanzug die scharlachrote Uniform der Irish Guards, eines Regiments, dessen Oberst er ehrenhalber ist. Von seiner derzeitigen Beschäftigung als Rettungspilot kündete nur das Abzeichen der Royal Air Force am Revers. Sowohl aus modischen als auch aus diplomatischen Gründen aber war das schneidige Rot, wie die Experten versicherten, eine erstklassige Wahl: Denn die Queen wird im Mai zum ersten Staatsbesuch eines britischen Monarchen in der Republik Irland seit einem Jahrhundert aufbrechen; ein Ereignis, das im königlichen Kalender nur wenig unterhalb der Trauung der Nummer zwei der Thronfolge angesiedelt ist.

Der 28-jährige William war als Erster der Windsor- und Middelton-Verwandtschaft in der Kirche, begleitete von seinem zwei Jahre jüngeren Bruder und Trauzeugen Harry. Er nahm sich sogar Zeit, durch die Reihen zu gehen und Freunde zu begrüßen. Wenig später war die Gemeinde vollständig, als erst das 85-jährige Staatsoberhaupt, die Queen, in einem schlüsselblumengelben Ensemble an der Seite ihres fast 90-jährigen Gemahls, Prinz Philip, zu Fanfarenklängen der königlichen Trompeter an der Pforte erschien – und schließlich die Braut in ihrem prachtvollen, klassisch-eleganten Seiden- und Spitzenkleid.

Williams Großeltern, Elizabeth und Philip, waren 64 Jahre zuvor an einem kalten Novembertag 1947 ebenfalls in der Westminster Abbey getraut worden. Aber möglicherweise haben sie die Kirche, die unter der direkten Ägide des Monarchen steht, am Freitag kaum wiedererkannt. Denn erstmals seit anno 1100, als Henry I die schottische Prinzessin Matilda am selben Ort ehelichte, war die Abbey in einen Wald verwandelt: Auf Wunsch Kate Middletons hatte der Hofflorist Shane Conolly sechs Bäume entlang des roten Teppichs aufgestellt: Feldahorn, ein Sinnbild für Demut und Zurückhaltung; und Hainbuchen, die als Zeichen für Ausdauer und Belastbarkeit gelten.

Kate Middleton sei durchaus in der traditionellen, symbolhaften Blumensprache bewandert, hieß es, und sie ließ das Kirschenschiff ausschließlich mit saisonalen Blüten schmücken: Flieder für Treue und Ackerwinde für Verbundenheit. In den Brautstrauß wurden Maiglöckchen als Symbol der Unschuld gebunden, dazu Hyazinthen für Beständigkeit, Myrte für Liebe und Bartnelken, die auf Englisch Sweet William heißen, für Ritterlichkeit. Die Queen hatte den Floristen freundlicherweise die Erlaubnis erteilt, alle Pflanzen, die sie sonst noch brauchten, Rhododendron, Zierapfel und Azaleen, in den Palastgärten zu schneiden.

Es sollte in den Vorstellungen der Braut eine sehr „englische“ Hochzeit sein. Vielleicht wählte sie die pastorale Kulisse aber auch als kleinen Trost für ihren Gatten. William hatte vor kurzem durchblicken lassen, dass er dem Pomp in der Krönungskirche mit 1900 Gästen eine Heirat in der winzigen Dorfkirche von Bucklebury vorgezogen hätte. Ironisch veranlagte Zeitgenossen konnten sich allerdings die Bemerkung nicht verkneifen, dass die bürgerlichen Middletons nicht von ungefähr ein Vermögen mit einem Partyservice machten: Sie wüssten, was eine Themenhochzeit ist.

Selbstverständlich ist das ungerecht. Denn bei früheren britischen Hochzeiten bleiben Anspielungen auf das Erwerbsleben der Brauteltern nur deshalb aus, weil diese Eltern aufgrund von Erbprivilegien kein Erwerbsleben hatten. Zwar ist Catherine nicht die erste Bürgerliche, die ins englische Könighaus einheiratet – vor ihr gab es unter andererm Elizabeth Woodville, eine Witwe, die 1464 die ihren Gatten Edward IV unter einer Eiche fand. Aber die Suche nach Prinzessinnen in deutschen Provinzen hat die britische Krone erst im Ersten Weltkrieg aufgegeben.

Die Middletons haben sich am Freitag nach allem, was zu sehen war, vortrefflich geschlagen: Kates Vater Michael, an dessen Arm sie zum Altar schritt, machte in seiner Haltung und Reserviertheit den Windsors alle Ehre. Brautmutter Carole Middleton, die ein schlicht-elegantes Kleid von Catherine Walker trug, einer Lieblingsschneiderin von Williams verstorbener Mutter Diana, meisterte ohne erkennbare Nervosität die Herausforderung, eine Stunde lang der Queen gegenüberzusitzen. Kates 23 Jahre alter Bruder James hielt die Lesung in einem Ton, der ihn durchaus für ein Kirchenamt prädestinieren würde. Und Pippa, Kates Schwester, brillierte bei der Doppelherausforderung, die Schleppe zu tragen und die Pagen und Blumenmädchen in Schach zu halten.

Dass Kate, die neue Herzogin von Cambridge, den Segen der Queen genießt, war an mehreren Kleinigkeiten abzulesen: an den freundlichen, aufmunternden Blicken, die die Queen ihr während des Gottesdienstes zuwarf; sowie an dem Diamantendiadem, das sie ihr zur Vervollständigung des von Sarah Burton geschneiderten Brautkleides lieh.

Beim Gottesdienst selbst, den der Erzbischof von Canterbury, der Dekan der Westminster Abbey sowie der Bischof von London zelebrierten, sagten William und Kate alles, was ehrbar, korrekt und anständig war. Kate unterließ es – wie einst Prinzessin Diana auch – ihrem Ehemann Gehorsam zu schwören. Aber wer nach Zeichen der Innigkeit suchte, fand sie auch hier. William flüsterte mit seiner Braut, und einmal, als der Bischof davon sprach, dass im Grunde jede Hochzeit auch eine königliche Hochzeit sei, da zwinkerte er ihr zu. Die Erinnerung Williams verstorbene Mutter blieb ein durchgehender, subtiler Teil des Programms. Drei Hymnen und Orchesterstücke aus dem Gedenkgottesdienst für die 1997 tödlich verunglückte Diana wurden für auch für die Trauung gewählt.

Danach begann der weitaus fröhlichere Teil des Tages. Die Limousinen wurden, zumindest für die Prominenz, gegen Kutschen und Vierspänner getauscht, und William und Kate rollten im historischen Landauer von 1912 mit offenem Verdeck durch Hunderttausende von fähnchenschwingenden und applaudieren Zuschauern zum Palast zurück. Die Schwiegereltern, Prinz Charles und Camilla sowie Michael und Carole Middleton, fuhren in einem Wagen. Nach den üblichen Hochzeitsfotos und dem Kuss auf dem Balkon lud die Königin ein Drittel der Hochzeitsgäste, 650 Personen, zu Schnittchen und Sekt ein.

Wenn es, abgesehen von den Geweih-ähnlichen Hüten der Prinzessinnen Eugenie und Beatrice, überhaupt kleine Betriebsunfälle gegeben hat, dann höchstens bei der Gästeliste. Irritiert hatte die britische Presse bemerkt, dass neben der geschiedenen Schwiegertochter der Queen, Sarah Ferguson, auch die beiden letzten Labour-Premierminister fehlten: Tony Blair und Gordon Brown. Eine Brüskierung wurde vermutet. Der Grund für ihre Nicht-Berücksichtigung waren allerdings angeblich weder Blairs Indiskretionen über die Queen in seinen Memoiren, noch der Umstand, dass seine Gattin Cherie 2003 bei einer Veranstaltung mit der Monarchin mit offenem Mund gegähnt hatte, sondern allein der Fakt, dass die beiden früheren Regierungschefs nicht Ritter des Hosenbandordens sind.

Zur Abendveranstaltung allerdings wären die Honoratioren ohnehin nicht geladen gewesen. Prinz Charles lud Familie und engste Freunde des Paars zum Dinner ein; danach wurde im Ballsaal des Buckingham Palastes getanzt. Pippa Middleton, die die Organisation übernommen hatte, wollte Diskokugeln statt der Kronleuchter installieren lassen. Angeblich erhielt die junge Generation ihren Willen. Von der Queen hieß es, dass sie sich abends in ihre Privatgemächer zurückziehen wolle. Und zwar noch bevor der Herzog und die Herzogin von Cambridge Techno tanzten.

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