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Kitsch? Nein, ein Abend am schönsten See des Landes.

Scharmützelsee

Eine kleine "Seensation"

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Nomen est omen? Von wegen! Der Scharmützelsee im Brandenburgischen ist die Nummer 1.

Für Vertreter der schreibenden Zunft gilt der eherne Grundsatz: No jokes on names. Keine Witze über Namen. Das gilt zuvorderst für Namen von Menschen. Einen See indes dürfte es eher kalt lassen, ob sich jemand über seinen Namen amüsiert oder nicht.

Und damit wären wir beim Scharmützelsee. Dieses langgestreckte Binnengewässer im Brandenburgischen bildet, aus der Vogelperspektive betrachtet, mit dem Großen Storkower See ein überdimensionales „V“, das – eingebettet in die Saarower Hügellandschaft – seit dieser Woche seine wahre Bedeutung erst so richtig entfalten kann. Denn nicht erst seit Cäsars „veni, vidi, vici“ oder Churchills lässiger „Victory“-Geste steht das „V“ für den vollendeten Triumph. 
Der Große Storkower und der Scharmützelsee – „als subglaziale Rinne während des Brandenburger Stadiums der Weichselkaltzeit entstanden“, wie es im Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit aus dem Jahr 2004 heißt – wussten schon seit rund 11 000 Jahren, dass ihr großer Tag kommen wird. Damals, kurz nach Holo- und Pleistozän, zogen sich die gewaltigen Gletscher in den Norden zurück und hinterließen eine große Gewässerlandschaft, in deren unzähligen Seen sich jeden Sommer Zehntausende von den Scharmützeln des Alltags erholen.

Seit dieser Woche ist es offiziell: Der Scharmützelsee ist der Deutschen liebster See. Nun ja, jedenfalls der Lieblingssee von 5,8 Prozent der insgesamt 125 000 Menschen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, in deren Zuge der „Lieblingssee 2018“ gekürt werden konnte. Heißt also, etwas mehr als 6000 Menschen schätzen diesen knapp zehn Kilometer langen See als Naherholungsgebiet, trotz dessen Ärger verheißenden Namens.

Hat sie womöglich die „Seensucht“ nach „Seensationen“ (zwei höchst offizielle Wortspiele, entdeckt auf der Homepage des Tourismusvereins Scharmützelsee e.V.) übermannt? Oder hat der Tourismusverein einfach nur einen guten Job gemacht, indem auf allen Kanälen dafür geworben wurde, den Scharmützelsee auf Platz 1 zu klicken? Würde ja auch gut passen, denn just an diesem Wochenende feiert das am Siegersee gelegene Bad Saarow ein Fest mit dem epischen Namen „Flammender Scharmützelsee“ – mit dabei unter anderem der Tanzkreis Fürstenwalde und eine „hinreißende Feuerwerksshow“. 

Bleibt zu hoffen, dass die Freunde des Schermützelsees in der Märkischen Schweiz nicht vor Gericht ziehen, um für ihren Toteiskesselsee den ersten Platz einzuklagen – unter Verweis darauf, manche Teilnehmer der Abstimmung hätten bestimmt nur den Namen verwechselt. 

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