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Am 5. August trug Ivo Pitanguy noch die Olympische Fackel zum Maracanã Stadion.
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Am 5. August trug Ivo Pitanguy noch die Olympische Fackel zum Maracanã Stadion.

Ivo Pitanguy

„Eine OP ist kein Friseurbesuch“

  • Wolfgang Kunath
    VonWolfgang Kunath
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Der berühmte Schönheitschirurg Ivo Pitanguy ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der eigenen Branche stand Pitanguy ziemlich kritisch gegenüber.

Besucher, die keine Patienten waren, empfing er im obersten Stock seiner Privatklinik, der vollgestopft war wie eine seinem Ruhm geweihte Asservatenkammer. Orden, Medaillen, Urkunden, Schärpen, Ehren-Nadeln und -Plaketten und natürlich auf Hochglanz polierte Statuetten perfekter, idealisierter Frauenleiber – das waren Belege der langen, glanzvollen Karriere von Ivo Pitanguy, dem wohl berühmtesten Schönheitschirurgen der Welt. Am Samstag ist er im Alter von 93 Jahren in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro gestorben.

Sophia Loren, Jackie Onassis, Elizabeth Taylor und Gina Lollobrigida hat er unter dem Messer gehabt, und wer weiß, wer vom internationalen Jetset sonst noch in seine luxuriöse Privatklinik im Stadtteil Botafogo von Rio de Janeiro kam, um die Hilfe seines Skalpells im Kampf gegen das Altern zu erbitten.

Ob Patient oder nicht, Pitanguay schätzte die Gesellschaft der Prominenten. Salvador Dalí hat ihn früher einmal porträtiert, in seiner Villa im feinen Viertel Alto da Gávea oder auf seiner als ökologisches Reservat ausstaffierten Privatinsel unweit von Rio waren Tom Cruise und Jimmy Carter, Plácido Domingo und mancher der Rolling Stones zu Gast. Die gerahmten Fotos in seiner Besucher-Suite zeigen Pitanguy mit Berühmten, Reichen und Gekrönten und sogar mit Papst Joannes Paul II.

Auch wenn es das Metier war, das ihm Vermögen, Ruhm und Ansehen gebracht hatte – anders als viele seiner Kollegen sprach er geradezu mit Demut über die Grenzen der plastischen Chirurgie. „Wir sind nun mal keine Künstler“, sagte er vor Jahren in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, „wir müssen der Natur gegenüber loyal sein, sie setzt unserer Kreativität Grenzen, und an die müssen wir uns halten“.

"Unnötige Nachfrage"

Die „exzessive Beschäftigung mit dem eigenen Körper“ heutzutage gefiel ihm gar nicht, es gebe eine „völlig unnötige Nachfrage“ nach Schönheitsoperationen, und es sei Pflicht des Arztes, sich zu überlegen, ob es dem Patienten danach wirklich besser gehe. Die plastische Chirurgie werde heutzutage oft banalisiert: „Eine Operation ist eben kein Friseurbesuch“.

Dass er die Schönheitsoperation geradezu erfunden hat – von diesem Mythos war er umgeben, und er ist dem auch nicht groß entgegengetreten. Aber so war es natürlich nicht. Der Sohn eines Arztes verbrachte nach dem Studium der Medizin viele Lehrjahre in den USA und in Europa, und als er 1949 zurückkam nach Brasilien, wurde er Chef der für Hand-Chirurgie zuständigen Abteilung der Santa Casa da Misericórdia.

In dieser im 16. Jahrhundert gegründeten Klinik operierte Pitanguy – er legte erst 2013 das Skalpell aus der Hand – ärmere Patienten, für die seine Privatklinik unerschwinglich gewesen wäre.

Bekannt wurde er 1961, als er Stunden über Stunden die Opfer eines verheerenden Zirkus-Brandes operierte, der in Rios Schwesterstadt Niterói etwa 500 Menschen das Leben kostete. Im Laufe der Jahrzehnte hat Pitanguy über 900 Fachartikel und über 40 Bücher verfasst.

Die glücklichsten Menschen, sagt er damals im FR-Interview, seien die Menschen, die mit ihrem Aussehen zufrieden seien und keine Korrektur wünschten, so wie er selbst. Und die Unglücklichsten? Das seien die, die sich nur unters Messer legten, um anderen zu gefallen. Diejenigen, die sich zwischen beiden Extremen bewegten, waren Pitanguys liebste Klienten: „Es ist ein außerordentliches Gefühl, wenn man als Arzt bewirken kann, dass sich ein Mensch plötzlich im Einklang mit seinem Selbstbild befindet“.

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