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Am 26. September wurde der Jaguar XJ Serie 1 50 Jahre alt.

Jaguar XJ ist 50

Eine Katze mit neun Leben

Am 26. September 1968 wird der Jaguar XJ Serie 1 erstmals in Paris einer Öffentlichkeit präsentiert. Die Entwicklung des Modells vollzog sich jedoch nicht reibungslos.

Vor 50 Jahren, um genau zu sein am 26. September, wurde der Jaguar XJ einer staunenden Öffentlichkeit in Paris vorgestellt. Inzwischen besteht die Modellreihe XJ aus acht Generationen. Die Neunte steht bereits in den Startlöchern.

Noch heute ist das Original, der letzte von Sir William Lyons entworfene Wagen, ein wahnsinnig schönes und im heutigen Straßenbild seltenes Automobil. Der Jaguar XJ Serie 1 fasziniert durch sein aufregendes Äußeres und elegantes Innenleben damals genauso wie heute.

Der XJ war bereits zum Zeitpunkt seiner Präsentation mehr als nur ein Meilenstein in der Firmengeschichte von Jaguar. Der Weg bis zur ersten öffentlichen Präsentation war ein langer und steiniger.

Anfang der 60er Jahre stand zunächst der Wunsch, eine neue Limousine auf dem Markt zu positionieren. Der Jaguar E-Type, ein erfolgreiches und attraktives Sportcoupé, hatte der Marke positive Publicity bereitet, die sich auch in den Auftragsbüchern widerspiegelte. Es fehlte jedoch ein gleichwertiger Viertürer, denn die aktuellen Modelle waren selbst für britische Verhältnisse hoffnungslos jenseits ihres Zenits und überaltert.

Um seine Entwürfe für die angestrebte Limousine zu realisieren, musste der Firmengründer Sir William Lyons an die Grenzen des finanziell möglichen gehen. Zwar war Jaguar bereits 1966 mit der „British Motor Corporation“ fusioniert, aber die finanzielle Ausstattung war nach wie vor nicht rosig. Lyons, der 1922 ursprünglich auf die Produktion von Motorradbeiwagen spezialisiert war und erst nach dem Zweiten Weltkrieg Jaguar entstehen ließ, musste mit bescheidenen finanziellen Mittel zurechtkommen und bei der Entwicklung der Limousine auf Bauteile des Jaguar E-Type Coupes zurückgreifen.

Die allerersten Entwürfe zeigten entsprechend einen viertürigen E-Type, der allerdings zu sportlich und zu wenig elegant wirkte – die Proportionen stimmten nicht. Daher ging  Lyons erneut zum Reisbrett und zeichnete den Wagen komplett neu, mit dem Vorhaben, sich nicht mehr zu nah am Design des E-Types zu orientieren.

Als das Design stand, sah  der Entwurf wunderschön aus, doch jetzt mussten die Bauteile an die Limousine angepasst werden. Das ist kein Selbstläufer, und um Hindernisse zu überwinden, versuchte Lyons es mit einem einfachen, aber äußerst erfolgreichen Trick. Er wettete mit einem kettenrauchenden Ingenieur um ein paar Zigaretten, dass dieser es nicht schafft, die Hinterachse des E-Type in die neue Limousine integriert zu bekommen. Der Ingenieur schaffte es, und der Wetteinsatz löste sich, Augenzeugen zu Folge, direkt in Rauch auf.

Allerdings ging noch während der Entwicklung des Fahrzeuges Jaguar zusammen mit BMC in die nun riesige British Leyland Motor Coperation über. Das machte die strategische Ausrichtung von Jaguar unvorhersehbar, weswegen das Unternehmen sich innerhalb des neu gegründeten Konglomerats erst beweisen musste.

Für den Firmenlenker der ersten Stunde, Sir William Lyons, kam es entsprechend noch nicht in Frage, das Steuer des Autokonzerns aus der Hand zu geben und sich mit 67 Jahren auf sein Altenteil zurückzuziehen. Er wusste, dass gerade jetzt in dieser, durch die Firmenübernahmen sehr turbulenten Zeit, das Schicksal der britischen Traditionsmarke vom Erfolg seines neuen Fahrzeuges abhängt.

Nicht nur aus Kostengründen musste die Limousine auf einen Schlag gleich vier bisherige Jaguar Modelle ablösen und gleichzeitig die Eigenständigkeit der Marke bewahren.

Als sich das Datum der ersten Präsentation, der 26. September 1968, näherte, machte sich Spannung in der Firmenleitung breit. Zwar war jeder vom Erfolg des neuen Fahrzeuges überzeugt, aber konnte man auch die Fachpresse und die potentielle Kundschaft überzeugen? Der Medienrummel war enorm, als man um den eXperimental Jaguar (XJ) in Paris die Hüllen fallen ließ. Der Wagen war ein Magnet und in internationalen Vergleichen seiner Konkurrenz aus München und Stuttgart, bereits damals schon die internationalen Maßstäbe, weit voraus.

Nach dem Designerfolg des XJ forcierte Lyon Anfang der 70er Jahre noch ein XJ Coupé, um sich danach aus seinem Unternehmen zurückzuziehen.

Ohne Sir William Lyons fuhr Jaguar anschließend in die dunkelsten Jahre der Firmengeschichte, bis Ford die Marke 1989 übernommen, jedoch leider nie verstanden hat. Bessere Zeiten kamen erst 2008 wieder, nachdem Ford die Marke an den indischen Tatakonzern verkaufte und Jaguar wieder mehr Eigenständigkeit gewährt wurde.

50 Jahre später leben wir in einer Zeit von billigem Geld, Negativzins, alternativen Anlageformen und Autos, die alle gleich aussehen, egal ob sie aus Deutschland, Japan, China, Frankreich oder Großbritannien kommen. Der Windkanal und die Jagd nach dem letzten Gramm CO2 sowie der SUV-Wahn in ganz Europa lässt den Designern nicht mehr die Freiheiten, die es seinerzeit noch gegeben hat. Der Jaguar XJ ist inzwischen in seiner achten Generation bei den Händlern, die 2009 vorgestellt wurde. Dabei machten gravierende Veränderungen auch vor dem XJ nicht halt: Im Vergleich zu seinem Urahnen hat dieser inzwischen vieles von seinem ursprünglichen Design verloren. Dennoch ist auch der Achte XJ (X351) ein angenehm individueller Vertreter der automobilen Oberklasse.

Aktuell steigt die Nachfragen nach Autos, die eine Seele zu besitzen scheinen, rasant. Nachfrager aus Asien drängen auf einen Markt, und so steigen gerade bei solchen Raritäten täglich die Preise.

Die zeitlose Begeisterung der Menschen zeigt, wie zeitlos treffsicher Sir Lyon Williams ein Gespür dafür hatte, wie eine Raubkatze auf vier Rädern auszusehen hat. Auch zukünftig wird der Jaguar XJ die Konkurrenz aus Süddeutschland ärgern. Und, wie autocar.co.ukvermeldet, mit einem rein elektrischen Modell. Wie sagt der Volksmund?

Eine Katze hat neun Leben.

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