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Die junge Britin, die sieben Israelis der Vergewaltigung beschuldigt hatte, zog ihre Anschuldigung zurück.

Zypern

Eine Geschichte ohne Helden

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Doch keine Gruppenvergewaltigung: Britin räumt Falschaussage ein.

Der Presseauflauf war gewaltig, als eine 19-jährige Britin am Montag in der Provinzstadt Paralimni im griechischen Süden der geteilten Mittelmeerinsel Zypern einem Richter vorgeführt wurde. Zahlreiche Reporter aus Israel waren angereist, denn die Touristin hatte zwölf israelische Urlauber im Alter von 15 bis 18 Jahren beschuldigt, sie vor zwei Wochen in ihrem Hotel im Ferienort Agia Napa gemeinsam vergewaltigt zu haben.

Nachdem Zweifel an der Schilderung aufgekommen waren, hatte sie dann am Wochenende die Vergewaltigungsvorwürfe zurückgenommen und muss sich nun selbst wegen „Irreführung der Behörden“ und „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ verantworten. Bei einem Schuldspruch drohen ihr bis zu einem Jahr Haft und rund 1700 Euro Geldstrafe. Sie bleibt vorerst in Untersuchungshaft.

Laut Angaben der Britin hätten die jungen Israelis, die im selben Hotel wohnten, sie in einem Zimmer festgehalten und missbraucht. Sie hätten das Verbrechen mit Handys gefilmt und in sozialen Medien veröffentlicht. Nach der Anzeige nahm die Polizei Mitte Juli zwölf israelische Teenager fest. Die Beschuldigten bestritten die Vorwürfe; einige erklärten aber, mit der Britin „einvernehmlichen Sex“ gehabt zu haben. Tatsächlich brach die Geschichte der Touristin zusammen, als wenig später Beweise für die Unschuld einiger der Israelis auftauchten. So hatte ein Junge zur entsprechenden Zeit mit seiner Freundin im Bett gelegen und Selfies von sich aufgenommen.

Mit den Indizien konfrontiert, räumte die Britin am Sonntag ein, dass sie freiwillig mit dreien der Teenager Sex gehabt habe. Nachdem sie aber bemerkt habe, dass sie dabei ohne ihre Zustimmung gefilmt wurde, habe sie dagegen protestiert und verlangt, die Aufnahmen zu löschen. Als ein vierter Israeli Sex mit ihr wollte, habe sie das abgelehnt. Daraufhin hätten die Jungen sie aus dem Raum geworfen. Sie habe ihre Anzeige erstattet, weil sie sich durch die Videos erniedrigt fühlte und „wütend und verletzt“ war. Alle Israelis wurden bis zum Sonntag freigelassen.

Bizarrer Empfang für die Heimkehrer in Israel

Der Fall erhitzt die Gemüter auf Zypern, weil er zwei hochsensible Lebensbereiche berührt. Zum einen hat die Bevölkerung den Schock über einen spektakulären Fall von Sexualverbrechen noch längst nicht verdaut, nachdem ein Hauptmann der südzyprischen Nationalgarde Ende Juni wegen sieben Morden an ausländischen Frauen und Kindern verurteilt wurde. Untrennbar verknüpft mit dem Entsetzen über den ersten Serienmörder Zyperns sind die Sorgen über den Imageschaden, den jeder negative Bericht für den Tourismus als wichtigsten Wirtschaftszweig bedeutet.

In Israel folgte dem Entsetzen über die vermeintliche Gruppenvergewaltigung ein kollektiver Seufzer der Erleichterung. „Vom Vergewaltigungsvorwurf befreite Sexparty-Jungs bekommen Heldenempfang“, titelte die linke „Haaretz“. Die Heimkehrer wurden am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv von Angehörigen und Freunden mit großem Jubel, Umarmungen und Champagner empfangen. Diese skandierten dabei „Stolz Israels!“ und „Die Britin ist eine Hure!“. Ob dies die angemessene Reaktion sei, bezweifelten Nutzer sozialer Medien, die darauf hinwiesen, dass die Teenager wegen der nicht einvernehmlichen Sexvideos strafrechtlich verfolgt worden wären, hätte sich der Vorfall in Israel ereignet.

Ein Kolumnist der konservativen Tageszeitung „Jediot Acharonot“ schrieb ironisch, augenscheinlich handele es sich bei den Teenagern nicht um Vergewaltiger, „sondern nur um Jungs, die sich mit einem betrunkenen Mädchen auf Gruppensex einlassen, es ohne ihre Erlaubnis filmen und die Videos dann an ihre Freunde schicken. Es besteht kein Zweifel, es sind offensichtlich gute Jungs.“

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