Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Prozess

Eine Frau, 14 Stunden

In Stuttgart beginnt der Prozess gegen die Betreiber von Flatrate-Bordellen. 22 Frauen wurden Opfer des Menschenhändlerrings.

Von Judith Kubitscheck (epd)

 Vom heutigen Freitag an müssen sich die Zuhälter dieser Bordelle vor der 10. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart verantworten. Die Anklage lautet „gemeinschaftlicher schwerer Menschenhandel“.

Seit 2004 sollen die zehn Angeklagten regelmäßig junge Rumäninnen nach Deutschland gebracht haben, um sie unter ihrer Kontrolle als Prostituierte arbeiten zu lassen. Die beiden Hauptangeklagten und ein weiterer Angeklagter sollen außerdem Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 2,7 Millionen Euro den Behörden vorenthalten haben.

Die 22 Rumäninnen, die Opfer des Menschenhändlerrings wurden, kamen nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Dass „Geld verdienen“ jedoch bedeutet, bis zu 60 Freier in bis zu 14 Stunden pro Tag zu bedienen, das hat wohl keine der Frauen geahnt. Viele der Frauen waren zu dieser Zeit noch nicht 21 Jahre alt.

Manche Frauen kollabierten

„Sicherlich wussten manche von ihnen, dass sie in Deutschland arbeiten werden. Aber die meisten von ihnen hatten keine Vorstellung, was das bedeuten kann“, sagt Rechtsanwältin Michaela Spandau, die eine 29-Jährige vor Gericht vertritt. Die jungen Frauen, die hauptsächlich aus ärmlichen Verhältnissen stammen, manche haben nicht einmal einen Schulabschluss.

Die Bande habe den Rumäninnen das Ticket nach Deutschland gezahlt und einen hohen Wochenlohn versprochen, sagt Spandau. Doch der Alltag sah anders aus. „Bei Hautkrankheiten oder Pilzerkrankungen hat man das Licht gedimmt“, berichtet die Rechtsanwältin. 

Die Betreiber und deren Hintermänner, neun Männer im Alter von 27 bis 40 Jahren sowie eine 23-jährige Frau, hatten mit ihrem Flatrate-Konzept Erfolg. 

Manchmal habe eine Frau doch nicht alles mit sich machen lassen, obwohl die Bordell-Kette das den Kunden versprochen habe. Wenn sich ein Gast deshalb beschwerte, sei der Prostituierten zur Strafe das Wochengehalt gestrichen worden. Das Gehalt der Frauen betrage zwischen 350 und 1000 Euro

Laut einer Prozess-Begleiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte, herrschten in den Etablisments die schlimmsten Arbeitsbedingungen.

Ziel des Prozesses ist es aus Sicht der Opferanwälte, die zehn Angeklagten wegen Menschenhandels zu verurteilen. Doch die Aussage vor Gericht ist für die betroffenen Rumäninnen sehr belastend. „Die Frauen haben Angst, vor Gericht ihre intimsten Erlebnisse zu erzählen“, sagt die Prozessbegleiterin. Außerdem befürchteten sie, dass die Täter sich an ihnen rächen.

Rechtsanwalt Jens Rabe hofft, dass die Frauen zwar vor Gericht Gehör bekommen, aber „nicht ein zweites Mal verheizt werden“. Denn man dürfe nicht vergessen: „Nach dem Prozess schert sich niemand mehr um die Zeuginnen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare