Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Flasche mit dem Brief wurde bereits 2018 gefunden. N. Beaudry/UQAR
+
Die Flasche mit dem Brief wurde bereits 2018 gefunden. N. Beaudry/UQAR

Kanada

Brief von der Titanic: Flaschenpost gibt Rätsel auf

  • VonGerd Braune
    schließen

In Kanada wird ein Brief untersucht, der wohl kurz vor dem Untergang des Luxusliners ins Meer geworfen wurde.

Ottawa - Kann das wirklich sein? Dass eine Flaschenpost, die im April 1912 von Bord des Luxusdampfers Titanic in den Nordatlantik geworfen wurde, an die kanadische Ostküste getrieben wurde und dort mehr als 100 Jahre später gefunden wird? An einer kanadischen Universität wird nun ein Brief untersucht, der von einer Zwölfjährigen stammen könnte, die beim Untergang der Titanic am 15. April 1912 ums Leben kam.

Die Forschenden haben aber nicht nur Fragen, sondern auch Zweifel. Die Möglichkeit, dass der angeblich von der jungen Französin Mathilde Lefebvre geschriebene Brief eine Fälschung ist, kann nicht völlig ausgeschlossen werden. Aber Nicolas Beaudry, Geschichts- und Archäologie-Professor an der Université du Québec (UQAR) in der Stadt Rimouski am St. Lorenz-Strom, stellt auch fest: „Wir haben bisher auch keinen eindeutigen Hinweis gefunden, dass es eine Fälschung sein könnte.“ Alles, was wissenschaftlich geprüft werden konnte, deutet darauf hin, dass die Flaschenpost echt sein könnte.

Titanic: Brief von Mathilde Lefebvre ist auf 13.4.1912 datiert

Im Sommer 2017 hatte eine kanadische Familie in der Bay of Fundy bei den berühmten Hopewell Rocks an der Küste der Provinz New Brunswick eine Flasche gefunden, in der sich ein Brief befand. Sie war mit Kork verschlossen und mit Wachs versiegelt. Der handschriftliche Brief war von einer Mathilde Lefebvre unterschrieben und mit „13. April 1912“ datiert. „Ich werfe diese Flasche ins Meer, inmitten des Atlantik. In einigen Tagen sollen wir in New York ankommen. Wenn jemand die Flasche findet, nehmt Kontakt mit der Familie Lefebvre in Liévin auf“, schrieb das Mädchen.

In New York aber kam sie nie an. Die Titanic hatte am 10. April 1912 zur Jungfernreise den britischen Hafen Southampton mit Ziel New York verlassen. An Bord des Dampfers: rund 2220 Menschen, darunter Hunderte, die auswandern wollten und sich die Passage nur in der Dritten Klasse in den unteren Decks leisten konnten. Am 14. April um 23.40 Uhr (Schiffszeit) kollidierte die Titanic mit einem Eisberg, knapp drei Stunden später, um 2.20 Uhr am 15. April, sank die Titanic in den eisigen Fluten. Nur 713 der Menschen an Bord überlebten, wobei diese Zahl nicht belegt ist.

Titanic-Flaschenpost: Brief war 2018 der Universität übergeben worden

Unter den Opfern, die nicht geborgen wurden, waren Mathilde, ihre Mutter Marie und ihre Geschwister Jeanne, Henri und Ida. Über die Familie ist einiges in der Encyclopedia Titanica nachzulesen. Mathildes Vater Franck Lefebvre war vermutlich 1910 mit seinen vier ältesten Kindern von Liévin in Nordfrankreich in die USA ausgewandert. Er wollte in Iowa als Bergarbeiter sein Glück finden. Nun sollte seine Frau mit den anderen Kindern folgen. Am 13. April schrieb Mathilde den fraglichen Brief. Einen Tag später starb sie auf tragische Weise.

2018 war das Fundstück der UQAR übergeben worden. Das Papier war in sehr gutem Zustand. „Weil die Flasche mit Wachs versiegelt war, bildete sich in ihr keine Feuchtigkeit“, erläutert die Archäologin Manon Savard. „Altes Papier und eine alte Flasche ergeben aber noch nicht mit Gewissheit eine alte Botschaft“, ergänzt ihr Kollege Maxime Gohier.

Finder zerbrechen Flasche von der Titanic

Um an den Brief zu kommen, hatten die Finder die Flasche zerbrochen. Der Brief ist in der Mitte zerrissen, was darauf zurückgeführt werden kann, dass er gerollt und gefaltet wurde, um in die Flasche zu passen, und über die Jahre das Papier dann riss. Sowohl die chemische Zusammensetzung des Glases als auch die Untersuchung des Korkens mit der Radiokarbon-Methode weisen darauf hin, dass beides aus der Zeit um 1912 stammen könnte.

Um den Korken war zudem Papier gewickelt, das identisch mit dem Briefpapier zu sein scheint. Auch diese Papierreste wurden radiokarbon-datiert. Die Ergebnisse der Analysen passten zu dem Datum auf dem Brief. Der Brief selbst wurde nicht einer Radiokarbon-Analyse unterzogen, weil man dafür Materialprobe hätte entnehmen müssen. „Wir beschränkten uns vorerst auf Untersuchungen, die das Dokument nicht zerstörten“, erläutert Beaudry.

RMS Titanic
Länge269 Meter
Baubeginn31. März 1909
Stapellauf31. Mai 1911
Gewicht52.310 Tonnen
WerftBelfast, Vereinigtes Königreich
HerstellerHarland & Wolff
ReedereiWhite Star Line

Titanic-Flaschenpost: Zweifel an der Echtheit

Dass 2018 war das Fundstück der UQAR übergeben wordent. Der Golfstrom hätte die Flasche vom Titanic-Standort aus Richtung Europa treiben müssen. Stattdessen wurde sie mehr als 1500 Kilometer westlich des Ortes, an dem sich die Titanic befand, in der Bay of Funday zwischen den kanadischen Provinzen New Brunswick und Nova Scotia angeschwemmt. Ein Szenario, das unter Kundigen der Ozeanografie als eher unwahrscheinlich gilt, aber auch nicht komplett auszuschließen ist.

Eingehend haben sich Beaudry und sein Team mit der Handschrift Mathildes beschäftigt. Auf den ersten Blick sehe sie aus wie Handschrift des frühen 20. Jahrhunderts, aber es gebe einige Unstimmigkeiten im Vergleich mit dem, wie Kinder in Frankreich damals schreiben lernten, erläutert Gohier. „Sie lernten, dass alle Buchstaben verbunden sein sollten. Aber einige Buchstaben sind nicht mit dem Wort verbunden.“ Bisher tauchte kein Schriftstück auf, das eindeutig von Mathilde stammt, nichts aus ihrer Schulzeit und keine anderen Briefe.

Flaschenpost von der Titanic: Ein schlechter Scherz?

Da bald nach dem Untergang der Titanic die Namen der Opfer bekannt waren, ist es möglich, dass sich jemand einen schlechten Scherz machte. Es ist möglich, dass es eine Fälschung aus der Zeit kurz nach dem Untergang der Titanic oder aus jüngerer Zeit sein könnte. „Wir wissen nicht, ob wir das Rätsel jemals lösen können“, sagt Manon Savard.

In Südfrankreich hoffen nun Hélène und Jacques Lefebvre, dass weitere Untersuchungen Klarheit bringen. Mathildes Mutter war Jacques’ Großtante. Aus der Lokalzeitung hatte er von dem Brief erfahren, kurz nachdem er gefunden worden war. Wie Jacques dem kanadischen Rundfunk CBC erzählt, wäre dieser Brief, so er denn echt ist, der einzige, den er von diesem Zweig der Familie hätte. (Gerd Braune)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare