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Gestopfte Gänse- oder Entenleber: für manche ein Gaumenschmaus, für andere schlicht Tierquälerei.
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Gestopfte Gänse- oder Entenleber: für manche ein Gaumenschmaus, für andere schlicht Tierquälerei.

Stopfleber-Streit

Eine delikate Angelegenheit

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Für viele Menschen in Frankreich gehört sie zu Weihnachten dazu. Jetzt wird Foie Gras zum Politikum

Gewiss, es ist nur ein symbolischer Entscheid: Im französischen Lyon wird bei offiziellen Anlässen keine Foie gras mehr serviert. Die Stadt der Feinschmeckerinnen und Feinschmecker schließt sich damit Vorreitern wie Grenoble oder Straßburg an, wo ebenfalls grüne Bürgermeister:innen regieren. Der Aufruhr folgte auf dem Fuß. Der Lyoner Sternekoch Christophe Marguin nahm wütend ein zweites Menü mit Foie gras auf die Karte seines Restaurants Le Président. Denn das Thema Entenleber – selten Gänseleber – ist in Frankreich so explosiv wie ein Dampfkochtopf. Französinnen und Franzosen sehen auch, dass immer mehr Städte und Länder auf der Welt die ominöse Stopfleber wegen Tierquälerei verbieten – New York etwa ab 2022. In Deutschland ist das Entenstopfen, nicht aber der Verkauf von Foie gras verboten.

Leberspeise ist Kulturerbe

In Paris ist Foie gras seit 2016 offizieller Bestandteil des nationalen Kulturerbes. Frankreich produziert und konsumiert 20 000 Tonnen Foie gras im Jahr, rund drei Viertel der Weltabsatzes. Auf 79 Prozent der französischen Speisepläne für die Festtage kommt die Leberdelikatesse an erster Stelle, wie eine aktuelle Umfrage des Foie gras-Produzentenverbandes Cifog ergeben hat. Bekannt wurde sie nicht ganz zufällig nach dem Entscheid der grünen Stadtregierung von Lyon.

Erstaunlicherweise wird die Stopfleberfrage nun aber auch zu einem Thema der französischen Präsidentschaftswahl in vier Monaten. Vielleicht auch, weil die Tierschutzorganisation Peta den grünen Bürgermeister:innen nicht nur gratulierte, sondern auch vorrechnete: Die den Gänsen eingetrichterte Menge Mais entspreche einem menschlichen Konsum von zwölf Kilo Teigwaren am Tag. Da konnte sich die konservative Präsidentschaftskandidatin Valérie Pécresse nicht mehr zurückhalten: „Französisch zu sein“, wetterte sie, bedeute auch, an Festtagen Foie gras zu essen. Das sei so französisch wie der Weihnachtsbaum, die Miss France-Wahl und die Tour de France.

Auch der Zentrumsdemokrat François Bayrou, ein Verbündeter von Emmanuel Macron, eilte stellvertretend für den Staatspräsidenten zu Hilfe: Das Gänsestopfen sei heute viel tiergerechter als noch vor wenigen Jahren, dozierte der Nachbar von Entenzüchtern im französischen Baskenland. Nein, es sei immer noch „ein Horror“, widerspricht Hélène Thony, Kandidatin der kleinen Tierschutzpartei.

Schwierig ist die Frage für den Kandidaten der Grünen, Yannick Jadot. Von Journalist:innen gefragt, seufzte er tief, bevor er sein Glaubensbekenntnis abgab: „Ich esse Fettleber“, sagte er mit dem Hinweis, dass bei ihm keine industriell fabrizierte, sondern nur „handwerkliche“ Foie gras auf den Teller komme.

Gestopft würden auch die Freiluft-Enten, wenden Tierschützerinnen und Tierschützer ein. Zumindest die Enteriche; die weiblichen Küken sind weniger produktiv und werden meist vernichtet. Ein Labor in der Nähe von Toulouse entwickelt deshalb neuerdings ein Verfahren, das ohne Stopfen auskommt. Es soll eine natürliche Zunahme der Leber dank der Abgabe von Enzymen ermöglichen. Die Kosten sind allerdings so hoch, dass eine Kommerzialisierung vorläufig nicht in Frage kommt.

Bleibt zuletzt noch die vegane Version von Foie gras, bestehend aus Pilzen, Soja, Linsen, Nüssen und Cognac. Sie kommt in Ländern wie Belgien mehr und mehr in die Regale, jedoch nicht in Frankreich. Die Chancen sind also groß, dass im Elysée-Palast auch nach der anstehenden Wahl weiterhin Foie gras serviert wird.

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