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Trier: Am Morgen nach der Amokfahrt mit fünf Toten legen Menschen an der Porta Nigra Kerzen und Blumen nieder. Am Tag zuvor war 51-jähriger Deutscher mit seinem Auto durch die Fußgängerzone gefahren und hatte Menschen erfasst.
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Trier: Am Morgen nach der Amokfahrt mit fünf Toten legen Menschen an der Porta Nigra Kerzen und Blumen nieder.

Trauer

Eine andere Stadt

Die Amokfahrt mit mehreren Toten hat Trier verändert. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten das Gefühl, dass auch sie selbst hätten Opfer werden können.

Eine Woche nach der Tat ist in der Stadt die Trauer überall gegenwärtig. An vielen Orten brennen die Kerzen weiter, am zentralen Trauerort an der Porta Nigra, aber auch als Lichter-Inseln in der Fußgängerzone – an jenen Stellen, an denen der Amokfahrer vergangenen Dienstag fünf Menschen tötete. Wie am Hauptmarkt, an dem ein Baby und dessen Vater starben, oder in der Simeonstraße, wo eine Studentin in den Tod gerissen wurde.

Das schreckliche Ereignis hat Trier enger zusammenrücken lassen. „Die Anteilnahme ist immens groß“, sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Viele Bürgerinnen und Bürger hätten das Gefühl, dass auch sie selbst hätten Opfer werden können. „Das schweißt zusammen“, sagt Leibe. Es habe bislang Tausende Beileidsbekundungen über soziale Medien und 330 Schreiben aus aller Welt gegeben.

Der 51-jährige mutmaßliche Amokfahrer war am 1. Dezember mit einem Sportgeländewagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte laut Ermittlerinnen und Ermittlern „wahllos und gezielt“ Passantinnen und Passanten angesteuert. Neben den fünf Toten habe es mindestens 24 Verletzte gegeben, darunter sechs Schwerverletzte. Und manche von ihnen ringen noch um ihr Leben, sagt Leibe. In der „kleinen Großstadt“ Trier sei die Hilfsbereitschaft unterdessen groß.

Auf einem Spendenkonto für Opfer und Angehörige etwa seien bereits mehr als 420 000 Euro eingegangen. „Ich bin sprachlos über die große Anteilnahme“, so Leibe. „In Trier gibt es ganz viele Menschen, die auch immer wieder durch die Innenstadt laufen, die gedenken. Und es ist still und nachdenklich.“ Zwei Mal am Tag gehen Mitarbeitende des Grünflächenamtes zu den Gedenkstellen und schauen nach dem Rechten. „Auch das ist ein Akt der Solidarität“, sagt Leibe.

Gedenkorte überall

Der mutmaßliche Täter sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft, ihm wird unter anderem fünffacher Mord vorgeworfen. Das Motiv ist noch unklar. Nach der Tat haben viele Menschen „über das Unfassbare“ sprechen wollen, wie ein Sprecher der Polizei Trier sagt. „Unzählige“ seien zu einer Anlaufstelle auf dem Hauptmarkt gekommen, wo sie mit Polizistinnen und Notfallseelsorgern reden konnten.

An der Universität Trier gibt es einen Platz in Gedenken an die getötete Studentin der Rechtswissenschaft. Im Trierer Dom liegt ein Kondolenzbuch an einem eingerichteten Gedenkort. Es seien bereits „sehr viele Menschen“ gekommen, sagte eine Sprecherin des Bistums Trier. Um sich einzutragen, eine Kerze anzuzünden, ein Gebet zu sprechen oder mit jemandem zu sprechen.

„Die Amokfahrt hat sich im Herzen unserer Stadt ereignet und unmittelbar oder mittelbar nahezu jede Bürgerin, jeden Bürger dieser Stadt getroffen“, sagt der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Das habe „Auswirkungen auf die Stadt, auf das Zusammenleben, auf den Umgang miteinander. Eine solche Tat brennt sich in das kollektive Gedächtnis einer Stadt ein“. Die Verarbeitung dieses Geschehens „werden uns lange – wenn auch nicht mehr so öffentlich sichtbar wie im Moment – begleiten“.

Die Stadt setzt in diesen Tagen bewusst Zeichen der Solidarität mit den Opfern. Dazu zählten eine Gedenkveranstaltung und eine Gedenkminute nach der Tat. Es werde auch einen Gedenkgottesdienst geben, sagte ein Sprecher der Stadt. Der Termin stehe aber noch nicht fest. Zudem wird die Porta Nigra jeden Abend bis einschließlich 10. Dezember in der Trauerfarbe violett angestrahlt.

Es sei „eine kollektive Trauer“, die derzeit stattfinde, sagt Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry an der Universität Trier. „Die meisten von uns kennen die Opfer ja nicht persönlich und dennoch trauern wir mit.“ Die Amokfahrt, die viele Menschen in der Innenstadt miterlebt haben, mache die eigene Verletzlichkeit deutlich.„Wir trauern auch, weil durch diese Tat der Glaube erschüttert wird, dass Menschen im Grunde gut sind und wir ihnen vertrauen können.“ (dpa)

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