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Vor sechs Jahren wurde die Landschaft von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt – nun wird das Gebiet massiv bedroht. imago images
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Vor sechs Jahren wurde die Landschaft von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt – nun wird das Gebiet massiv bedroht. imago images

Botswana

Ein Paradies mit Loch

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Noch gehört das Okavango-Delta im Nordosten Botswanas zu den schönsten Landschaften des afrikanischen Kontinents. Nun will eine kanadische Firma Öl aus dem Boden fördern.

Am besten ist man in einem ausgehöhlten Baumstamm, einem „Mokoro“, unterwegs, der mit dem langen Stab des am Bootsende stehenden „Pooler“ durch das Gewirr der unzähligen kleinen Flußärmchen gestochert wird. Zu hören ist das sanfte Plätschern des Mokoros, das Gezwitscher der Vögel und der durchdringende Schrei eines in den Lüften kreisenden Fischadlers.

Im Wasser sind Krokodilbabys in Eidechsengröße zu sehen. Und ab und zu taucht am Ufer eine Antilope auf, um ihren Durst zu stillen. In der Ferne sind gelegentlich auch Elefantenfamilien auszumachen – oder riesige Büffelherden, die gerne mal bis zu 500 Exemplare zählen können.

Das Okavango-Delta im Nordosten des südafrikanischen Staats Botswana ist eines der schönsten Naturreservate dieser Welt. Vor sechs Jahren wurde es von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Womöglich wird das Millionen von Jahre alte Paradies auch nicht mehr viel älter. Die jüngsten Aktivitäten der kanadischen Erdölfirma ReconAfrica könnten den Garden Eden ruinieren.

Das Unternehmen hat sich bei der botswanischen und der namibischen Regierung ein insgesamt fast 35 000 Quadratkilometer großes Explorationsgebiet gesichert. Dort sollen gerade die ersten Probebohrungen stattfinden. Bei dem Erdölfeld handelt es sich womöglich um eines der größten Erdölfelder der Welt.

Bewahrheiten sich die Schätzungen der ReconAfrica-Geologinnen und -Geologen, schlummern in dem bis zu 10 000 Meter tiefen „Kavango Becken“ weit über 100 Milliarden Barrel Erdöl – mehr als im bislang größten Ölfeld der Geschichte, dem saudi-arabischen Ghawar Field, das rund 100 Milliarden Barrel umfasst.

Fachleute sprechen denn auch von der „größten Entdeckung der Dekade“. Mit dem hier entdeckten Erdöl ließe sich der Jahresbedarf der USA 16 Jahre lang decken, heißt es beim Branchendienst „Oilprice.com“. Er habe es nicht glauben wollen, sagt der namibische Jurist und Ökologe Willem Odendaal. Dass Firmen und Regierungen in heutiger Zeit noch Naturparadiese zu gefährden bereit seien sei „Schwindel erregend“.

Gegenüber dem US-Magazin „National Geographic“ verwies Firmensprecherin Claire Preece nun auf eine von ReconAfrica in Auftrag gegebene Studie, die dem Projekt durchaus eine Umweltverträglichkeit attestiert habe. Allerdings bezeichneten drei von National Geographic hinzugezogene Gutachter die Studie als „in mehrfacher Hinsicht mangelhaft“.

Das beeindruckende Okavango Delta verdankt seine Existenz einem einzigartigen Phänomen. Durch Bewegungen der Erdkruste war vor Millionen von Jahren im Norden des Landes Botswanas auf der südlichen Hälfte des afrikanischen Kontinents eine Senke entstanden. In dieser Senke staute sich der aus Angola kommende Kavango-Fluss auf, der seitdem in dem „Binnen-Delta“ von der Größe Schleswig-Holsteins sein gesamtes Wasser, immerhin siebeneinhalb Billionen Liter im Jahr, verliert.

ReconAfrica betont, dass ihr Exploration an das Okavanga-Delta lediglich angrenzt. „Wir werden sicherstellen, dass von den Erdölquellen keine Umweltbelastung ausgeht“, verspricht Sprecherin Preece. Kennerinnen und Kenner der Region lassen sich davon allerdings nicht beruhigt. Sie verweisen auf die unterirdischen Wasserflüsse, die das Naturparadies mit den geplanten Erdölfeldern verbinden.

Ein Unfall oder auch lediglich die alltäglichen Verschmutzungen, wie sie aus Nigeria und dem Südsudan bekannt sind, könnten unüberschaubare Folgen haben, heißt es. Vor allem wenn es stimmt, dass bei der Erdölgewinnung auch das umstrittene „Fracking“ eingesetzt werde.

Bei dieser Methode, bei der Wasser mit hohem Druck in die Erde gepumpt wird, um so noch mehr Erdöl herauspressen zu können, werden riesige Mengen an Wasser verbraucht. Außerdem bleiben beim Fracking eingesetzte Chemikalien zurück. ReconAfrica muss das benötigte Wasser dem Ökosystem entnehmen – wie sich das auf das Okavango-Delta auswirken wird, ist unbekannt.

Namibias Regierung versichert indes, zumindest zum Fracking keine Genehmigung erteilt zu haben. Dagegen heißt es in der Präsentation der kanadischen Firma für eine vor zwei Jahren veranstaltete Investorenkonferenz: Zumindest in einigen der insgesamt hundert geplanten Ölquellen werde auch „modern frac simulations“, also Fracking, ausgeführt.

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