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Im Vergleich zu Heuschrecken richten Zikaden keinen Schaden an.
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Im Vergleich zu Heuschrecken richten Zikaden keinen Schaden an.

Tierwelt

Ein kurzes aber lautes Spektakel

Nach 17 Jahren im Untergrund schlüpfen in den USA bald Milliarden Zikaden.

Melanie Asher erinnert sich noch genau an die Zikaden-Invasion, die sie als Kind im Jahr 1987 in dem Washingtoner Vorort Bethesda erlebte.„Es war wie in einem Science-Fiction-Film. Unheimlich, wie aus einer anderen Welt.“ Alle 17 Jahre schlüpfen Milliarden Zikaden in den USA gleichzeitig. In wenigen Wochen ist es wieder soweit.

Fast zwei Jahrzehnte leben die Zikaden-Larven in der Erde, bevor sie dann in Massen hervorkommen und mit ohrenbetäubendem Lärm die Luft erfüllen – in einem riesigen Gebiet, das von Washington im Osten der Vereinigten Staaten über Illinois im Mittleren Westen bis nach Georgia im Süden reicht. Ihr Leben oberhalb der Erdoberfläche ist von kurzer Dauer – gerade lange genug, um sich zu paaren und Eier zu legen.

„Es ist wirklich einzigartig“

In diesem Jahr werden die Zikaden im Mai erwartet, je nach Witterung in manchen Regionen auch schon früher. Die Ankunft der daumengroßen Insekten mit ihren roten Glubschaugen ist ebenso spektakulär wie selten. Melody Merin erlebte die letzte Invasion im Jahr 2004 in Washington. „Sie flogen einfach überall hin“, erzählt die 46-Jährige. Es sei schwer gewesen, ihnen zu entkommen. Autofahren mit offenem Fenster – undenkbar.

Peter Peart aus dem Washingtoner Stadtteil Columbia Heights hat das Zikaden-Spektakel schon zweimal mitbekommen. „Es ist laut, ununterbrochen“, sagt der Rentner. Dennoch freut er sich auf die Zikaden in ein paar Wochen – vor allem auf die erstaunten Gesichter derer, die den Insekten zum ersten Mal begegnen.

„Es ist wirklich ziemlich einzigartig“, sagt der Evolutionsbiologe John Cooley von der Universität von Connecticut in Hartford. „Die Zikaden haben einfach einen 17-jährigen Lebenszyklus.“ Der läuft immer gleich ab. „Sobald der Boden eine bestimmte Temperatur erreicht, etwa 17 Grad Celsius, kommen die Larven aus dem Boden und häuten sich“, erklärt der Biologe. „Dann hängen sie etwa eine Woche lang in der Vegetation herum.“ Anschließend beginnen sie mit ihrem „Erwachsenenverhalten“, wie Cooley es nennt. Man könnte es auch als gigantische Insekten-Orgie bezeichnen. Denn darum geht es einzig und allein: um die Fortpflanzung.

„Das Geräusch, das man hört, ist das der Männchen, die die Weibchen anlocken“, sagt der Wissenschaftler. Die Weibchen legen dann ihre Eier auf Bäumen ab und sterben kurz darauf. Der Boden ist anschließend mit den toten Insekten übersät.

Nach etwa sechs bis acht Wochen schlüpfen die Larven und graben sich in den Boden ein. Dort ernähren sie sich 17 Jahre lang vom Saft der Baumwurzeln. Dann beginnt der Zyklus von Neuem. In diesem Frühjahr werde mit „Milliarden und vielleicht sogar Billionen“ Zikaden gerechnet, sagt der Biologe John Cooley.

Indem die Tiere in Massen und nur in großen Zeitabständen auftreten, können sie ihren Fressfeinden entkommen. Denn selbst wenn Eichhörnchen, Vögel, Waschbären und Hunde sich tagelang die Bäuche mit den Insekten vollschlagen, werden immer noch genügend Zikaden überleben.

Anders als etwa eine Invasion von Heuschrecken richten die Zikadenschwärme keinen Schaden an. Nur den nach einem Jahr Corona-Pandemie sehnlich erwarteten Frühling könnten die Insekten den Menschen in den USA ein bisschen vermiesen. Zusammen mit tausenden lärmenden Zikaden macht ein Picknick im Park nur noch halb so viel Vergnügen. (Inès BEL AIBA, afp)

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