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Nicht nur Kanada muss sich auf steigende Temperaturen und höhere Waldbrandgefahr einstellen. AFP
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Nicht nur Kanada muss sich auf steigende Temperaturen und höhere Waldbrandgefahr einstellen. AFP

Klimastudie

Ein „Hitzedom“ oder Schlimmeres

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Eine Studie legt nahe, dass der Klimawandel die Extremtemperaturen in Kanada verursacht

Die extreme Hitzewelle im Westen Kanadas und der USA hat dort zu neuen Rekordtemperaturen geführt. Hunderte von vorzeitigen Todesfällen werden auf die Hitze zurückgeführt. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung belegt nun, dass die neuen Extremwerte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Die globale Erwärmung habe die Hitzewelle mindestens 150-mal wahrscheinlicher gemacht, so das Forschungsteam.

In der Gemeinde Lytton im kanadischen British Columbia war das Thermometer vorige Woche auf fast 50 Grad Celsius – genau 49,6 Grad – angestiegen, ein neuer Rekordwert für Kanada. Dann raste ein Waldbrand über Lytton hinweg. Der gesamte Ortskern brannte ab, rund 100 Menschen mussten fliehen. Auch US-Großstädte wie Seattle und Portland verzeichneten Rekordtemperaturen.

Laut der Analyse der „World Weather Attribution“-Initiative wäre die Hitzewelle ohne die menschengemachte Klimaerhitzung nahezu unmöglich gewesen. Bei dem Team handelt es sich um einen Zusammenschluss von internationalen Wissenschaftler:innen, die die Rolle des Klimawandels bei extremen Wetterereignissen analysieren. Sie vergleichen dafür die beobachteten Wetterdaten mit einer Klima-Modellwelt ohne erhöhte Treibhausgas-Konzentrationen. An der aktuellen Studie haben 27 Forscher:innen aus Kanada, den USA, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien mitgewirkt. In früheren Studien hat das Netzwerk bereits Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und extremen Wetterereignissen festgestellt, darunter die europäischen Hitzewellen 2018 und 2019, die australischen Waldbrände 2019/20, der Tropensturm Imelda, der 2019 Texas heimsuchte, und die Hitzewelle in Sibirien 2020.

Für die extremen Temperaturen während der Hitzewelle in Kanada und USA gibt es laut der Studie zwei mögliche Erklärungen: Erstens, der Klimawandel hat die Hitzewelle zwar wahrscheinlicher gemacht, sie bleibt aber ein extrem ungewöhnliches Ereignis. Danach hätten große Trockenheit und besondere atmosphärische Zirkulationsbedingungen – ein sogenannter „Hitzedom“ – zusammen mit dem Klimawandel zu den außergewöhnlich hohen Temperaturen geführt.

Zweitens, das Klimasystem hat eine Schwelle überschritten, bei der bereits eine geringe weitere Erhöhung der globalen Mitteltemperatur einen schnelleren Anstieg der Extremtemperaturen verursacht als erwartet. Dies würde bedeuten, dass Rekord-Hitzewellen wie die jüngste bereits wahrscheinlicher sind als die Klimamodelle bisher vorhersagen. Das Team bezeichnet das Hitzeereignis in Nordamerika als „deutliche Warnung“, dass extreme Temperaturen auch bis zum 50. Grad nördlicher Breite auftreten können – dies beträfe fast die gesamten USA und Frankreich sowie Teile Deutschlands, Chinas und Japans.

Die Klimaforscherin Friederike Otto kommentierte: „Was wir hier erleben, ist beispiellos. Es ist nicht normal, dass man Temperaturrekorde um vier oder fünf Grad Celsius überschreitet.“ Das Ereignis in Kanada und den USA sei außergewöhnlich. Es sei nicht mehr auszuschließen, dass schon heute Hitzeextreme auftreten, „die wir erst bei einer weiter fortgeschrittenen Erderwärmung erwartet hätten“. Otto ist Mitglied der Forschungsgruppe und Direktorin des Environmental Change Institute der Universität Oxford.

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