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Hitze und Sommer: Eine glückliche Bilanz

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Extremtemperaturen über Wochen hinweg – das ist den Menschen in Deutschland in diesem Jahr erspart geblieben. Zu heiß und zu trocken war es trotzdem. Eine erste Bilanz der vergangenen Monate.

  • Der Sommer 2020 fiel nicht so extrem aus wie seine Vorgänger
  • Stabile hochsommerliche Phasen waren selten
  • Eine Entwarnung in Sachen Klimaerwärmung sehen Expert*innen nicht

Die Sommer der beiden vergangenen Jahre waren extrem. Jede und jeder erinnert sich noch daran. Der Dürresommer 2018 brachte verbrannte Felder, fast trockene Flüsse, ein neues Waldsterben. Im Jahr darauf plagte Hitze die Menschen. Am 25. Juli wurde mit 42,6 Grad in Lingen im Emsland sogar ein neuer Temperaturrekord aufgestellt.

Das Wetter 2020: Diesmal kein Extremsommer

Ein dritter Extremsommer in Serie blieb zum Glück aus, wie jetzt auch die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach zum Start des meteorologischen Herbstes am 1. September zeigt. Dafür gab es einen „Schaukelsommer“, und zu trocken sind die Böden tief unten immer noch.

Ein dritter Extremsommer in Serie blieb zum Glück aus – trotzdem war es zu trocken.

Trotz der zuletzt in vielen Regionen Deutschlands heftigen Regenfälle waren die Monate Juni, Juli und August laut DWD unter dem Strich zu warm und auch etwas zu trocken.

Mit einer Durchschnittstemperatur von 18,2 Grad Celsius lagen sie um 1,9 Grad über dem Mittelwert der Referenzperiode 1961 bis 1990, die international als Basis für Vergleiche genutzt wird. Gegenüber der bereits wärmeren Vergleichsperiode 1981 bis 2010 waren es immer noch 1,1 Grad plus.

Die Hitzesommer 2018 und 2019 hingegen hatten den Mittelwert der Referenzperiode sogar um rund drei Grad überschritten – mit 19,3 und 19,2 Grad. Der nun vergangene Sommer startete verhalten, also eher so, wie man den deutschen Sommer noch von früher kennt.

Der Sommer 2020 war ein „Schaukelsommer“

Stabile hochsommerliche Phasen waren, schreiben die Wetterexpertinnen und -experten, „eine Seltenheit“. Kühle und warme Phasen wechselten sich ab. Der DWD spricht von einem „Schaukelsommer“. Erst im August kam es landesweit zu einer mehrtägigen Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad, wie man sie von 2018 und 2019 in Erinnerung hat.

Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am 9. August in Trier-Petrisberg gemessen – mit 38,7 Grad, fast vier Grad unter dem Rekord von 2019. Die niedrigsten Frühtemperaturen wurden in diesem Sommer am 1. Juni registriert. Es waren „frische 0,5 Grad“ an der Messstation Oberharz am Brocken-Stiege.

Keine Entspannung in Sicht: Noch immer sind die Böden viel zu trocken.

Und die Niederschläge? Anders als 2018 und 2019 fiel der aktuelle Sommer hier in der Gesamtbilanz fast normal aus. Mit rund 230 Litern Regen pro Quadratmeter im bundesweiten Mittel habe er sein „Soll“ 2020 von 239 Litern nur leicht verfehlt, so der DWD. Die Expertinnen und Experten betonen aber: „Oftmals lagen Starkregenfälle mit Überflutungen und anhaltende Trockenheit nah beieinander.“

Kein „Extremsommer“ bedeutet nicht, dass es den Klimawandel nicht gibt

In einigen Regionen, etwa der Uckermark, der Leipziger Tieflandbucht, dem Saarland und entlang des Rheins, fielen mit 70 bis 100 Litern weniger als die Hälfte der dort typischen Niederschlagsmenge. Andernorts gab es Dauerregenfälle, die Hochwasser brachten, wie Anfang August in Oberbayern. Insgesamt wurden laut DWD an den Alpen über den Sommer hinweg über 700 Liter gemessen – zehnmal so viel wie in den trockenen Regionen Deutschlands.

Dass der 2020er Sommer „normaler“ ausfiel als die Extremsommer vorher, bedeutet in Punkto Klimawandel freilich keine Entspannung. An der langjährigen Tendenz, dass die Sommer in Mitteleuropa heißer werden, hat sich nichts geändert. „Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein normaler, durchschnittlicher Sommer“, heißt es in einer Analyse des DWD zusammen mit dem Schweizer Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Extreme Temperaturen: Die Entwicklung hält an

Diese Entwicklung werde sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen. „Bei weltweit unverändertem Ausstoß von Treibhausgasen werden Sommer, die heute für uns extrem heiß sind, Ende des Jahrhunderts der Normalfall sein.“ Bemerkbar macht sich die veränderte Lage auch am Wasserdefizit in den Böden, das sich in den letzten Jahren deutlich verschärft hat.

So zeigt der aktuelle „Dürremonitor“ des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, dass sie mit Ausnahme des Alpenvorlandes fast flächendeckend bis in tiefere Bodenschichten ausgetrocknet sind. UFZ-Klimaexperte Andreas Marx sagte der FR: „Darunter leidet vor allem der Wald, da der Dürrestress bereits in der dritten Vegetationsperiode in Folge anhält. Auch die Grundwasserstände sinken weiter, da jetzt erst einmal der Bodenspeicher mit Wasser gefüllt werden muss.“ Nur in den oberen Bodenschichten hat sich die Lage etwas entspannt.

Eine Chance auf Normalisierung gibt es Marx zufolge nur, wenn im kommenden Winterhalbjahr überdurchschnittlich Niederschläge fallen – und das über mehrere Monate hinweg. Dabei dürfe es aber keine zu langen Frostperioden geben, so der Experte. Das Wasser könne bei Frost nämlich nicht in den Boden eindringen.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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