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DER FR-ADVENTSKALENDER

Ein Engelchen für alle

Lange belächelt, gehören die kleinen Weihnachtsengelchen zur Familie: Teil 18 der FR-Adventgeschichten

Sie sind winzig, in der Regel nicht höher als fünf Zentimeter. Am Leib tragen sie weiße Hemdchen, der Kragen und die Ärmel hellblau abgesetzt. Die Füßchen und Händchen sind stecknadelkleine, runde Knäuel. Rosafarbene Punkte auf ihren Wangen deuten die Anstrengung der Tätigkeit an, die Lippen und die Äuglein wirken auf den Betrachter immer so, als steckte dahinter etwas Verschmitztes. Kein Wunder, wenn man grün gepunktete Flügelchen auf dem Rücken hat.

Oh ja, sie sind ziemlich verschmitzt, diese süßen Wendt-und-Kühn-Engel meines weihnachtlichen Engels-Orchesters, ohne das Weihnachten im Hause Münstermann kein Weihnachten wäre. Wir haben das aus knapp drei Dutzend Engelchen bestehende Winz-Orchester von meiner Schwiegermutter Helene geerbt. Helene wäre am 18. Dezember dieses Jahres 91 Jahre alt geworden.

weihnachtsrituale

Für die einen ist es die Gans an Heiligabend, für die anderen muss es „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ im Nachmittagsprogramm sein. Wir alle haben bestimmte Geschichten, Filme oder auch Rituale, die zu Weihnachten gehören – und ohne die unsere Adventszeit nur halb so festlich wäre. In diesem Jahr finden Sie im FR-Adventskalender nicht nur die beliebten persönlichen Geschichten, sondern hin und wieder auch Verlosungen. Viel Glück und auf jeden Fall: Frohes Fest! FR

Ich erinnere mich noch genau, als ich, frisch verheiratet, 1995 das erste Weihnachtsfest im Hause meiner Schwiegermutter in Hamburg verbrachte. Schon von weitem konnte man durch die Fenster die die Figuren umgebenden Lichter sehen und hatte das Gefühl – sorry, wenn das jetzt kitschig klingt –, hier weht der Geist der Weihnacht. Ich stellte dann schnell fest, dass die Grünhainichener Engelchen in der Tat eine immens heimelige Atmosphäre verbreiteten, aber darüber hinaus noch ein bisschen mehr: Heiterkeit.

Helene, die die handgemachten (und, wie ich hinzufügen möchte, nicht ganz billigen) Figuren zeitlebens gesammelt hatte, konnte nämlich nicht nur von jeder einzelnen sagen, ob sie sie selbst und wo gekauft hatte oder wer sie ihr wann zu welchem Anlass schenkte. Nein, nein. Meine Schwiegermutter hatte jedem Engelchen auch ein irdisches Pendant zugeteilt. „Guck mal, der hier, der die Glocke und die Laterne trägt: Das ist doch original dein Ältester, der sich immer vor dem Bühnenauftritt drückt“, sagte sie lachend zu mir und zeigte dann gleich auf den nächsten Engel. Einen mit Trompete. Wie der die Backen aufblähe, der sehe doch aus wie „Dein Mittlerer beim Kakaotrinken“, sagte sie. Oder der blonde Harfen-Engel. „Mit den frechen Pferdeschwänzchen genau wie deine Jüngste.“ Oder der an der Orgel, die beim Aufziehen „Stille Nacht“ spielt. „Der Orgelspieler, das ist dein Mann, also mein Jüngster“ sagte Helene und fügte hinzu: „Der hat immer gerne viele Leute um sich, braucht aber dennoch Platz.“

Als welchen Engel sie mich gedanklich hinterlegt hatte, verriet mir meine Schwiegermutter übrigens nie. „Sabine, wo bliebe denn da der Spaß? Du musst raten und dir überlegen, wofür die Engelchen stehen!“ Ich vermute, sie hatte mir einen der Paukisten zugedacht, weil ich öfter mal, vor allem, als die Kinder noch klein waren, sinnbildlich auf die Pauke haute, wenn es mir zu bunt wurde… Welcher Engel dagegen Helene zugedacht war, darüber gab’s, auch wenn nie darüber gesprochen wurde, kein Vertun: natürlich der Dirigent mit dem Taktstock.

Alljährlich holen unsere Kinder – obschon mittlerweile 20, 17 und 14 Jahre alt – die Kisten, in denen die Engelchen nach dem Fest wieder vorsichtig verpackt werden (übrigens Metallkisten, in denen vor Jahrzehnten Nürnberger Lebkuchen drin war – meine Schwiegermutter liebte solche Verpackungen), aus dem Keller und streiten sich drum, wer in diesem Jahr die Streicher, wer die Blechbläser und wer die Choristen wo aufstellen darf – nur um den Dirigenten wird nie gestritten. Den dürfen Mama oder Papa aufstellen. Denn das ist ja der „Helene“-Engel.

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