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Eine über 80-jährige vollständig geimpfte Frau hat erfolgreich gegen die Isolierungsmaßnahmen in ihrem Altenheim geklagt. (Symbolbild)
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Eine über 80-jährige vollständig geimpfte Frau hat erfolgreich gegen die Isolierungsmaßnahmen in ihrem Altenheim geklagt. (Symbolbild)

Im Eilverfahren

Corona: Geimpfte Seniorin kämpft gegen Isolierung im Altenheim - und bekommt Recht

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
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Eine über 80-jährige Frau nahe Münster hat in einem Eilverfahren gegen eine befristete Isolierungsmaßnahme ihres Altersheims geklagt. Der geimpften Seniorin wurde Recht gegeben.

Münster - In der Coronapandemie ist Isolation für viele Menschen fast schon so etwas wie bedrückende Alltagsbelastung geworden. Die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt und halten die aktuelle Situation aus - auch in der Hoffnung, dass in Zukunft wieder mehr Kontakte zu anderen Menschen möglich sein werden.

Wer aber ein hohes Alter hat, dem bleibt unter Umständen nicht alle Zeit der Welt, um Familie oder Freunde wiederzusehen und das normale soziale Leben zu genießen. Besonders belastend kann das sein, wenn die Impfung Sicherheit gibt, aber die Einsamkeit anhält, weil der Wohnort ein Altenheim ist und dort Isolierungsmaßnahmen verhängt werden.

Gegen diese Situation im Altenheim in Isolation zu verbringen hat eine über 80-jährige Pflegeheimbewohnerin aus der Gemeinde Altenberge bei Münster geklagt - und Recht bekommen. Die Ordnungsverfügung der Gemeinde Altenberge vom 12. April sei aufgrund von Ermessensfehlern rechtswidrig, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Beschluss des Verwaltungsgerichts Münster.

Klage gegen Isolation im Altenheim: Nach Kontakt zu einer coronapositiven Person war Testergebnis negativ

Konkret ging es bei der Seniorin, die bereits komplett gegen das Coronavirus geimpft ist, um eine Isolierungsmaßnahme von über zwei Wochen. Nach Ansicht der Richter wurden bei der verordneten isolierten Versorgung im Pflegeheim die individuellen Belange der Seniorin nicht berücksichtigt. Die Gemeinde Altenberge hatte für die über 80-Jährige die Maßnahme angeordnet, nachdem sie am 8. April Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person gehabt hatte. Bis einschließlich 26. April sollte es ihr demnach untersagt sein, ihre Räume ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes zu verlassen. Auch sollte sie keinen Besuch erhalten dürfen.

Die Frau empfand die vollständige Isolierung in ihrer kleinen Heim-Wohnung für die Dauer von zweieinhalb Wochen als unverhältnismäßig. Aus gesundheitlichen Gründen sei sie dringend auf Bewegung angewiesen, erklärte sie. Sie argumentierte zudem, bereits vollständig geimpft zu sein. Ein am 9. April durchgeführter PCR-Test auf das Coronavirus sei bei ihr negativ ausgefallen.

Klage gegen Isolierung im Altersheim: Amt hätte Ausnahmen für Seniorin in Betracht ziehen müssen

Vor Gericht wurde die Klägerin von ihrem Sohn vertreten. Die Verwaltungsrichter gaben dem Eilantrag der Frau gegen die Verfügung statt. Zwar lasse sich eine Aufnahme von Krankheitserregern infolge eines Kontakts mit einer infizierten Person nach zwei Impfungen nicht ausschließen, heißt es in dem Beschluss. Dennoch habe das Gesundheitsamt nicht einmal Ausnahmen in Erwägung gezogen - und hätte das tun müssen.

So wie sich Pflegepersonal mit FFP-2 Masken und Schutzkleidung vor einer Coronainfektion schützt, hätte auch die ältere Frau damit ausgestattet werden können - und so weiter Bekannte und Familie treffen und ihrer täglichen Bewegung nachgehen können. Auch mögliche Zusammentreffen mit anderen Bewohnern hätten verhindert werden können, indem sichergestellt wird, dass die Seniorin lediglich zu einer bestimmten Zeit ihre Räume für ihr Bewegungsprogramm verlässt.

Beschluss zu Klage gegen Isolierung im Altenheim könnte exemplarisch für geimpfte Senioren werden

Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb von zwei Wochen kann Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen eingelegt werden. Allerdings könnte der Beschluss auch exemplarisch für andere Senioren in Pflegeheimen gelten. Menschen, die in Deutschland in Altersheimen leben, haben zum größten Teil zwei Impfungen gegen das Coronavirus erhalten - und viele sind es Leid isoliert und eingeschränkt zu leben - auch weil sich durch die Isolation Krankheiten wie Demenz bei älteren Menschen rasant beschleunigen können. (Sophie Vorgrimler mit epd)

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