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Beim Volk war Andrew ohnehin nie beliebt – nun werden für ihn nicht mal mehr die Flaggen gehisst. 

Prinz Andrew

Ehrentag ohne Ehre

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Früher ließ Prinz Andrew keine Party aus – nun dürfte ihm kaum nach feiern zumute sein. Seine Verstrickungen in die Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein werfen dunkle Schatten auf seinen heutigen 60. Geburtstag.

Die Nationalflaggen sollten an diesem Mittwoch eigentlich an Regierungsgebäuden im ganzen Land zu seinen Ehren gehisst werden. So will es die Tradition im Königreich, wenn ein wichtiger Royal Geburtstag feiert. Doch in diesem Jahr bleiben die Union-Jack-Fahnen eingerollt, ein offizielles Fest steht ebenfalls nicht auf dem Plan.

Lediglich die Glocken der Westminster Abbey in London werden für Prinz Andrew läuten. Der Herzog von York wird am 19. Februar 60 Jahre alt. Feierstimmung kommt aber weder im Hause Windsor noch beim Fußvolk auf. Für zu viele negative Schlagzeilen sorgte der zweitgeborene Sohn von Königin Elizabeth II. in den letzten Monaten.

Dabei lief es ohnehin nie rund – gelinde gesagt. Als Darling des britischen Volks galt Prinz Andrew nie. Waren es in der Vergangenheit Affären, Fehltritte, ein teurer Lebensstil, die Kritik und Spott auslösten, steht der Royal nun seit Monaten wegen seiner Verstrickungen in den Missbrauchsskandal um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im Fokus.

Es sei an der Zeit zu reden, forderte ihn die US-Amerikanerin Virginia Giuffre zuletzt via Twitter auf. Die 36-Jährige, eines der Opfer von Epstein, wirft dem Herzog vor, sie im Alter von 17 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Andrew streitet das vehement ab. Und war doch jahrelang mit Epstein befreundet, übernachtete etwa mehrere Male in verschiedenen Anwesen des US-Multimillionärs, der sich im August 2019 in Untersuchungshaft das Leben nahm.

Dem Geschäftsmann wurde vorgeworfen, Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Andrew hatte, selbst nach einem ersten Gefängnisaufenthalt Epsteins, den Kontakt zu ihm nicht aufgegeben. Was der Royal inzwischen öffentlich in einem aufsehenerregenden Auftritt bedauert hat.

Im November vergangenen Jahres wollte der Prinz mit einem BBC-Interview den Befreiungsschlag schaffen, doch das Gespräch vor der prunkvollen Kulisse des Buckingham-Palasts endete in einem PR-Desaster. Arrogant und der Realität völlig entrückt – der privilegierte Prinz Andrew löste durch seine Aussagen so viel Empörung und vernichtende Kritik aus, dass er am Ende seine Repräsentantenrolle für das Königshaus aufgeben musste.

Der Herzog von York wurde von seinen Pflichten und Vorrechten entbunden und damit de facto aus dem engsten Kreis der „Firma“ ausgeschlossen – und das trotz seines Status als Lieblingssohn der Queen. Die Öffentlichkeit würde Andrew ohnehin am liebsten alle royalen Privilegien streichen – und das längst nicht erst seit diesem jüngsten Skandal. So erarbeitete sich der jüngere Bruder von Thronfolger Prinz Charles über viele Jahrzehnte seine vornehmlich miese Reputation auf der Insel.

Alles begann mit den Partys. Schon in jungen Jahren ließ er als „Playboy-Prinz“ keine Feier aus. Dabei waren es vor allem die Frauen, denen er offenbar nicht widerstehen konnte. Das brachte ihm bei der Boulevardpresse den Spitznamen „Randy Andy“ – „Geiler Andy“ – ein. Er flirtete mit Models, hatte Affären und etliche Abenteuer, bevor er 1986 mit einer Märchenhochzeit in der Westminster Abbey seine große Liebe Sarah „Fergie“ Ferguson heiratete.

Aus der turbulenten Ehe gingen zwei Töchter, Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie, hervor. Halten sollte die Verbindung allerdings nicht. Als Auslöser für die endgültige und überaus öffentliche Trennung gelten Fotos, auf denen ein Mann der rothaarigen Fergie die Zehen lutscht. Bei diesem Mann handelte es sich definitiv nicht um Prinz Andrew.

1996 ließen sich die beiden scheiden, blieben aber befreundet, wohnen heute sogar unter einem Dach in Windsor und verbringen regelmäßig gemeinsame Urlaube. „Er ist der beste Mann, den ich kenne“, verteidigte Fergie ihren Ex eben noch gegen die Vorwürfe im Epstein-Skandal.

Die einzige Zeit, in der Prinz Andrew wirklich so etwas wie Popularität im Königreich genießen durfte, war während seiner Anfangsjahre beim Militär. Nachdem er seine Pilotenausbildung am College der Royal Navy in Dartmouth als Jahrgangsbester abgeschlossen hatte, verdiente sich der Herzog im Falkland-Krieg Anfang der 80er Jahre den Respekt der Briten.

Auf Geheiß seiner Mutter war er als Pilot des Flugzeugträgers HMS Invincible im Einsatz, machte dann bei der Royal Navy und ab 1997 im britischen Verteidigungsministerium Karriere, bis er 2001 seine militärische Laufbahn im Rang eines Fregattenkapitäns beendete. Das mit dem Fliegen konnte er aber auch privat nicht lassen, was ihm wiederum den aktualisierten Spitznamen „Airmiles Andy“ einbrachte.

Denn nicht alle seine Reisen sollen in seiner neuen Funktion als Sonderbotschafter der britischen Wirtschaft stattgefunden haben. Vielmehr, so echauffierte sich die Presse des Landes, kamen Steuerzahlerin und Steuerzahler auch für den ausschweifenden Lebensstil des royalen Lobbyisten auf, sowie für Trips zu zwielichtigen Geschäftskontakten wie etwa dem Gaddafi-Sohn Saif.

Dieser Tage taucht Prinz Andrew dagegen kaum noch auf – zum Unmut der US-Ermittlerinnen und -Ermittler im Fall Epstein, die den Herzog gerne als Zeuge befragen würden. Obwohl Andrew angekündigt hatte, der amerikanischen Justiz helfen zu wollen, hat er bislang offenbar nicht mit den Behörden zusammengearbeitet. Die für Andrew „endlose Horror-Show“, wie ein Kommentator die Geschichte bezeichnete, dürfte auch im neuen Lebensjahr weitergehen.

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