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"Ehrenmann/Ehrenfrau" wurde zum "Jugendowrt des Jahres" gewählt.

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"Ehrenmann/Ehrenfrau" ist "Jugendwort des Jahres" 2018

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Eine 21-köpfige Jury hat die Wörter "Ehrenmann" und "Ehrenfrau" zum "Jugendwort des Jahres" gekürt.

Hört, hört! Nach ein paar eher schwachen Jahrgängen wurde jetzt also ein Jugendwort des Jahres gekürt, das „in Zeiten von Hass und Hetze ein positives Zeichen setzt“. Und nicht nur das. „Jeder Mensch, der eine gute Tat vollbringt, darf sich ab heute mit dem offiziellen Jugendwort schmücken!“ So wohlfeil umschrieb es Fabian Grischkat, 18 Jahre alt, Youtuber und einer der 21 Juroren, die am Freitag in München das „Jugendwort des Jahres 2018“ verkündeten. 

Ein revolutionärer Akt?

Der „Ehrenmann“ hat es also auf Platz eins geschafft. Und weil das diesjährige Jugendwort – wir wiederholen es gerne, sehr gerne sogar – ein „positives Zeichen“ setzen soll, teilt sich der Ehrenmann den ersten Platz mit der ihm ebenbürtigen „Ehrenfrau“. Den Worten des Literaturwissenschaftlers Oliver Bach, ebenfalls Jury-Mitglied, nach zu urteilen, scheint die Wiederentdeckung von Ehrenfrau und -mann beinahe ein revolutionärer Akt zu sein, denn „anders als früher ist es nicht mehr auf höhere Gesellschaftsschichten und nicht mehr auf Männer eingeschränkt“. 

Nein, Ehrenfrau und Ehrenmann darf heute jeder zu jedem sagen. Und wer im Sommer 2018 eine Jugendfreizeit betreut hat, wird wissen, dass sich das Ehrenpaar in so inflationärem Maße in die alltägliche Konversation eingeschlichen hat, dass man nach zwei Wochen im Camp das Bedürfnis hatte, die Jungs und Mädels an das gute alte Wörtchen „Danke“ zu erinnern. So gesehen wird in das diesjährige Siegerpaar möglicherweise ein bisschen viel hineingedeutet von der Jury, die nicht nur aus Jugendlichen besteht, sondern in die auch Journalisten, Blogger und sogar – so melden es die Nachrichtenagenturen – ein „Polizeikommissar aus Berlin-Kreuzberg“ berufen worden waren. 

Andererseits, im Vergleich zum Vorjahressieger „I bims“, einer Wortkonstruktion, die nicht nur den absoluten Tiefpunkt in der nunmehr zehnjährigen Geschichte des Jugendwortes darstellte, sondern angeblich in Sozialen Netzwerken kursiert und so viel bedeuten soll wie „Ich bin“ oder „Ich bin’s“, sind der Ehrenmann und seine wunderbare Gefährtin ein Ohrenschmaus. Oder, wie die Jugend im Jahr 2016 gesagt hätte: die sind total „fly“. Lässig wäre auch der Verweis auf den Jugendwort-Sieger von 2014: „Läuft bei dir“. 

Apropos laufen: In der unverbindlichen Online-Abstimmung, die stets Jahr der offiziellen Jury-Kür vorausgeht, konnten sich die rund 1,5 Millionen Teilnehmer der Umfrage mit den Top 30 der eingereichten Vorschläge befassen. Da gab es etwa den „Lauch“, der schlichtweg für einen Trottel steht. Einen Hauch Politik wehte mit dem Vorschlag „lindnern“ in die Liste der Jugendwort-Anwärter.

Dieses „lindnern“ bezieht sich auf die gescheiterten Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU, den Grünen und der FDP nach der Wahl 2017 und fasst zusammen, womit FDP-Chef Christian Lindner damals die Jamaika-Weigerung begründete: lieber etwas gar nicht machen als etwas schlecht machen. Nach „Smombie“, dem Siegerwort von 2015, das ins Smartphone versunkene Passanten persiflieren soll, und der „Gammelfleischparty“ (2008 das erste Jugendwort des Jahres und sehr coole Bezeichnung für eine Ü-30-Party) wäre „lindnern“ mal wieder ein, nun ja, pfiffig-subversiver Sieger gewesen.

Die Teilnehmer der Vorab-Umfrage hatten übrigens das Wörtchen „verbuggt“ auf Platz eins gewählt. Verbuggt ist etwas, das voller Fehler ist. Nicht auszudenken, was das für ein Signal an die Gesellschaft gewesen wäre, wenn es geheißen hätte: in den Augen der Jugend ist alles voller Fehler! Da loben wir uns doch den Ehrenmann. Und, natürlich, die Ehrenfrau! (mit dpa)

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