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In Bwera unweit der Grenze zum Kongo liegt das Gelände einer Isolierstation.

Uganda

Ebola: Die Epidemie ist außer Kontrolle

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Nach dem Ebola-Ausbruch in Uganda beraten Experten der Weltgesundheitsorganisation, ob ein „globaler Notfall“ eingetreten ist.

Die außer Kontrolle geratene Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo ist auf das Nachbarland Uganda übergesprungen. Dort starben diese Woche zwei Infizierte, darunter ein fünfjähriger Junge. Sieben weitere Fälle der meist tödlich verlaufenden Viruserkrankung wurden von der Gesundheitsbehörde bestätigt. Am heutigen Freitag wird in Genf das Notkomitee der Weltgesundheitsorganisation WHO tagen, um darüber zu entscheiden, ob die Epidemie zu einem „globalen Notfall“ erklärt wird. Experten erwarten, dass dies auch geschieht.

Die beiden ugandischen Todesfälle stammen aus einer Familie, die Anfang der Woche aus dem Kongo nach Uganda reiste. Neben dem Jungen handelt es sich um dessen 50-jährige Großmutter, die in der Nacht zum Donnerstag starb. Vier weitere Familienmitglieder wurden in eine Isolierstation in der Grenzstadt Bwera eingeliefert: Zwei von ihnen sollen sich infiziert haben.

Nach Angaben der ugandischen Gesundheitsministerin Jane Ruth hatte die Familie den ebenfalls an Ebola erkrankten kongolesischen Großvater des Jungen im Kongo gepflegt und war nach dessen Tod nach Uganda zurückgekehrt. Fünfzig Personen, die mit der Familie in Kontakt gekommen sind, stehen jetzt ebenso unter Beobachtung.

In Kyaka werden kongolesische Geflüchtete beobachtet.

Jeremy Farrar, Direkter der medizinischen Hilfsorganisation „Wellcome Trust“, bezeichnete die Ausbreitung der Seuche als „wahrhaft furchterregend“: Die Epidemie zeige keinerlei Anzeichen, in absehbarer Zeit unter Kontrolle gebracht werden zu können. Insgesamt haben sich bereits mehr als 2000 Menschen angesteckt, fast 1400 mit tödlichen Folgen. Seit ihrem Ausbruch im vergangenen August breitet sich die Seuche immer schneller aus: Während die ersten 1000 Fälle innerhalb von acht Monaten registriert wurden, steckten sich die nächsten 1000 Menschen innerhalb von 70 Tagen an.

Verantwortlich dafür wird vor allem die Sicherheitslage im ostkongolesischen Seuchengebiet gemacht: Allein in diesem Jahr kam es zu über 40 Überfällen auf Gesundheitseinrichtungen. Diese gehen auf das Konto zahlreicher Rebellengruppen, auch Extremisten des „Islamischen Staats“ (IS) sollen in der Region aktiv sein. Ein Problem ist allerdings auch das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Gesundheitsbehörden.

Viele Einheimische, die mehrheitlich der Opposition nahestehen, sehen in der Seuche den Versuch des verhassten Staats, die örtliche Bevölkerung zu dezimieren oder zu vertreiben, um die in der Region vermuteten Bodenschätze ausbeuten zu können.

Fachleute betrachten die Ausbreitung der Epidemie auf ugandisches Staatsgebiet noch relativ gelassen: Dem ostafrikanischen Staat wird eine wirksame Reaktion auf die Seuche zugemutet. Uganda hatte es in der Vergangenheit bereits mit drei Ebola-Epidemien (2000, 2007 und 2012) zu tun und konnte sich auf die jüngste Gefahr bereits seit Monaten vorbereiten. Mehr als 4000 Personen, vor allem medizinische Hilfskräfte, wurden im Grenzgebiet zum Kongo geimpft. Die Regierung verbot jetzt auch Massenveranstaltungen wie Wochenmärkte oder Gebetstreffen.

Wesentlich besorgter sind Experten von der Aussicht, dass die Seuche auch auf die kongolesische Provinzhauptstadt Goma oder das im Norden Ugandas gelegene Bürgerkriegsland Südsudan übergreifen könnte. In Goma leben weit über eine Million Menschen, außerdem liegt die Stadt an der Grenze zu dem äußerst dicht besiedelten Kleinstaat Ruanda. Der Südsudan wäre mit einer adäquaten Reaktion auf die Seuche völlig überfordert.

Unterdessen rief Großbritanniens Entwicklungsminister Rory Stewart zu einer „globalen Anstrengung“ auf, um die Ebola-Epidemie unter Kontrolle zu bringen. „Wir müssen schnell und wir müssen großzügig handeln“, sagte der Kandidat für das Amt des britischen Premierministers. In den vergangenen Monaten nahm die WHO bereits zwei Mal davon Abstand, die Seuche im Kongo zu einem „globalen Notstand“ zu erklären. Das könnte sich bei der heutigen Sitzung des WHO-Notkomitees allerdings ändern.

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