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Menschen protestieren in Brüssel gegen eine Freilassung von Dutroux.

Kindermörder Marc Dutroux will vorzeitig freikommen

Dutroux - Belgiens Staatsfeind Nummer eins

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Ein belgisches Gericht verhandelt über eine vorzeitige Freilassung des Kindermörders Marc Dutroux. Bis heute schaut das Land in einen Abgrund des Verbrechens und in den Abgrund des Versagens der Justiz..

Die belgische Zeitung Le Soir bekannte es am Montag freimütig: „Belgien hat Angst.“ Der Mann, vor dem sich das Land fürchtet, kam in Handschellen und streng bewacht: Mark Dutroux. Seit 1996 sitzt er wegen Entführung, Vergewaltigung und vierfachem Mädchenmord in Haft, seit 2004 mit rechtskräftigem Urteil. Am Montag ließ er vor Gericht eine vorzeitige Haftentlassung prüfen.

Doch es war mehr als ein bloßer Rechtstermin. Seit Tagen diskutierte das Land über den Fall. War es notwendig, Dutroux vom Gefängnis in Nivelles vor Gericht nach Brüssel zu bringen, oder hätte die Anhörung nicht in der Haftanstalt abgehalten werden können? Von 50.000 Euro Ausgaben für Sicherheit und Polizei war die Rede. Und selbst Dutroux ließ über seinen Anwalt Pierre Deutsch erklären, er hätte einer Anhörung im Gefängnis zugestimmt.

Blick in den Abgrund

Es sind Scheindebatten. Denn noch immer schaut Belgien beim Blick ins Gesicht von Marx Dutroux in den Abgrund. In den Abgrund des Verbrechens und in den Abgrund des Versagens der belgischen Justiz. Sechs Mädchen hatte Dutroux in den 90er-Jahren entführt, vergewaltigt und vier von ihnen ermordet. Die belgische Justiz war ihm wegen kleiner Verbrechen auf der Spur, einmal vermeinte ein Polizist, auf dem Anwesen gar etwas gehört zu haben. Doch passiert ist zunächst nichts.

Dutroux hat mit seinen Taten nicht nur angedeutet, wie schwarz die menschliche Seele sein kann. Er hat auch die Fehler der belgischen Justiz offengelegt. Das Versagen des belgischen Staates – nirgendwo verdeutlicht es sich mehr als in der Ineffizienz der Justizverwaltung.

Viele Legenden

Stets war über Hintermänner Dutrouxs spekuliert worden. Am Montag aber ging es allein um einen Gerichtstermin. Auch, wenn sich wieder viele Legenden bildeten, jene etwa, um die ominöse Adresse, die Dutroux für den Fall einer Haftentlassung hätte.

Dutroux hat freiwillig angeboten, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Doch wird es zu einer Entlassung vermutlich nicht kommen. Jedenfalls rechnet niemand damit. Sein Anwalt Deutsch beklagte die Vorverurteilung. Alles, was sein Mandant sage, werde gegen ihn ausgelegt, klagte er.

Die Angehörigen der Opfer klagten auch. Sie fordern eine Reform des Haftprüfungsverfahrens und verklagten die belgische Justizministerin vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Und Dutroux? Er kämpfte um seine vorzeitige Freilassung – wie schon einmal 1992. Damals kam er tatsächlich frei, obwohl seine eigene Mutter eindringlich davor warnte.

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