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Ein Besucher macht eine Videoaufnahme von der 3D-Nachbildung von Michelangelos David im italienischen Pavillon auf der Dubai Expo 2020.
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Die 3D-Nachbildung von Michelangelos David im italienischen Pavillon auf der Dubai Expo 2020 sorgt für eine Kontroverse.

„Unerträgliche Demütigung“

Statue auf Dubai Expo 2020 zensiert: Michelangelos David sorgt für Ärger

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Bei der Expo 2020 in Dubai ist Michelangelos David auf dem italienischen Pavillon nicht komplett zu sehen. Das Gemächt der Statue ist verdeckt.

Dubai – Mit einem Jahr Verspätung läuft seit dem 1. Oktober in Dubai die Weltausstellung Expo 2020. Aus Respekt vor den Sitten in dem islamischen Emirat ist das Gemächt einer der berühmtesten Skulpturen der Welt, Michelangelos David, verdeckt – das sorgt für eine Kontroverse.

In die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wurde nicht die Original-Skulptur verfrachtet, diese steht weiterhin in der italienischen Stadt Florenz und lockt jedes Jahr haufenweise Tourist:innen aus aller Welt an. Der Dubai-David ist eine Kopie der 5,2 Meter hohen Statue und besteht aus Kunstharz aus dem 3D-Drucker. Mit 550 Kilogramm ist die arabische Version ein absolutes Leichtgewicht. Zum Vergleich: Das italienische Original bringt nach Schätzungen fast sechs Tonnen auf die Waage. Auf dem Italien-Pavillon der Expo soll Michelangelos David der Blickfang sein.

Geschlecht von Michelangelos David bei Dubai Expo 2020 verdeckt

Mit dem Werk will sich Italien dem internationalen Publikum gleichzeitig traditionsbewusst als auch zukunftsfreudig zeigen. „Es handelt sich um eine Technologie, die unser historisches Gedächtnis mit unserem künftigen Gedächtnis verbindet“, sagte der italienische Generalkommissar für die Weltausstellung, Paolo Glisenti, der New York Times. „Geschichte und Innovation – das sind die Themen, die uns interessieren.“

Doch für großes Aufsehen sorgt nicht die gigantische Statue selbst oder deren Machart. Ein Detail dagegen ist Thema in zahlreichen Medienberichten. Da in Dubai die öffentliche Darstellung von Nacktheit verboten ist, mussten die italienischen Verantwortlichen das Geschlecht von Michelangelos David verdecken.

Eine große Steinplatte zwischen den beiden Stockwerken, über die sich die Skulptur erstreckt, sorgt dafür, dass keiner der Besucher:innen in die Verlegenheit kommt, direkt auf die Genitalien der Statue zu starren. Die Bauart im obersten Stockwerk, welches für die Öffentlichkeit zugänglich ist, macht es unmöglich, sich zu bücken und auf das Gemächt zu schauen. Der nackte Schambereich kann nur in der unteren Etage gesehen werden, die ausschließlich von Offiziellen und VIPs betreten werden darf.

Eklat um Michelangelos David: Verzweifelte Suche nach Lösung für die Expo 2020 in Dubai

Offenbar wurde im Vorfeld verzweifelt nach einer Lösung gesucht, den Penis der Statue zu verhüllen. „Wir dachten sogar daran, ihm Unterwäsche anzuziehen, aber da war es schon zu spät“, sagte ein Italiener der in Rom erscheinenden Zeitung La Repubblica, der bei den Vorbereitungen zur Expo in Dubai mitgearbeitet hatte. „Wir haben zu spät erkannt, dass es ein Fehler war, die Statue eines nackten Mannes in die Emirate zu bringen.“

Der italienische Politiker und Kunstkritiker Vittorio Sgarbi kritisierte den Umgang mit der Skulptur deutlich. „Italien verhüllt Michelangelos David in Dubai aus Rücksicht auf die islamische Tradition: eine unerhörte, inakzeptable und unerträgliche Demütigung“, sagte Sgarbi der Nachrichtenagentur Adnkronos. Der italienische Staat und dessen Kunst werde gedemütigt. Gelassen dagegen sieht der künstlerische Leiter des Dubai-Davids die Kontroverse. „Es ist eine andere Perspektive, die neu, introspektiv und bewegend ist“, beschrieb Davide Rampello die Skulptur.

Besucherinnen folgen einem Guide auf der Expo 2020 in Dubai.

Weltausstellung in Dubai: Drei Menschen sterben bei Bauarbeiten

Bei den Bauarbeiten für die Weltausstellung in Dubai sind nach Angaben der Verantwortlichen drei Arbeiter ums Leben gekommen. 72 weitere Arbeiter seien beim Bau des Expo-Geländes schwer verletzt worden, teilte die Expo mit. Das riesige Ausstellungsgelände in einem Vorort Dubais war von mehr als 200.000 Menschen errichtet worden, die nach offiziellen Angaben 247 Millionen Arbeitsstunden ableisteten.

Obwohl das Europäische Parlament seine Mitgliedstaaten wegen der Menschenrechtslage in den Emiraten zum Boykott der Expo aufgerufen hat, ist Deutschland mit dem Campus Germany auf der Messe vertreten. In dem deutschen Pavillon, der zum Tag der Deutschen Einheit von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) eröffnet wurde, werden unter anderem Neuerungen zu den Themen Mobilität und Nachhaltigkeit präsentiert. „Die Weltausstellung Expo zeigt, was heute schon möglich ist: für die Städte der Zukunft, für eine nachhaltige Energieversorgung und Infrastruktur, Mobilität und Gesundheit“, sagte Müller bei der Eröffnung. (tvd)

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