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Droht Deutschland 2022 erneut ein Dürrejahr?

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Von: Joachim Wille

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Am vergangenen Wochenende im Harz: Löscharbeiten nach einem Waldbrand.
Am vergangenen Wochenende im Harz: Löscharbeiten nach einem Waldbrand. © dpa

Die Dürre zwischen 2018 und 2020 war die heftigste seit rund 250 Jahren, belegt eine neue Studie. Ein wärmeres Klima wird die Trockenperioden künftig noch verschärfen.

In Teilen Deutschlands, vor allem im Nordosten, sieht es kritisch aus: Das trockene Frühjahr erinnert dort an die Extremjahre 2018 bis 2020. Landwirte in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern befürchten Ernteeinbrüche. Im Harz gab es jetzt schon den dritten Waldbrand in wenigen Wochen, vielerorts sinken die Grundwasserspiegel. Kommt nun wieder ein Trockenjahr mit verdorrten Wiesen und Äckern, abgestorbenen Wäldern, ausgetrockneten Bächen und zurückgefahrenen Kraftwerken?

Noch sei die Lage nicht dramatisch, heißt es beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Die oberen Bodenschichten im Norden und am Rhein entlang sind demnach derzeit zwar deutlich trockener als normalerweise, auch wegen der zuletzt sehr warmen Temperaturen von in der Spitze mehr als 30 Grad. Die meisten Pflanzen kämen aber noch ganz gut zurecht mit der Restfeuchte im Boden. Zudem hätten Niederschläge, oft als Gewitter, hier und dort Entspannung gebracht, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich der FR. Im Süden und Südosten ist die Bodenfeuchte laut Wetterdienst relativ normal, im Alpenbereich sogar nasser als üblich.

Ob 2022 die Nachfolge der Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 antritt, ist offen. Langfristmodelle sagen laut Friedrich zwar einen „etwas zu trockenen“ Sommer voraus. Das Problem ist aber: Die Treffsicherheit dieser Prognosen ist weit geringer als die der normalen Wettervorhersage. Es kann immer noch ein normales 2022 werden. 2021 hat mit mehr Regen zumindest in den obersten Bodenschichten wieder normale Verhältnisse erzeugt. Auch im vergangenen Winter regnete es überdurchschnittlich, doch dann kamen ein außergewöhnlich trockener März, ein im Schnitt normal feuchter April und eine trocken-warme erste Maihälfte. „Eine Garantie darauf, wie es weiter geht, wird ihnen kein Meteorologe geben“, sagt der DWD-Sprecher.

Doch selbst wenn 2022 „normal“ wird, Folgen hat die Trockenperiode, die 2018 einsetzte, auch jetzt noch. Der „Dürremonitor“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Leipzig zeigt das: Vor allem in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt sowie Teilen von NRW und Sachsen sind die Böden bis in 1,80 Meter Tiefe so ausgetrocknet, dass die Flächen tiefrot und dunkelbraun markiert wurden – das steht für „extreme Dürre“ und „außergewöhnliche Dürre“.

Es sind Regionen, in denen die Bodenfeuchte seit 2018 zurückging und seither nicht ausreichend aufgefüllt wurde. Wo dort Wälder stehen, muss bereits jetzt mit neuen Schäden auch im Sommer 2022 gerechnet werden. Die Bäume können in dem trockenen Grund nicht genügend Wasser aufnehmen. Nötig wären dort zwei, drei richtig nasse Winter, um das Niederschlagsdefizit auszugleichen. Bleiben diese aus, verschärft jede neue Dürreperiode das Problem weiter.

WELTWEITE TROCKENHEIT

Weltweit ist die Zahl von Dürren seit 2000 um 29 Prozent gestiegen, ebenfalls nahm deren Dauer zu. Das geht aus einem UN-Report hervor, der nun auf der 15. Weltbodenkonferenz in Abidjan in der Elfenbeinküste vorgestellt wurde.

Der wirtschaftliche Schaden durch Trockenheit wird in dem Bericht für die zwei Jahrzehnte von 1998 bis 2017 mit umgerechnet rund 117 Milliarden Euro beziffert. Dürren gehörten zu den größten Bedrohungen einer nachhaltigen Entwicklung, sagte Ibrahim Thiaw, Exekutivsekretär der internationalen Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD). „Land trocknet aus, fruchtbarer Boden verwandelt sich in Staub“, sagte er.

Es wird erwartet, dass die Klimaerwärmung die Situation in vielen Regionen der Welt noch verschärft. Thiaw nannte die zunehmenden Dürren auch in Europa einen „Weckruf für die Europäer“. Kein Land sei dagegen immun. jw

Wie einschneidend die Periode 2018 bis 2020 war, belegt nun eine neue UFZ-Studie. Danach war dieses Dürreereignis das heftigste in Europa seit mindestens Mitte des 18. Jahrhunderts. Seither habe sich keine Dürre so großflächig über Europa ausgebreitet und kein Temperaturanstieg während einer Dürreperiode sei so groß ausgefallen, so die Wissenschaftler:innen. „Die Dürreperiode 2018 bis 2020 ist die neue Benchmark für Dürren in Europa“, sagt Oldrich Rakovec, Hauptautor des in der Zeitschrift „Earth’s Future“ der American Geophysical Union veröffentlichten Untersuchung.

Das Forschungsteam belegt das anhand zahlreicher Fakten, die sie durch die Rekonstruktion historischer Dürren bis ins Jahr 1766 erhielten und deren Ausmaße sie mit der Trockenheit 2018 bis 2020 verglichen. So betraf die Dürre 2018 bis 2020 rund 36 Prozent der Landfläche Europas, insbesondere in Zentraleuropa, darunter Deutschland, Frankreich und Tschechien. Rakovec. „Kein anderes Dürreereignis in den vergangenen mehr als 250 Jahren hatte eine so große räumliche Ausdehnung wie dieses.“ Ungewöhnlich lang war auch seine Gesamtdauer – von April 2018 bis Dezember 2020, also 33 Monate. Nur die Dürre zwischen 1857 und 1860 dauerte laut dem Team mit 35 Monaten etwas länger. Auch die „Fortsetzung“ der Dürre in den tiefen Bodenschichten 2021 und 2022 ist ein Ausreißer.

Einen historischen Rekordwert erreichte laut UFZ auch der Anstieg der Lufttemperatur mit einem Plus von 2,8 Grad Celsius im Vergleich zur jährlichen Durchschnittstemperatur in den vergangenen 250 Jahren in Europa. „Die Dürren in der Vergangenheit waren eher kalte Dürren, bei denen sich die durchschnittliche Temperatur kaum veränderte“, erläuterte Rohini Kumar, Co-Autor der Studie. Bei einer „warmen“ Dürre verdunstet deutlich mehr Wasser und das verschärft die Folgen für die Landwirtschaft. So gingen die Ernten 2018 bis 2020 deutlich zurück – in Deutschland beim Mais zum Beispiel zwischen 20 und 40 Prozent, beim Weizen bis zu 17,5 Prozent.

In einem sich weiter erwärmenden Klima werden Dürren, wenn sie eintreten, noch stärker zuschlagen. Rakovec und sein Team haben in Simulationen untersucht, wie sich ein gemäßigter sowie ein ungebremster Klimawandel auf Dauer und Ausdehnung künftiger Dürren auswirken wird. Die Ergebnisse sind erschreckend. Selbst bei einer moderaten Zunahme der Treibhausgase der Atmosphäre wird sich danach bis 2100 die Dauer im Durchschnitt auf 100 Monate verlängern, also auf mehr als acht Jahre.

Betroffen wäre etwa die Hälfte der Landfläche Europas. Weit heftiger das Ergebnis beim ungebremsten Klimawandel: Dann könnten Dürren im Schnitt 200 Monate andauern, mehr als 16 Jahre, und bis zu 70 Prozent Europas könnte betroffen sein.

Die UFZ-Forschenden halten es für dringend angezeigt, dass die Politik sich auf die Megadürren einstellt. „Vor allem für die Agrarpolitik sollte das ein Weckruf sein, sich mit geeigneten Maßnahmen gegen den drohenden Wassermangel auseinanderzusetzen“, sagt UFZ-Arbeitsgruppenleiter Luis Samaniego. Als Beispiele nannte er: das Anlegen großer, auch unterirdischer Wasserreservoirs, die Nutzung effizienter Bewässerungstechnologien und die Züchtung hitzeresistenter Pflanzensorten.

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