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Rettung von oben: In einem französischen Badeort sollen Drohnen Menschen vor dem Ertrinken retten.

Frankreich

Drohnen am Badestrand

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Ein französischer Badeort setzt Drohnen zur Rettung von Menschen ein, um der hohen Zahl von Ertrunkenen entgegen zu wirken.

Schon äußerlich macht sie was her. Die Rotoren pinkfarben, das Kameraauge pechschwarz, der Unterleib knallgelb. Und dann fliegt diese Drohne auch noch schneller als die Polizei erlaubt. Auf 20 Meter pro Sekunde bringt sie es. Fünf Meter mehr sind das, als Frankreichs Behörden einem unbemannten Flugobjekt zugestehen. Aber in diesem Fall drücken sie ein Auge zu. Denn die exzessive Schnelligkeit soll Menschenleben retten.

Nachdem an Frankreichs Küsten im vergangenen Jahr mehr als 600 Menschen ertrunken sind, hat Biscarrosse als erster Badeort des Landes die schmucke Drohne zur Rettung in Seenot geratener Urlauber angeschafft. „Helper“ heißt das Fluggerät, das die am Atlantik gelegene Gemeinde ihren Strandwächtern an die Hand gibt. Per Fernsteuerung können die Aufseher „Helper“ zu einem Ertrinkenden dirigieren und am Unglücksort einen Schwimmring aus der Verankerung lösen. Auch können sie über ein Megaphon das Nahen eines Rettungsschwimmers ankündigen. Schnelle erste Hilfe und beruhigende Worte sollen verhindern, dass Panik aufkommt – an Frankreichs Stränden die Todesursache Nummer eins.

Vorausgegangen war der Anschaffung ein Kräftemessen. „Helper“ hatte sich zwei Rettungsschwimmern zu stellen, von denen einer auf einem Jet-Ski saß. Die Drohne hat den Wettstreit klar für sich entschieden. Während Schwimmer und Jet-Ski-Fahrer den Weg zu einem potenziellen Unglücksort in 75 beziehungsweise 40 Sekunden zurücklegten, war der nur knapp vier Kilo schwere Flieger schon nach 30 Sekunden am Ziel.

Technisch aufzurüsten gebot sich aus Sicht des 80 Kilometer südwestlich von Bordeaux gelegenen Badeortes umso mehr, als die im Sommer traditionell auch als Rettungsschwimmer eingeteilten Sicherheitskräfte auf dem Rückzug sind. Zermürbt von Sondereinsätzen bei Fußballeuropameisterschaft, Tour de France und Massenprotesten gegen eine von der Regierung durchgesetzte Arbeitsmarktreform, werden die Ordnungshüter an den Küsten des Landes nicht im gewohnten Umfang Flagge zeigen. Anstatt 460 bisher von den Sondereinsatzkommandos gestellten Strandpolizisten kommen nur noch 297, die auch nicht mehr zweieinhalb Monate bleiben werden, sondern nur knapp fünf Wochen: vom 20. Juli bis 22. August.

Dabei haben die Männer und Frauen alle Hände voll zu tun. Mehr als 2700 Rettungseinsätze haben sie 2015 absolviert. Neue Aufgaben sind hinzugekommen. Die Sicherheit der Badegäste gewährleisten heißt in diesem Sommer nicht nur, sie vor Dieben, Schlägern und dem Tod durch Ertrinken zu bewahren, sondern auch vor Terroranschlägen. Einsatzleiter werden schusssichere Westen mit ans Meer nehmen und wasserdicht verpackte Maschinenpistolen. Was sich Ende Juni 2015 in Tunesien zugetragen hat, als Terroristen an einem Strand in der Nähe von Sousse fast 40 Urlauber töteten, soll sich in Frankreich nicht wiederholen.

Westen und Waffen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass personell ausgedünnt wurde. „Wer soll nun bloß über unsere Strände wachen?“ titelt das Boulevardblatt „Le Parisien“ und verweist darauf, dass die meisten Franzosen die Sommerferien im eigenen Land und zumal am Meer verbringen wollen. Gegen Terroristen kann „Helper“ nichts ausrichten, aber Opfern hoher Wellen oder heimtückischer Strömungen das Leben retten.

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