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Gibt es heute noch: Die drei ??? auf Audiokassette.

„Die drei ???“

„Die drei ???“: In jedem Fall Kult

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Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind nicht nur auf Ganovenjagd ein Erfolgstrio: Die Hörspielserie „Die drei ???“ feiert 40. Geburtstag.

Berühmtheit erlangten sie bereits im Zeitalter der Audiokassetten. Jüngere Leser und Fans der drei ??? dürften die analogen Tonträger bestenfalls von Museumsbesuchen kennen, während die in die Jahre gekommene Hörerschaft der Jungdetektive sich trotz moderner Technologien wohl niemals von jenen Schätzen der Hörspielsteinzeit zu trennen vermag. Und nun steht in dieser Woche ein großes Jubiläum an: Vor 40 Jahren – am 12. Oktober 1979 – erschien das erste Hörspiel – „Die drei ??? und der Super-Papagei“. „Wir übernehmen jeden Fall“ verkündeten die Detektive bis heute in mehr als 200 Folgen.

Eine Erklärung für den fast schon unvergleichlichen Erfolg der Serie über einen solch langen Zeitraum ist nur schwer zu liefern und bestimmt nicht einzig mit Kindheitserinnerungen der Hörer abzutun. Ein Grund sind sicherlich die unveränderten Protagonisten, allem voran die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, gesprochen von Oliver Rohrbeck (Justus), Jens Wawrczeck (Peter) und Andreas Fröhlich (Bob). Auch wenn die Sprecher mittlerweile alle Mitte 50 sind, schaffen sie es dennoch, die drei Detektive mit authentischen Stimmen junger Teenager auf Banditenjagd zu schicken. Zudem zeichnet sich die Serie durch eine Beständigkeit aus, nicht nur aufgrund faktisch ritualisierter Sätze, die in nahezu jeder Folge zu hören sind: „Kollegen, wir haben einen neuen Fall“ – „Dürfen wir Ihnen unsere Karte zeigen?“ oder das Vorlesen der selbigen.

Die drei ??? geben Halt

Es gibt viele Konstanten und wiederkehrende Protagonisten, die den Hörern ans Herz gewachsen sind, spektakuläre, gruselige und nicht immer vorhersehbare Handlungsstränge, moralische Grundprinzipien und stets kann sich der Hörer zurücklehnen – zu guter Letzt gewinnen verlässlich die Guten. Justus bleibt immer der pummelige Neunmalkluge, Peter der ängstliche, sportliche Anti-Held und Bob der ausgeglichene Rechercheur. Auch das Setting im fiktiven Rocky Beach nahe Los Angeles nimmt den Hörer kontinuierlich mit in den 80er-Jahre-Charme einer US-Kleinstadt, in der die Zeit stehengeblieben scheint, kurz: in eine eigentlich heile Welt. Und im Falle der älteren Hörer ist es auch eine Zeitreise zurück in die eigene Kindheit. Die Beliebtheit der Detektive strahlt dabei auch über ins wahre Leben: „Es ist erstaunlich, dass mich Leute auf der Straße ansprechen und immer unglaublich freundlich sind“, sagte Jens Wawrczeck jüngst am Rande eines Gesprächs mit der FR. „Es ist eine Art von Liebe, die den drei ??? entgegengebracht wird.“ – „Die Menschen brauchen einen Halt“, sagt Karin Lieneweg alias Tante Mathilda im Interview. „Und die drei ??? geben Halt.“

Auch wenn der Wandel von Kindern in Jugendliche anfangs relativ schnell ging, so bleiben die Detektive zwar dauerhaft jung, doch die Zeit um Justus, Peter und Bob bleibt dabei nicht stehen. Spätestens ab der Folge „Angriff der Computerviren“ (1990) hält moderne Technologie Einzug, heute haben sie selbstverständlich Handys und die legendäre Telefonlawine zur E-Mail-Lawine weiterentwickelt. Ihre Fahrräder haben die Jungdetektive schon lange gegen Autos eingetauscht, sie haben gelegentlich Freundinnen, gehen aber immer noch zur Schule und haben praktischerweise oft genug Ferien, um ihre Ermittlungen voranzutreiben.

Doch nicht nur die drei Detektive zeichnen die drei ??? aus – zahlreiche Nebenrollen begleiten Justus, Peter und Bob teilweise seit den ersten Tagen: So sind sie fast immer auch der Polizei einen Schritt voraus, meist gönnerhaft greift in den frühen Folgen Kommissar Reynolds den Detektiven unter die Arme, nach dessen Pensionierung Inspektor Cotta. Auch Chauffeur Morton, Erzfeind Skinny Norris, Justus’ Tante Mathilda und Onkel Titus gehören zum festen Teil der drei ???-Familie. Tante Mathilda wird seit der ersten Stunde von der heute 82-jährigen Karin Lieneweg gesprochen. Andere Sprecherrollen wechselten im Laufe der Jahre, teilweise auch nach Todesfällen. So verstarben die Erzähler Peter Pasetti 1996 und Matthias Fuchs 2001. 

Nach zahlreichen Folgen mit Thomas Fritsch ist seit nunmehr 15 Folgen Axel Milberg der Erzähler. Andreas E. Beurmann alias Hans Meinhardt sprach bis zu seinem Tod 2016 den gutmütigen Onkel Titus, ein Jahr später verstarb Andreas von der Meden, der sowohl in der Rolle des kultivierten Chauffeurs Morton wie auch des hinterhältigen Skinny Norris brillierte. Auch Heidekine Körting, von Beginn an Produzentin der Erfolgsserie und bis zu seinem Tod mit Onkel-Titus-Sprecher Beurmann verheiratet, leiht einer festen Größe im Universum der drei Detektive ihre Stimme – dem mäßig sprachgewandten, aufmerksamkeitssüchtigen und in der Detektiv-Zentrale wohnenden Papagei Blacky alias Blackbeard, dessen krächzende Kommentare nicht nur die Detektive gelegentlich in den Wahnsinn treiben.

Da waren sie noch wahre Juniordetektive – ein Bildzeugnis aus Anfangszeiten. Europa/Sony

Die Aufnahmen in einer Villa am Hamburger Rothenbaum kommen für die drei Hauptakteure Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich mittlerweile eher einem Nebenjob gleich, im Schwerpunkt widmen sich die Sprecher seit Jahren anderen Projekten. Oliver Rohrbeck hatte als Schauspieler diverse Fernsehauftritte und verleiht dem US-Schauspieler Ben Stiller seine deutsche Synchronstimme. Jens Wawrczeck hat neben vielen Bühnen- und Synchronsprecherrollen zahlreiche Hörbücher eingelesen und vertont für sein eigenes Label Edition Audoba derzeit sämtliche Hitchcock-Romanvorlagen. Andreas Fröhlich hat ebenfalls Hörbücher eingelesen und ist unter anderem als deutsche Stimme von Edward Norton sowie Gollum aus den Herr-der-Ringe-Verfilmungen bekannt. Wie viel die drei Sprecher im wahren Leben mit den Juniordetektiven gemeinsam haben, verraten sie auf der offiziellen Homepage. Rohrbeck: „Nichts.“ Wawrczeck: „Wenig.“ Fröhlich: „Ich bin auch kurzsichtig, liebe Musik und lese gerne Bücher.“

Konzipiert sind die drei ??? für eine Hörerschaft im Alter zwischen neun und 13 Jahren. Neben jenem Zielpublikum dürften zahlreiche Hörer teils ein drastisch reiferes Alter vorweisen. Nicht zuletzt deswegen erscheinen die Abenteuer auch nach wie vor sogar noch auf Audiokassetten. Dass viele Fans nunmehr über vier Jahrzehnte den Detektiven die Treue halten, erklärt Fröhlich alias Bob Andrews in einem Interview auf der offiziellen Homepage mit den mitgealterten Sprechern – so „konnten die Hörer zusammen mit ihren Helden groß werden“. Zudem stehe der Name Hitchcock für Qualität. Alfred Hitchcock, der persönlich lediglich seinen Namen für die Schirmherrschaft der drei ??? hergab, tritt in den Anfangsjahren als Bekannter der Detektive und Erzähler auf, der ihnen gelegentlich einen Fall vermittelt.

Und tatsächlich sind die drei ??? sogar noch deutlich älter als 40 Jahre – denn wie in den meisten Fällen steht vor dem Hörspiel ein Buch, die erste Episode erschien bereits 1964 in den USA, in Deutschland vier Jahre später. „Gespensterschloß“, so der Titel des ersten Buches von Serienerfinder Robert Arthur (1909–1969), vertont wurde es später als Hörspielfolge Nummer elf.

Zwar feierten die drei ??? in mehreren Ländern Erfolge, doch vor allem hierzulande hielt die Beliebtheit an: Nach 56 Originalvorlagen aus den Vereinigten Staaten wurde die Bücherserie dort eingestellt und ab Mitte der 90er nach einer zweijährigen Produktionspause in Deutschland weitergeführt. Zwischen 2005 und 2008 sorgte ein Lizenzstreit für eine weitere Pause der Detektei, die daher in dieser Zeit für acht Folgen unter dem Namen „die Dr3i“ ermittelte, wobei die beiden ersten Detektive mit ihren englischsprachigen Originalnamen Jupiter Jones und Peter Crenshaw auftraten.

Die drei ??? haben längst Kultstatus

Diese Unterbrechungen haben den Erfolg der drei ??? aber keineswegs ausgebremst – längst haben die Detektive Kultstatus. Wie Andreas Fröhlich es formulierte: „Wir sind irgendwie die Stones der Hörspielszene.“ Auf ihren Live-Tourneen füllen die Sprecher große Hallen, die Merchandise-Palette reicht von der Geldbörse über Klamotten und Müslischalen bis zum Waffeleisen. Mehr als 50 Millionen Tonträger gingen bis heute über die Ladentheke, mit mehr als 150 Gold- und Platinschallplatten ist es laut der eigenen Homepage (Sony Music) sogar die erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt. Demnach streamen mittlerweile auch mehr als die Hälfte der Hörer die Fälle der Juniordetektive und heben sie auf die vorderen Plätze der deutschen Streaming-Anbieter.

Und eine Weile dürfte die Erfolgswelle wohl noch anhalten. „Wir machen weiter, solange das auch das Publikum goutiert“, sagte Oliver Rohrbeck jüngst dem „NDR“. Auch Karin Lieneweg (siehe Interview) verschwendet keinen Gedanken ans Aufhören. Vor wenigen Wochen wiederum kündigte Jens Wawrczeck im FR-Interview an, dass es nach der aktuellen keine weitere Live-Tour geben werde: „Wir können das nicht endlos steigern.“ Wann sich die Hörspielserie einem Ende zuneigt, wollte er nicht prognostizieren, er wünscht sich dies jedoch, bevor „die Kurve nach unten geht“. Es sei „eleganter und charmanter auf dem Höhepunkt zu sagen: ,Auf Wiedersehen‘“. Bis es so weit ist, wird sein Detektiv-Kamerad Rohrbeck aber noch einige Male verkünden: „Kollegen, wir haben einen neuen Fall!“ Darunter sicher auch der eine oder andere spezialgelagerte Sonderfall.

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