Berg-Gipfel

Dramatischer Schwund Schweizer Gletscher

Alpen, Anden, Himalaya: Kaum eine Ökosystem ist vom Klimawandel so betroffen wie die Hochgebirge der Welt, mit fatalen Auswirkungen für die Menschheit. Bei einem Berg-Gipfel in Genf beraten Experten, was zu tun ist.

Die Schweizer Gletscher haben in den vergangenen zwölf Monaten rund zwei Prozent ihres Volumens verloren. Das berichtete der Schweizer Innenminister Alain Berset am Dienstag zum Auftakt einer Konferenz über Hochgebirge und Klimawandel in Genf. In den vergangenen fünf Jahren liege der Verlust bei mehr als zehn Prozent. „Ein Phänomen, dass wir seit mehr als 100 Jahren nicht gesehen haben“, sagte Berset. Wissenschaftler, Politiker und Anwohner von Bergregionen vieler Regionen weltweit beraten bei der Konferenz bei der Weltwetterorganisation (WMO), „Berg-Gipfel“ genannt, darüber, wie auf den Klimawandel in Bergregionen reagiert werden muss.

Hochgebirge der Welt mit bekannten Gipfeln wie Mount Everest, Mont Blanc, Kilimandscharo oder Matterhorn regulieren mit ihrem Schnee, ihren Gletschern und ihren Ökosystemen die Trinkwasserversorgung für die halbe Menschheit. Sie bedecken etwa ein Viertel der Landfläche der Erde und sind Heimat für mehr als eine Milliarde Menschen.

Die Folgen des Klimawandels sind dort besonders drastisch. In der Schweiz sei die Durchschnittstemperatur in den vergangenen 150 Jahren um zwei Grad gestiegen, etwa doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt, sagte Berset. 500 Schweizer Gletscher seien seit Beginn des 20. Jahrhunderts völlig verschwunden. Die rund 4000 verbliebenen Gletscher könnten bis Ende dieses Jahrhunderts zu 90 Prozent schmelzen, wenn nichts gegen klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen getan werde. „Die veränderten Niederschlagsrhythmen, die ansteigende Schneegrenze und das Schmelzen der Gletscher sind Faktoren, die den Wasserkreislauf stören.“

Hinzu kommt, dass der Permafrost auftaut, die eigentlich ewig gefrorene obere Gesteins- und Bodenschicht. Bei den 31 weltgrößten Gletschern habe der Schwund in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugenommen, sagte WMO-Chef Petteri Taalas. Zum einen wird das Gestein instabiler und Gefahren durch Steinschlag, Gerölllawinen und Bergrutsche wachsen. Zum anderen gibt es Auswirkungen auf Landwirtschaft und Energiewirtschaft, wenn Gletscher geschmolzen sind und Flüsse nicht mehr adäquat gefüllt werden.

Die rund 150 Fachleute beraten, wie in den Bergen nachhaltigere Entwicklung gefördert werden kann, wie sich Regionen besser gegen mögliche Katastrophen schützen können und wie die Folgen des Klimawandel minimiert werden können. Sie wollen einen Aktionsplan verabschieden. Die Tagung dauert bis Donnerstag. (dpa)

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