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Rettungskräfte im spanischen Totalán versuchen verzweifelt, Kontakt zu dem verschwundenen Zweijährigen herzustellen.

Bohrloch in Spanien

Dramatische Suche nach verschwundenem Kind

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Noch immer gibt es keine Spur von dem Zweijährigen, der in ein mehr als 100 Meter tiefes Bohrloch gestürzt sein soll. Nun soll ein Rettungsloch gegraben werden.

Das ist die einzige Hypothese, mit der wir arbeiten“, sagte Alfonso Rodríguez, oberster Vertreter der spanischen Regierung in Andalusien, am Dienstagmittag. Die Hypothese nämlich, dass Julen, ein zweieinhalbjähriger Junge aus Málaga, am Sonntagmittag in ein rund 100 Meter tiefes Bohrloch gestürzt ist. Seitdem versucht man ihn dort verzweifelt wieder hervorzuholen. Ganz Spanien verfolgt die Rettungsaktion. Königin Letizia hat mit dem Bürgermeister von Totalán telefoniert, der Gemeinde rund 20 Kilometer nordöstlich von Málaga, in der der Junge verschwand. Sie übermittelte den Eltern ihre besten Wünsche für ein glückliches Ende der Suche. Wenn er denn wirklich in dieses Loch gestürzt ist.

Die Eltern hatten am Sonntag gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn die Finca von Verwandten im Bergland von Málaga, in der Gemeinde Totalán, besucht. Sie wollten dort gemeinsam eine Paella zubereiten. Aber dann, in einem unbeaufsichtigten Moment, sei Julen in ein Loch gefallen. Sie hätten ihn noch jammern gehört, berichteten die Eltern der Polizei. Dann sei er verstummt. Das Loch ist ein rund 100 Meter tiefes Bohrloch, gebohrt für die Suche nach Grundwasser. Es hat einen Durchmesser von 23 Zentimetern. Ein Erwachsener passt dort nicht hinein. Ein Kind vielleicht. Die Polizei nahm die Anzeige ernst.

Süßigkeitentüte im Loch entdeckt 

Seit Sonntag wird nach Julian in dem Bohrloch gesucht. Zuerst mit einer Kamera. In rund 75 Meter Tiefe stieß sie auf Sand und Gestein, die das Loch verstopften. War das Kind so tief hinabgerutscht und hatten sich dabei Sand und Gestein gelockert und den Jungen verschüttet? Die Kamera entdeckte auch eine Süßigkeitentüte, die habe ihr Sohn bei sich gehabt, als er verschwand, sagten die Eltern. Das Rettungsteam für Julen wuchs auf fast 100 Leute an. Sie machten sich daran, mit einer Saugvorrichtung von oben den Weg in die letzte Tiefe des Bohrlochs freizubekommen, mit bisher bescheidenem Erfolg. Am Dienstagmorgen begann eine andere Mannschaft, einen seitlichen Stollen in das Gelände zu treiben, über den das Kind vielleicht zu retten wäre. Das Kind ist in das Bohrloch gefallen, das ist die einzige Hypothese, und wenn die stimmt, darf nichts unversucht bleiben, um es zu befreien.

Wieso war das Bohrloch unverschlossen? 

Vielleicht stimmt sie aber nicht. Ein Durchmesser von 23 Zentimeter, das ist nicht mehr als eine gute Handspanne. „Ich finde das schwer vorstellbar, dass der Kleine da drinsteckt. Fast unmöglich“, sagte der Brunnenbohrer Francisco Barranquero aus Málaga der Netzzeitung El Español. Barranquero schaute sich am Montag den Unglücksort an und kam zu den Schluss, dass es „sehr schwierig“ sei, dass ein kleines Kind in einem solch engen Loch nicht irgendwo auf dem Weg nach unten stecken bleibe. Die Suche geht trotzdem weiter.

El Español hat noch einen zweiten Brunnenbohrer interviewt, Antonio Sánchez, der nach eigenem Bekunden vor gut einem Monat das Loch gebohrt hat, in das der Junge Julen gefallen sein soll. Er verschließe seine Bohrlöcher nach getaner Arbeit immer mit einem schweren Stein, in etwa einem halben Meter Tiefe, sagte Sánchez. Den müsse jemand beiseite geschafft haben. Er sei am Sonntag sofort am Unglücksort zur Stelle gewesen: Die Landschaft sei verändert gewesen, jemand habe Erde abgetragen, um an den Stein über dem Loch heranzukommen. Aus dem Drama von Totalán könnte ein Krimi werden. Von Julen gab es bis zum Dienstagnachmittag kein Lebenszeichen.

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