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Corona und Influenza – Lauterbach warnt vor „sehr gefährlicher Kombination“ und pocht auf Maßnahmen

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Von: Martina Lippl

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf einer Pressekonferenz
Corona und Influenza sind eine „sehr gefährliche Kombination“, laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). © Bernd von Jutrczenka/dpa

Eine Grippewelle fiel dieses Jahr in Deutschland wegen der Corona-Maßnahmen aus. Das könnte sich im Herbst und Winter ändern. Lauterbach ist mit Blick auf Australien alarmiert.

Berlin – Während der Corona-Pandemie hatte das Influenzavirus fast überall auf der Welt Pause. Abstandsregeln und Maskenpflicht bremsten eine klassische Grippewelle aus – zwei Jahre lang. Doch im Herbst und Winter könnte sich das in Deutschland ändern. Vorboten gibt es dazu aus Australien. Gesundheitsbehörden melden eine starke Grippewelle. Auf der Südhalbkugel bricht gerade der Winter an, Corona-Maßnahmen wurden gelockert und das Influenzavirus gibt dort sein Comeback. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) meldet sich angesichts der Influenza-Lage auf Twitter zu Wort.

Grippe (Influenza) und Corona: Lauterbach warnt vor sehr gefährlicher Kombination

„Leider wahr: ohne Maskenschutz und Kontaktbegrenzungen könnte uns eine sehr gefährliche Kombination von COVID und Grippe im Herbst und Winter drohen“, twittert Lauterbach. Eine erfolgreiche Impfkampagne gegen beides sei daher notwendig. „Sie wird aber auch schon vorbereitet.“

Das klingt doch sehr optimistisch. Zumal der 58-Jährige aktuell für seinen Corona-Kurs viel Gegenwind erfährt. So sind diese Worte wohl auch als Kommentar und Wink mit Zaunpfahl zu verstehen. Denn, der SPD-Minister teilt darunter einen Tweet vom Intensivmediziner Christian Karagiannidis.

Schwere Grippewelle in Australien – Was bedeutet das für Deutschland?

„Die Grippewelle in Australien ist jetzt schon so ausgeprägt wie die letzte starke Welle 2017/18“, schreibt Karagiannidis auf Twitter. Und: „Auch darauf sollten wir vorbereitet sein.“ Dazu setzt der Mediziner einen Link auf die 23-seitige Stellungnahme „Pandemievorbereitung auf Herbst/ Winter 2022/23“. Der Mediziner ist Leiter des DIVI-Intensivregisters, sowie Mitglied im Corona-Expertenrat der Bundesregierung. Und dieses Gremium hatte vergangene Woche auf Vorbereitung für den Herbst und Winter gedrungen.

Maskenpflicht-Comeback für Corona-Welle 2022 im Herbst und Winter

Die Vorbereitung auf den Corona-Herbst 2022 „läuft auf Hochtouren“, betonte Karl Lauterbach schon Anfang Juni. Ein Comeback der Maskenpflicht könnte sich der SPD-Politiker vorstellen. Doch das Infektionsschutzgesetz läuft am 23. September aus. Die FDP ziert sich, will zunächst einen Expertenbericht abwarten und so wenig Corona-Maßnahmen, wie möglich. Das Gutachten soll bis 30. Juni vorliegen.

Ohne Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen im kommenden Herbst 2022 könnte Deutschland neben Corona eine Influenzawelle bevorstehen. In Australien steigt die Kurve der Infektionsfälle seit Mai steil an. „Die Grippesaison in diesem Jahr ist sehr schlimm und vergleichbar mit den Zahlen, die wir 2017 hatten“, sagte die Premierministerin von Queensland, Annastacia Palaszczuk, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. „Wir müssen jetzt mit einem Präventivschlag reagieren und sicherstellen, dass wir vorbeugende Maßnahmen treffen.“

Die Grippewelle 2017 war besonders heftig: Damals waren in Australien mehr als 1.200 Menschen an dem Virus gestorben. In Deutschland grassierte 2017/2018 laut Robert-Koch-Institut (RKI) sogar die heftigste Grippewelle seit Jahrzehnten. Schätzungen zufolge starben dabei etwa 25.000 Menschen.

„Flurona“ - Wie gefährlich ist eine Corona-Grippe-Doppelinfektion?

Vielleicht erinnern sich einige? Vergangenes Jahr sorgte „Flurona“ für Schlagzeilen. Bei einer Schwangeren in Israel wurde gleichzeitig eine Infektion mit Corona und Grippe festgestellt. Auch aus anderen Ländern in Europa gab es Berichte von Patienten mit einer Doppelinfektion. Damals befeuerte das die Angst vor einer sogenannten „Twindemie“ (auf Englisch Twindemic). Doch es blieb bei Einzelfällen. Die echte Grippe – Influenza – ist nicht mit einer Erkältung zu verwechseln. Wer sich mit dem Grippevirus infiziert, muss mit heftigen Symptomen rechnen. Ärzte empfehlen Risikogruppen wie älteren Menschen und Schwangeren eine Grippeschutzimpfung. Gegen Corona und Grippe kann gleichzeitig geimpft werden, das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits im Herbst 2021 mit.

Aktuell legen in Deutschland die Subvarianten BA.4 und BA.5 zu. Experten gehen davon aus, die nächste Corona-Welle sich schon vor dem Herbst aufbaut. Auf den Intensivstationen in Deutschland lässt der Druck langsam, aber stetig nach. Laut DIVI-Intensivregister momentan 611 Covid-Patienten behandelt. Davon müssen 237 künstlich beatmet werden. Bleibt zu hoffen, dass der Abwärtstrend anhält. (ml)

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