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Fragwürdige Werbung für Bohnen: Ivanka und Donald Trump verstoßen gegen alle Regeln

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
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Donald Trump und seine Tochter Ivanka rühren für Goya-Bohnen die Werbetrommel. Experten können darüber nur den Kopf schütteln.

  • Kaum ein Tag vergeht ohne eine weitere Skandalmeldung von US-Präsident Donald Trump
  • Immer, wenn man glaubt, man habe alles gesehen, legt der Präsident noch eine Schippe drauf
  • Heute im Programm: Werbung für Goya-Bohnen im Weißen Haus und auch Tochter Ivanka Trump ist mit von der Partie

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die „Skandale“ aus der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. So gab es Furore wegen eines Fotos, das ihn mit seinen Füßen auf dem Schreibtisch des Oval Office zeigte. Dieses Foto wurde zu einem derartigen Skandal hochstilisiert, dass sich sogar die Webseite „Snopes“ mit dem Bild und den daraus resultierenden Falschmeldungen beschäftigte. Dagegen scheinen gerade die konservativen Medien in den USA kein Problem damit zu haben, was US-Präsident Donald Trump jüngst auf seinem Schreibtisch anstellte.

Donald Trump empfängt Robert Unanue: Goya-Chef lobt den US-Präsidenten in den höchsten Tönen

Aber der Reihe nach. Begonnen hat der jüngste Trump-Skandal mit einem Besuch des Goya-Chefs Robert Unanue. Die Marke Goya ist die größte in den USA mit lateinamerikanischen Besitzern und eine der beliebtesten Marken f��r spanisches und lateinamerikanisches Essen. Unanue erwies sich während seines Besuchs als echter Fan von US-Präsident Donald Trump.

Donald und Ivanka Trump stehen auf Bohnen.

„Wir alle sind damit gesegnet, einen solchen Anführer wie Präsident Trump zu haben. Er ist ein Macher, ebenso wie es mein Großvater war“, diese und ähnlich salbungsvolle Worte des Goya-Chefs sorgten für einen regelrechten Shitstorm im Internet. Denn viele Goya-Konsumenten werfen Trump Rassismus gegenüber Latein- und Mittelamerikaner*innen vor. Beispielsweise in Form seiner Einwanderungspolitik, seiner Bezeichnung von Mexikanern als „Vergewaltiger“ und ähnlicher Entgleisungen. Mit Hashtags wie #BoycottGoya und #Goyaway wurde zum Boykott der Marke aufgerufen.

Donald Trump macht Werbung aus dem Oval Office – Goya-Bohnen scheinen sehr beliebt im Weißen Haus

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er seinem Fan nicht zur Seite stehen würde. Auf Instagram zeigte er sich am Schreibtisch im Oval Office. Vor ihm auf dem Schreibtisch nicht seine Füße, sondern etliche Dosen mit Goya-Produkten. Und auch auf Twitter machte der US-Präsident kräftig Werbung für sein neues Lieblings-Unternehmen. Er schrieb in dem Nachrichtendienst: „@GoyaFoods geht es großartig. Die Schmutzkampagne der Linken ist nach hinten losgegangen, die Menschen kaufen wie verrückt.“

So viel scheinbar kostenlose Werbung wünschen sich wohl viele Unternehmen. Aber es kommt noch besser, denn nicht nur Trump rührte kräftig die Werbetrommel, sondern auch seine Tochter und Beraterin Ivanka Trump. Auf Twitter teilte sie ein Foto, auf dem sie eine Dose Goya-Bohnen hochhält. Darunter die Zeile „Wenn es von Goya ist, muss es gut sein“, auf Englisch und Spanisch.

Donald Trump: Auch Ivanka Trump scheint von Goya-Bohnen gar nicht genug zu bekommen

Nach Ansicht vieler Experte haben Vater und Tochter mit ihrer Werbekampagne gegen ethische Regeln verstoßen. Die Zahl der Kritiker nimmt zu. Dazu gehört beispielsweise Noah Bookbinder, der Chef der US-Organisation „Citizens for Responsibility and Ethics in Washington“ (Crew). Wie er laut Guardian feststellte, sind die Regeln für ein solches Verhalten klar. „Die Ethik-Regelungen für Regierungsmitarbeiter besagen, dass man seine offizielle Position nicht dafür nutzen darf, ein privates Unternehmen zu bewerben“.

In einem Statement des Weißen Hauses wurde Ivanka Trumps Liebe zu Goya Bohnen indes schnell verteidigt. In einem Statement sagte eine Sprecherin, der Tweet sei ein Zeichen der „persönlichen Unterstützung" für die Marke Goya und außerdem eine Medienschelte gewesen.

Goya-Werbung made by Trump: So Schätzen Experten den Fall ein

Doch Ethik-Experten bezweifeln diese private beziehungsweise „persönliche“ Facette der Goya-Werbung von Ivanka Trump. In mehreren Tweets erklärte auch Walter Shaub, ehemaliger Direktor des Büros für Ethik in der Regierungsarbeit der USA, was an dem Vorgehen der Trumps so grundlegend falsch sei. Denn obwohl die Accounts als privat gekennzeichnet seien, würde Ivanka Trump dennoch unter ihrem offiziellen Titel posten, häufig nutze sie den Account auch für ihre Regierungsarbeit. „Dieser Faktor spricht dafür, dass hier ein Fehlverhalten stattgefunden hat.“

Ob und welche Konsequenzen die ungenierte Goya-Inszenierung in den sozialen Medien hat, ist allerdings fraglich. Als Donald Trump im letzten Jahr dafür warb, ein Treffen internationaler Regierungschefs in einem seiner eigenen Golf-Clubs zu veranstalten, sorgte nur scharfe Kritik von allen Seiten dafür, dass Donald Trump seinen Vorschlag wieder zurückzog. Konsequenzen gab es keine. (Von Sophia Lother)

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