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Donald Trump: Früherer US-Präsident zockt seine eigenen Fans ab

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Von: Andreas Apetz, Christian Stör

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Donald Trump gestikuliert während einer Rede auf dem Festivalgelände der Canyon Moon Ranch in Florence, Arizona.
Donald Trump zockt seine Fans ab. © ROBYN BECK/afp

Donald Trump buhlt offiziell um Spenden für die US-Wahl 2024. Doch am Ende landet das Geld zu einem großen Teil in seiner eigenen Tasche.

Update vom Montag, 24.1.2022, 11.30 Uhr: Bei Donald Trump dreht sich im Grunde fast alles ums Geld. In seltenen Fällen nutzen sogar irgendwelche Spitzbuben Trumps Namen aus, um leichtgläubige Fans um ihr Geld betrügen wollen. Zuletzt war dies mit einer Weihnachtskarte der Fall (s. Erstmeldung).

Doch in aller Regel ist es der Milliardär und ehemalige US-Präsident selbst, der in dieser Hinsicht negativ auffällt. Erinnert sei an dieser Stelle nur an seine zahlreichen Bankrott-Erklärungen und sein dubioses Verhältnis zu Steuererklärungen. Auch jetzt wieder hat Trump eine neue Methode gefunden, um an Geld zu kommen. Wie der Spiegel meldet, nutzt Trump derzeit vor allem Rentner:innen aus, um sich ungeheure Summen in die eigene Tasche zu stopfen.

Mit E-Mails, die vor dem drohenden Untergang der USA warnen, buhlt Trumps Wahlkampagne bei all denen, die sich jemals bei Donald Trump registriert haben, offiziell um politische Spenden. Um den potenziellen Spender:innen die Arbeit zu erleichtern, ist das Formular bereits fertig ausgefüllt. Und wer nicht achtgibt, hat auf einmal einen Dauerauftrag am Hals. Wie die New York Times schreibt, hat eine 63-jährige Krebspatientin auf diese Weise in einem Monat 3000 Dollar an Trump abgedrückt.

Tatsächlich hat es Trump offenbar hauptsächlich auf Rentner:innen abgesehen. Wie in der Datenbank der US-Wahlaufsicht FEC nachzulesen ist, hat diese Personengruppe in den vergangenen knapp 12 Monaten etwa 17 Millionen Dollar an Trump gespendet. Insgesamt hat das Spendenkomitee „Save America“ seit Januar 2021 schon mehr als 62 Millionen Dollar gesammelt.

Nun wäre dies noch eine Sache, wenn Trump hier einfach nur Geld für die US-Wahl 2024 sammelte. Doch dem ist nicht so. Aufgrund der laxen Parteispendengesetze in den USA kann Trump das Geld auf jede nur erdenkliche Weise nutzen. Und das tut er wohl auch. Dass er mit dem Geld seine Anwaltskosten deckt, ist dabei nur ein Aspekt. Wie mehrere US-Medien meldeten, werden mit den Spenden aber auch Saalmieten für Galas oder Dinner in seinen eigenen Liegenschaften bezahlt. Trump hat also keine Hemmungen, das Geld für seine persönlichen Zwecke zu gebrauchen.

Donald-Trump-Fans abgezockt: Dreister Spendenbetrug mit Weihnachtskarte

Washington – Die Abkürzung PAC steht für Political Action Committee und bezeichnet Organisationen, die Spenden zur Unterstützung der Kandidaten im amerikanischen Wahlkampf sammeln. Während der US-Präsidentschaftswahl sind PACs gang und gäbe. Auch Donald Trump gründete nach seiner Amtsenthebung einen sogenannten Super-PAC, um noch mehr Spendengelder zu erhalten, die ihn bei der US-Zwischenwahl 2022 unterstützen sollen. Wie man das PAC-System ausnutzen kann, zeigte nun ein 34-jähriger Texaner.

Matthew Tunstall soll mit zwei weiteren Personen während des Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2016 Spenden in Höhe von etwa 3,5 Millionen Dollar gesammelt und in die eigene Tasche gesteckt haben. Mittels automatisierter Telefonanrufe hätten die drei Männer vorgegeben, Geld für Donald Trump und Hillary Clinton zu sammeln. Über diesen Fall berichtete das Justizministerium der Vereinigten Staaten. Über die Jahre hinweg gründeten Tunstall und seine Kollegen immer wieder neue Fake-PACs. Erst im November 2021 konnte der Texaner geschnappt werden. Zu diesem Zeitpunkt lief bereits ein neuer Spendenaufruf: „Donald Trump sendet Weihnachtsgrüße.“

Ex-Präsident Donald Trump wünscht frohe Weihnachten: Menschen werden abgezockt

Im Jahr 2019 startete Tunstall seine „Campaign to Support the President“. Bis zu seiner Inhaftierung am 9. November 2021 wurden mehr als 128.000 Fake-Telefonanrufe abgesetzt, um Spendengelder zu sammeln. Die Telefonkampagne lief noch bis zum 30. November weiter und hatte bis zuletzt 166.000 Anrufe getätigt.

„Im Namen der gesamten Trump-Familie wünschen wir allen ein frohes Weihnachtsfest und einen sehr, sehr guten Rutsch ins Neue Jahr“, wünschte eine künstlich generierte Stimme von Donald Trump bei den Fake-Calls im November. Im Anschluss wurden Hörerinnen und Hörer dazu aufgefordert, 35 Dollar zu spenden. „Präsident Trump will, dass jeder das Weihnachtsfest und die Feiertage feiert – auch Sie. [...] Holen Sie sich Ihre Trump Familien-Weihnachtskarte für den Betrag von mindestens 35 US-Dollar.“

Spenden-Betrug um Donald Trump: Fake-Anrufe werden weitergehen

Mit der Inhaftierung des 34-jährigen Texaners endet auch einer der größten „Robocall“-Skandale der USA. Mittlerweile ist Tunstalls Trump-Campaign auf Eis gelegt. Auf Nachforschungen des Nachrichtensenders CNN seien die für die Fake-Anrufe genutzten Nummern vom „Netz getrennt“ worden. Das im Jahr 2019 gegründete PAC erwirtschaftete schätzungsweise 193.000 Dollar. Kein Geld, das die Gruppe gesammelt hat, ging direkt an Trump oder seine Kampagne.

Aaron Foss ist Gründer der sogenannten NoMoRobo-App und Spezialist für Fake-Anrufe, wie Tunstall sie betrieben hat. Der Experte ist auch nach der Inhaftierung des Betrügers skeptisch: „Es ist ein kontinuierliches Katz-und-Maus-Spiel. Wir sehen bereits Nachahmer, die ähnliche Nachrichten [wie Tunstall] versenden. Solange Menschen auf diese Art von Betrug hereinfallen, wird es immer so weitergehen.“ (aa)

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