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Doch, alles wird gut!

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Von: Johannes Dieterich

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Prophezeihungen sind in Afrika gern gehört. Es sei denn, sie sind kritisch

Dies ist die Zeit der Propheten. Den Beginn eines neuen Jahres pflegen Afrikas religiöse Oberhirten zu nutzen, um ihren verängstigten Schäfchen klare Ansagen für die Zukunft zu geben. Vor allem im Westen des Kontinents mit seinen riesigen charismatischen Glaubensgemeinschaften sind Weissagungen für das bevorstehende Jahr en vogue.

Einer der populärsten Propheten, der im vergangenen Jahr verstorbene T. B. Joshua, hatte für 2016 einen Wahlsieg Hilary Clintons über Donald Trump prophezeit und vier Jahre später „das Ende des Coronavirus“ für den 27. März 2020 vorhergesagt. Dass es nicht ganz so kam, erklärte der Kirchengründer später damit, dass im ersten Fall die Gesamtzahl der Stimmen und nicht die nach dem komplizierten US-Wahlsystem gewichteten gemeint gewesen seien. Im zweiten Fall habe er die göttliche Eingebung für die chinesische Wuhan-Provinz mit der für die gesamte Welt verwechselt. Nun ja, dem Ansehen des Oberhirten tat das keinen Abbruch.

Gerüchte-Verbot in Ghana

Solange die Vorhersagen fernen Ländern gelten und keine explosiven politischen Sprengsätze enthalten, lässt die Obrigkeit die Propheten und Prophetinnen ungehindert prophezeien. Etwas anderes ist es, wenn ein Land in einer tiefen ökonomischen Krise steckt und die Hellseher den Fall seines Präsidenten oder die Kernschmelze seiner Wirtschaft prognostizieren. Dann hört der Spaß – wie derzeit in Ghana – auf.

Dort hat die Polizei jetzt darauf hingewiesen, dass es per Gesetz des westafrikanischen Staates verboten sei, „Stellungnahmen oder Gerüchte zu veröffentlichen, die Angst hervorrufen, Alarm auslösen oder den öffentlichen Frieden gefährden“. Wer dagegen verstoße, habe mit bis zu fünf Jahren Gefängnis zu rechnen, drohte die Polizeiführung.

Ihre Erklärung stieß in dem gottesfürchtigen und demokratiefreundlichen Land auf heftige Kritik. Es gebe kein Gesetz, das der Polizei die Macht einräume, „Weissagungen zu regulieren“, wetterte der Anwalt Sammy Darko: Die Religions- und Meinungsfreiheit deckten zweifellos auch Prophezeiungen ab – ganz gleich, ob sie sich später als falsch oder als zutreffend herausstellten.

Den Zorn des Juristen erregte vor allem ein Detail der Ordnungshüter-Demarche, wonach das Verbot im Besonderen „absichtlich falschen oder irreführenden Äußerungen“ gelte. Darko wollte wissen, wie eine Weissagung schon lange vor dem vorausgesagten Ereignis als falsch beurteilt werden könne – falls es sich bei den Polizisten nicht selbst um Propheten handele.

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