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Eine Mitarbeiterin verpackt im Logistik Zentrum der Versandapotheke DocMorris Medikamente.
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Eine Mitarbeiterin verpackt im Logistik Zentrum der Versandapotheke DocMorris Medikamente.

Dr. Hontschiks Diagnose

DocMorris: Wie mit dem „neuen Gesund“ das Modell Hausarzt vertrieben wird

  • Bernd Hontschik
    VonBernd Hontschik
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Im Internet floriert das Geschäft von Online-Ärzten und Versandapotheken. Neues vom Aussterben der Hausarztmedizin.

  • Unternehmen versuchen, die Medizin immer weiter ins Internet zu verlagern.
  • Allen voran: DocMorris, ein „Gesundheitsdienstleister“ aus den Niederlanden.
  • Ist das „neue Gesund“ ein Modell der Zukunft?

Frankfurt – Warum ist mein Arzt 10 Straßen entfernt und nicht nur einen Klick?“ Oder so: „Warum heißt er Hausarzt, wenn ich für ihn das Haus verlassen muss?“ Oder auch: „Warum muss ich aufstehen, um gesagt zu bekommen, dass ich mich hinlegen soll?“ Und dann noch die Frage aller Fragen: „Warum können wir Gesundheit nicht neu denken? Das neue Gesund.“ Ein gewisser DocMorris stellt hier die Fragen. Und DocMorris beantwortet sie gleich selbst: „Wir haben eine Vision. Die Vision von einer Zukunft, in der sich Ihr Zugang zu Gesundheitsversorgung nach Ihnen richtet und nicht andersherum. Eine Vision von einer Zukunft, in der Gesundheitsversorgung so smart funktioniert, wie alles andere in Ihrem Leben.“

Das Konzept der Gesundheit in Literatur und Philosophie

Muss das mit der Gesundheit wirklich neu gedacht werden? Es hat bislang ja noch niemand eine allgemeingültige Antwort gefunden. Ist man gesund, wenn man nicht krank ist? Ist man gesund, wenn man nicht weiß, dass man krank ist? Es gibt tausende von Krankheiten, aber gibt es nur eine einzige Gesundheit? Bedeutet Gesundheit für jeden Menschen vielleicht etwas anderes?

Gesundheit sei uns verborgen, sie sei „das Schweigen der Organe“, sagte der Philosoph Hans-Georg Gadamer. Gesundheit ist körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden, sagte die Weltgesundheitsorganisation WHO. „Gesund ist man erst, wenn man wieder tun darf, was einem schadet“, sagte Karl Kraus. Für Aldous Huxley war schon vor 100 Jahren „die Medizin so weit fortgeschritten, dass man kaum noch Gesunde findet“ – was für eine Weitsicht! Ganz anders sprach Johann Wolfgang von Goethe vor 200 Jahren: „Ein gesunder Mensch ohne Geld ist halb krank“.

DocMorris – Von der Versandapotheke aus den Niederlanden zum Milliardenkonzern

Was soll das also sein, das „neue Gesund“? Und wer ist dieser Doc Morris, der uns weismachen will, dass das Leben smart ist, nur die Gesundheitsversorgung nicht? Vor 20 Jahren schockierte DocMorris die deutsche Apothekerschaft von den Niederlanden aus. Man konnte bei DocMorris telefonisch, online oder per Post Medikamente bestellen. Es entwickelte sich ein Erfolgsmodell mit mehr als 600 Mitarbeiter:innen und einem dreistelligen Millionenumsatz. Nur mit dem Betreiben von Medikamentenautomaten und konzerneigenen Filialapotheken scheiterte der Konzern an den gesetzlichen Vorschriften – zu smart für Deutschland.

Nach Zukäufen und Eigentümerwechseln gehört DocMorris heute der Zur Rose Group AG, die in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland mit mehr als 1500 Mitarbeiter:innen und einem Milliardenumsatz agiert. Seitdem versteht sich DocMorris nicht mehr nur als Apotheke, sondern als breit aufgestellter „Gesundheitsdienstleister“ – online, versteht sich. Und als solcher bietet uns DocMorris eine smarte Gesundheitsversorgung an, weil ja sonst auch alles smart ist in unserem Leben. Mich stößt das ab, aber wen spricht das an? Ist das die Zukunft, ist das das Modell der Medizin von morgen, ist das auf junge Menschen zugeschnitten? Ist das Modell Hausarzt am Aussterben, ist es von gestern?

Name: DocMorris
Gründung:2000
Sitz:Heerlen, Niederlande
Mitarbeiter: rund 600
Umsatz: 370 Mio. Euro

Ist DocMorris die Zukunft der Medizin?

DocMorris will also Gesundheit neu denken. Was auch immer sich hinter dem „neuen Gesund“ verbirgt, philosophisch ist da nichts zu erwarten, ökonomisch und finanziell aber eher viel. Seit einiger Zeit werden Arztpraxen zu Objekten von Übernahmekonzepten der Großkonzerne. Die Diffamierung der Hausarztmedizin auf Plakatwänden durch DocMorris ist verbunden mit dem Versprechen, dass von jetzt an Gesundheit online, mit Klicks und digital „neu gedacht“ und neu gemacht wird. Das wird entweder platzen wie eine Seifenblase oder es ist das Erfolgsmodell der Zukunft. Dann aber wird in der Medizin nicht mehr ein kranker Mensch auf einen heilkundigen Menschen treffen. Medizin ist dann nicht länger Beziehungsarbeit. Dann wird stattdessen geklickt, gegoogelt und gezoomt. (Bernd Hontschik)

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