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Der Diebstahl der „Big Maple Leaf“ erregte 2017 weltweit Aufsehen. Marcel Mettelsiefen/dpa

Münze

DNA-Spuren und Goldspäne

Nach dem Münzen-Diebstahl im Berliner Bode-Museum werden drei Angeklagte verurteilt. Die Münze bleibt verschwunden.

Im Prozess um den spektakulären Diebstahl einer hundert Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sind drei der vier Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Gegen einen der Männer verhängte das Berliner Landgericht am Donnerstag drei Jahre und vier Monate Haft, gegen zwei andere jeweils vier Jahre und sechs Monate. Der vierte Angeklagte wurde freigesprochen.

Die Vorsitzende Richterin Dorothee Prüfer zeigte sich überzeugt davon, dass die heute 23 und 21 Jahre alten Cousins Wissam R. und Ahmed R. am 27. März 2017 direkt an dem Diebstahl beteiligt waren. Die beiden Männer wurden zudem zur Zahlung von 3,3 Millionen Euro verurteilt, dem laut Gericht damaligen reinen Goldwert der Beute.

Eine „erhebliche Tatherrschaft“ sahen die Richter auch beim 21-jährigen Denis W., der den beiden damals als Wachmann des Bode-Museums entscheidende Tipps gegeben und die Tat mitgeplant haben soll. Alle drei Männer wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. W. soll 100 000 Euro zahlen, was laut Gericht mindestens sein Beuteanteil war.

Die Staatsanwaltschaft hatte für alle vier Männer Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren gefordert. Wayci R., Ahmeds Bruder, wurde jedoch wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Dadurch bleibt die Identität des dritten direkt am Diebstahl Beteiligten unklar.

Die Vorsitzende Richterin betonte, die Tat habe „gut rekonstruiert werden“ können. Demnach stiegen in den frühen Morgenstunden drei Männer mithilfe einer Leiter durch ein geöffnetes Fenster des Umkleideraums in das Museum im Berliner Stadtzentrum ein. Die Vitrine im Münzkabinett wurde demnach zerschlagen, abtransportiert wurde die Münze auf einem Rollbrett. Später wurde das Riesen-Geldstück in einem Auto weggefahren, wie eine Überwachungskamera zeigte.

„Wir wissen, dass die Münze in die Familie R. gelangt ist“, sagte Prüfer mit Bezug auf die beiden Verurteilten R. sowie den Freigesprochenen. Demnach wurden in Autos, Wohnungen und an Kleidungsstücken der Familie Goldpartikel vorgefunden. Derartige Späne konnten demnach nur durch das Zerteilen der Münze entstehen.

Außerdem wurde DNA an mehreren Gegenständen im Museum entdeckt. „Familie R. ist ja nun nicht ganz unerfahren in der Durchführung von Straftaten“, wie die Richterin hinzufügte. Die aus dem Libanon stammende Familie fällt immer wieder durch organisierte Straftaten auf.

Für Planung und Umsetzung des Beutezugs im Museum brauchten die Familienmitglieder demnach jedoch „Insiderwissen“, wie Wachmann W. es nach Überzeugung des Gerichts lieferte. Er und Ahmed R. seien gute Freunde.

Die Münze ist allerdings seit der Tat verschwunden. Vermutlich sei sie zerschnitten, eingeschmolzen und verkauft worden, sagte Prüfer. Demnach könnten die Goldstücke auch versteckt worden sein.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Kosten des Verfahrens müssen die Verurteilten tragen – dazu sagte Richterin Prüfer, von dem bei der Tat erlangten Profit „dürfte ja noch was übrig sein“.

Die kanadische Münzanstalt hatte 2007 sechs Exemplare der großformatigen „Big Maple Leaf“-Münzen aus Gold produziert; eine davon befand sich seit 2010 als Leihgabe im Münzkabinett des Bode-Museums. Der Diebstahl der Münze erregte vor drei Jahren weltweit Aufsehen.

Der Diebstahl der Goldmünze beschäftigt auch die Berliner Ziviljustiz: Am Freitag beginnt in der Hauptstadt die Verhandlung über einen Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer und der Versicherung, die bisher laut Landgericht nur eine Teilentschädigung zahlte. Sarah EMMINGHAUS, afp

Richterin: Vom Profit „dürfte noch was übrig sein“

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