Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kriminalität

Diplomatische Schieberei

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
    schließen

Wie sich Gesandte in Südafrika mit steuerfreiem Schnaps bereichern.

Jeder kennt die Not der Diplomaten. Sie kommen meist weit von ihrer Heimat entfernt zum Einsatz und müssen in riesigen, repräsentativen Villen residieren, deren Betrieb und Reinigung ganze Heere an Dienstpersonal in Anspruch nimmt. An Flughäfen müssen sie ihre hässlichen blauen Pässe an getrennt gehaltenen Kontrollen vorzeigen, vor denen sie noch nicht einmal eine entspannte Unterhaltung mit einem Mitfliegenden beginnen können, weil sie ohnehin meist alleine dort sind und sich an ihrem Schalter keine Schlange bildet, die sie zum Warten zwingt.

Sind sie im eigenen Fahrzeug unterwegs, dann sind sie mit einem irgendwie komisch aussehenden Nummernschild stigmatisiert – und dürfen selbst dann nicht ihren Beitrag zum Wohl ihres Gastlands verrichten, wenn sie die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung um mehr als 100 Prozent überschreiten. Selbst wenn sie es wollten – sie kommen mit keinem ordinären Polizisten, Richter oder Steuerberater in Kontakt: Sie werden von allen gemieden.

Offenbar kommen manche – vor allem aus ärmeren Ländern – auch mit ihrem steuerfreien Gehalt nicht klar und sehen sich zu berufsfremden Nebenerwerben gezwungen. Wie die Diplomaten mehrerer afrikanischen Staaten, die ihren undankbaren Job in Südafrikas Hauptstadt Pretoria mit dem Verkauf von steuerfreien Alkoholika aufwerten.

Der Staat verliert Millionen

Nach Angaben der hiesigen Steuerbehörde kaufen vor allem Gesandte aus Ghana, Ruanda, Burundi, Guinea und Malawi Monat für Monat riesige Mengen Alkoholika in den nur Diplomaten offen stehenden Duty-Free-Läden in ihrem Stadtteil ein – um sie anschließend mit einer kleinen Profitmarge weiterzuverkaufen. Dem Fiskus soll dabei monatlich ein Betrag von umgerechnet sechs Millionen Euro abhanden kommen – ob sich auch Diplomaten aus weiter entfernten Staaten an der Schieberei beteiligten, sei noch nicht ermittelt, heißt es.

Offenbar geben manche Diplomaten monatlich bis zu 300 000 Euro für alkoholische Getränke oder Rauchwaren aus: Dem Finanzamt seien sogar zwei Fälle von Gesandten bekannt, die sich innerhalb eines Monats in den vier steuerfreien Einkaufsparadiesen mit Waren im Wert von 600 000 Euro eingedeckt haben sollen. Eigentlich sei der Service der südafrikanischen Regierung nur für den Cognac- und Zigarren-Konsum in den Botschaften selbst gedacht, geben die Steuerfahnder zu bedenken: Alles andere sei Steuerhinterziehung.

Zu Verhaftungen kam es bislang trotzdem nicht – und wird es auch nicht kommen. Denn Diplomaten genießen bekanntlich Immunität und dürfen in ihrem Dienstgebiet vor keinen Richter gestellt werden. Und selbst wenn sie das würden, könnten sie sich mit einem überzeugenden Argument aus der Affäre ziehen. Schließlich lautet eines der ältesten Prinzipien der Diplomatie: „Wenn Du in Rom bist, verhalte dich wie die Römer.“ Wer in Südafrika keine schmutzigen Geschäfte macht, ist noch nicht im Gastland angekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare