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Dieter Nuhr und die Deutsche Forschungsgemeinschaft: Audiodatei löst Shitstorm aus

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Kabarettist Dieter Nuhr liegt mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Clinch. Kern des Anstoßes ist eine Audiodatei von Nuhr, die die DFG gelöscht hat.

  • Zwischen der DFG und Dieter Nuhr, der eine Show bei der ARD hat, ist eine Diskussion entstanden.
  • Kern der Diskussion ist eine Audio-Datei.
  • Wie es zu dem Shitstorm auf Twitter kam.

Frankfurt - In diesem Jahr feiert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihr 100-jähriges Jubiläum. Deshalb engagierte sie Botschafter - unter anderem auch den Kabarettisten Dieter Nuhr. Daraufhin stellte Nuhr dem DFG deshalb eine Audio-Nachricht zur Verfügung. „Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben“, sagte der Kabarettist. Die Nachricht wurde von der Forschungsgemeinschaft geteilt - und dann plötzlich wieder gelöscht.

Grund sei die „starke und kritische Resonanz“ gewesen, teilte die DFG mit. Rückblick: Im vergangenen Jahr hatte Nuhr bereits mit satirischen Äußerungen über die Klimaaktivistin Greta Thunberg Widerspruch ausgelöst. Kurz darauf meldete sich jedenfalls Dieter Nuhr in einem Facebook-Post zu Wort.

Shitstorm um Dieter Nuhr: Kabarettist weist Kritik von sich

„Ich halte dies für mehr als alarmierend. Dass Kritik aufkommt, wenn ich mich äußere, erstaunt mich nicht weiter. Egal, was ich sage, sobald es im Netz öffentlich wird, gibt es organisierten Hass. Das ist offensichtlich eine im Netzwerk organisierte Kampagne, die mich als an der Meinungsbildung Beteiligten diskreditieren soll. Es ist offensichtlich, dass dies ideologisch begründet ist“, schrieb Dieter Nuhr auf Facebook. Es sei eine neue Erfahrung für ihn, dass eine Organisation wie die Deutsche Forschungsgesellschaft „den Ideologen im Netz“ nachgebe. „Das ist nicht nur erstaunlich, sondern ängstigt mich, da ich inzwischen eine McCarthyartige Stimmung im Land wahrnehme und im Zuge der Cancel Culture auch die Freiheit des Denkens und der Forschung im Allgemeinen in Gefahr sehe.“

Die DFG habe ihm mitgeteilt, sie müsse „der Kritik nachgeben“, um „Schaden von der DFG abzuwenden“, schilderte Nuhr. „Ich fürchte, der größere Schaden ist, wenn die Deutsche Forschungsgesellschaft sich daran beteiligt, kritische und keineswegs extremistische oder verschwörungstheoretische Stimmen mundtot zu machen.“ Er habe noch nie wissenschaftsfeindlich argumentiert. Auch habe er immer gesagt, dass ihm Fridays for Future im Grunde sympathisch sei. Den Satz „Folgt der Wissenschaft“ halte er allerdings für bedenklich, „weil er suggeriert, es gäbe die eine, unantastbare Meinung und Lösungsstrategie für den Klimawandel“. Wenn die Wissenschaft zum Erlösungsnarrativ erklärt werde, sei das das Gegenteil von Wissenschaft.

DFG meldet sich zu Wort und entschuldigt sich bei Dieter Nuhr

Die DFG entschuldigte sich daraufhin für das Entfernen des Audiobeitrags. „Auch möchte die DFG betonen, dass sie mit der Entfernung des Beitrags keineswegs Herrn Nuhrs persönliche Einstellung zur Wissenschaft bewerten wollte“, teilte die DFG auf ihrer Website mit. Nach eigenen Angaben erhielt die DFG auch Kritik „von zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft“. Weiter heißt es von ihr: „Zu ihrem Bedauern sah sich die DFG nicht in der Lage, kurzfristig und während einer zum Teil aggressiven Twitter-Diskussion eine klare Einschätzung zu den Kommentaren vorzunehmen.“ Am Freitag habe man sich schließlich entschieden, den Beitrag von der Seite und aus dem Youtube-Kanal zu nehmen. Auf dem Twitterkanal sei er hingegen nicht gelöscht worden.

Dieter Nuhr hat mit einer Audiodatei einen Shitstorm bei Twitter ausgelöst (Archivbild).

Dieter Nuhr will Entschuldigung der Deutschen Forschungsgemeinschaft nicht annehmen

Mittlerweile hat sich die DFG nach eigenen Angaben intensiver mit dem Statement befasst und festgestellt, dass Nuhr einige Sätze daraus in ähnlicher Form bereits im Zusammenhang mit Greta Thunberg geäußert habe. In dieser stark polarisierten Debatte wolle die DFG innerhalb der Kampagne aber nicht Stellung beziehen.

„Die DFG bietet Herrn Nuhr aber sehr gerne eine im Lichte der aktuellen Debatte kommentierte Wieder-Online-Stellung seines Statements an“, schrieb die in Bonn angesiedelte Organisation.
Nuhr nahm die Entschuldigung jedoch nicht an. Der Zeitung „Die Welt“ teilte Dieter Nuhr mit: „Da gibt es nichts anzunehmen. Das ist ja keine Entschuldigung. Die DFG hat nicht die Löschung bedauert, sondern lediglich die Tatsache, dass sie mir nicht Bescheid gesagt hat.“ (Moritz Serif mit dpa) Unser Kommentator stellt sich die Frage, weshalb Dieter Nuhr ständig gegen Diskussionsverbote verstößt.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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