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Prüfender Blick: Der Couturier in späten Jahren.

Hubert de Givenchy

Dieses eine Kleid

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Das Spiel mit Volumen und Detail: Seit Hubert de Givenchy 1968 seine erste öffentliche Prêt-à-porter-Kollektion präsentiert hatte, wuchs sein Imperium kontinuierlich. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

Es sollte das berühmteste Kleid seiner Karriere werden: Als Audrey Hepburn 1961 mit Croissant in der Hand und Sonnenbrille auf der Nase in „Frühstück bei Tiffany’s“ die Preziosen im New Yorker Schaufenster betrachtet, tat sie das in einem Kleid von Hubert de Givenchy. Irrsinnige 692.000 Euro zahlte ein anonymer Bieter bei einer Versteigerung 2006 für das schlichte Etuikleid. Der Givenchy-Entwurf gilt damit als teuerste Textilie der Filmgeschichte.

Es sind Geschichten von verschwenderischem Luxus wie diese, die Kritiker der Mode zum Schäumen bringen. Und zugleich sind es solche Geschichten, die die Branche am Laufen halten. Hubert de Givenchy war einer, der sie zu erzählen wusste. 1927 wurde der Franzose als Sohn des Marquis de Givenchy in eine Adelsfamilie hineingeboren, lernte das süße Leben früh kennen, das er später mit seinen Roben stets noch ein bisschen süßer zu machen versuchte. Der Vater starb früh, de Givenchy wurde von Mutter und Großmutter aufgezogen. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie inspirierend, wie formend diese Frauenwirtschaft für den kreativen Jungen gewesen sein muss.

Audrey Hepburn als große Inspiration

Die andere große Inspiration in Hubert de Givenchys Leben, das war Audrey Hepburn – lange vor dem Croissant und der Sonnenbrille, lange vor dem schwarzen Kleid in „Frühstück bei Tiffany’s“. Seine Muse hatte der Designer bereits 1953 bei anderen Dreharbeiten kennengelernt, kurz nachdem er sein erstes Atelier in Paris eröffnet hatte. Bis zu Hepburns Tod verband die beiden eine innige Freundschaft, ihren ersten Oscar nahm die Schauspielerin 1954 in einer Robe von de Givenchy entgegen.

Die zweite große Freundschaft im Leben des Couturiers war die zu Cristóbal Balenciaga, einer anderen Ikone der Modegestaltung. Auch ihn lernte de Givenchy 1953 kennen, Balenciaga war zu dieser Zeit bereits an der Spitze der internationalen Mode angelangt. Der Spanier wurde ein Mentor für Hubert de Givenchy, unter anderem von ihm erlernte er das unverwechselbare Spiel mit Volumen und Details. Nach Balenciagas Tod setzte sich de Givenchy leidenschaftlich für das Andenken seines Freundes ein, 2011 wurde ihm dafür vom spanischen König der renommierte „Orden de las Artes y las Letras de España“ verliehen.

Gemeinsam gearbeitet haben Balenciaga und de Givenchy nie. Dafür lernte Letzterer in verschiedenen Pariser Ateliers, bei Pierre Balmain etwa, bei Christian Dior und Elsa Schiaparelli – lange bevor seine eigene Marke zu den wichtigsten der internationalen Szene zählen sollte.

Seit Hubert de Givenchy 1968 seine erste öffentliche Prêt-à-porter-Kollektion präsentiert hatte, wuchs sein Imperium kontinuierlich. 1988 verkaufte er sein Unternehmen an die LVMH-Gruppe, zu der heute Marken wie Louis Vuitton, Céline, Fendi oder Emilio Pucci gehören. 1996 verabschiedete sich de Givenchy als Chefdesigner komplett aus seinem Modehaus und widmete sich verschiedenen Projekten.

Sein Privatleben verbrachte er gemeinsam mit seinem Lebenspartner, dem Couturier Philippe Venet, auf Château du Jonchet in Romilly-sur-Aigre, das er bereits in den 1970ern erworben hatte. Gerade im Februar noch, feierte Hubert de Givenchy seinen 91. Geburtstag. Am Montag teilte Philippe Venet in Paris mit, sein Partner sei bereits am Samstag gestorben.

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