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Wir müssen mal reden: Max Gilgenmann ist Mitinitiator einer Online-Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode.
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Wir müssen mal reden: Max Gilgenmann ist Mitinitiator einer Online-Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit in der Mode.

Interview

„Diese Krise kann niemand einfach aussitzen“

  • Manuel Almeida Vergara
    vonManuel Almeida Vergara
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Die Textilindustrie wird endlich nachhaltiger, glaubt Max Gilgenmann. Der Modeexperte entwickelt für Unternehmen entsprechende Strategien und organisiert nun eine Online-Konferenz zum Thema.

Herr Gilgenmann, gerade für die Mode werden die „2020er-Jahre das Jahrzehnt des globalen Wandels“ – so schreiben Sie es in der Ankündigung Ihrer Online-Konferenz. Was veranlasst Sie zu dieser Hoffnung?

Auch vor der Pandemie war schon klar, dass sich große Veränderungsprozesse realisieren werden. Die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren endlich auch bei vielen großen Modeunternehmen angekommen. Jetzt aber begünstigt die Pandemie diese Entwicklung zusätzlich. Weil sie die Probleme der Industrie nochmal ganz deutlich macht, und weil der Moment des Stillstands überhaupt erst ermöglicht, bestimmte Veränderungen voranzubringen. Es ist schwierig, in ein laufendes System einzugreifen. Nun aber gibt es mehr Zeit dafür, weil etwa die Lieferketten, die zuletzt ohnehin kaum mehr funktioniert haben, teilweise zum Stehen gekommen sind. Niemand kann die Probleme, auch die Fehler der Branche mehr ignorieren und die Krise einfach aussitzen.

Zudem interessieren sich Kundinnen und Kunden eben doch immer mehr für nachhaltige Produkte und transparente Produktionsketten.

Auf jeden Fall. Ich finde es wichtig, das nicht immer so getrennt voneinander zu betrachten. Es geht ja letztendlich um ein großes Erdsystem, das nur gemeinsam geschützt werden kann. Natürlich ist für Unternehmen das Kaufverhalten ihrer Kundinnen und Kunden ausschlaggebend. Aber wir sind an einem Punkt, an dem wir alle mehr in gesamtgesellschaftlichen Prozessen denken müssen und weniger in kleinteiligen Situationen und eigenen Unternehmensstrategien. Aber es stimmt, dass immer mehr Menschen bisherige Umgangsweisen mit der Umwelt und auch soziale Entwicklungen nicht mehr akzeptieren wollen und das mit ihrem Kaufverhalten ausdrücken.

Von internationalen Unternehmen heißt es oft, dass entsprechende Alternativen gerade in Deutschland gefragt sind. Wie erklären Sie sich das?

Zur Person

Max Gilgenmann ist Mitbegründer der Beratungsagentur studio MM04, die etwa Nachhaltigkeitskriterien und Kommunikationsformate für eine zukunftsfähige Modeindustrie entwickelt. Mit seiner Kollegin Magdalena Schaffrin organisiert er „202030 The Berlin Fashion Summit“. mav

Wenn man das ein bisschen nostalgisch ausdrücken möchte, dann ist es sicher so, dass in Deutschland die Tradition zu einem gewissen Natur-Romantizismus noch immer sehr stark ist. Die Idee von satten Wäldern und weiten Fluren, von einer Naturverbundenheit, die sich hier ja auch in besonders vielen alternativen Lebensweisen ausdrückt. Vor allem aber ist Deutschland weniger ein Modemarkt als ein Bekleidungsmarkt. Funktionalität und Qualität sind hier wichtiger als Stil und Schönheit. Und Nachhaltigkeit lässt sich eben ähnlich bewerben wie funktionale Kleidung oder technisch anspruchsvolle Textilien. Das spricht eine ähnliche, oft trockene Sprache, die man in Deutschland gewohnt ist. Wir sehen es mit unserer Konferenz also auch als unsere Aufgabe, das Thema Nachhaltigkeit in der Mode emotionaler aufzuladen.

Mit dem Thema setzen sich mittlerweile viele Konferenzen auseinander. Was macht Ihr Format besonders?

Wir sind ein Arbeitsformat. Schon Anfang Januar haben wir Expertinnen und Experten zusammengebracht, um in Workshops Ideen auszutauschen und neue Methoden für eine nachhaltigere Modeindustrie zu finden. Und die Ergebnisse aus diesen Workshops oder Think Tanks stellen wir nun auf der Online-Konferenz vor. Unsere Stärke ist also nicht nur das Zusammenbringen verschiedener Fachgruppen der internationalen Mode, sondern die Übersetzung und Übertragung ihrer Denkarbeit für eine breite Öffentlichkeit.

Da passt es doch ganz gut, dass die Fashion Week als Rahmenveranstaltung Ihrer Konferenz ohnehin rein digital stattfindet. Man könnte ja sagen, eine digitale Fashion Week ist die einzig nachhaltige Variante einer Modewoche.

Ich gehe davon aus, dass die Zukunft geprägt sein wird von hybriden Konzepten. Wir als Konferenz können per Videokonferenz zwar einfacher Expertinnen und Experten aus aller Welt zusammenbringen, aber die Qualität des Austausches ist einfach eine andere, wenn man sich persönlich trifft. Dass man aber nicht für jeden Austausch quer über die Welt fliegen muss, wird aktuell ganz deutlich. Für Modenschauen und andere Events einer Fashion Week ist das schon schwieriger. Ich glaube nicht, dass solche Veranstaltungen in den kommenden 15 Jahren in ihrer gewohnten Qualität rein digital abbildbar sind. Dafür sind Technologien wie Virtual Reality, die ein bloßes Video um ein echtes Erlebnis ergänzen könnten, noch nicht weit genug. Auch wenn das 3D-Prototyping immer besser wird und sich Stoffe virtuell immer deutlicher darstellen lassen, gehört zur Mode eben immer noch das haptische Erlebnis. Und noch lässt sich ein schöner Stoff virtuell eben nicht anfassen.

Interview: Manuel Almeida Vergara

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