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Ein typisches Sommereis, sagt Giuseppe Cimino über seine Kreation. Er hofft damit auch im Winter punkten zu können.
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Ein typisches Sommereis, sagt Giuseppe Cimino über seine Kreation. Er hofft damit auch im Winter punkten zu können.

Eismacher

Die Weltbesten Kugeln

Mit „Phyalis-Avocado“ und „Edelweiß Ziegenjoghurt“ gehen Claudia Trotta und Giuseppe Cimino bei der Eis-WM ins Rennen.

Das zart orange-gelbe Eis schmilzt zitronig auf den Lippen, dockt dann cremig-frisch am Gaumen an, schmeckt nach Minze und irgendwie auch mangoartig und endet mit Avocadonote im Abgang. Mango? Nein, es ist die Andenbeere Physalis, die dem Physalis-Avocado-Sorbet Sommerfarbe und fruchtigen Geschmack verleiht. Eine ungewöhnliche Kreation hat sich Guiseppe Cimino, Eismacher aus dem baden-württembergischen Rastatt, vor einigen Jahren ausgedacht, damit 2018 die Deutsche Meisterschaft in Berlin gewonnen und sich dadurch gleichzeitig für die Eis-Weltmeisterschaft Anfang Dezember in Bologna qualifiziert.

Lecker sieht auch die Eisschöpfung „Edelweiß Ziegenjoghurt“ von Eismacherin Claudia Trotta aus Wernigerode im Harz aus. Sie hatte 2019 damit die Deutsche Meisterschaft gewonnen: Es handelt sich um eine sahnige Kreation, die mit Soßen aus kandierter Mandarine, Heidelbeeren aus der Region und kaltgepresster Schokolade verfeinert wird, wie die 50-Jährige erzählt.

Im vergangenen Jahr fiel der Wettbewerb aus - sonst könnten jetzt gleich drei Eismacher oder Eismacherinnen aus Deutschland nach Bologna fahren. Nach Angaben der Veranstalter wetteifern auf der WM insgesamt 33 Eismacher:innen um den Titel.

Die Konkurrenz sei groß, sagen beide unisono. „Aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht, bin gut vorbereitet“, erzählt Cimino. Er übt kurz vor der WM nochmal, rührt in einem großem Metalleimer sorgsam einen orangefarbenen Physalis-Wasserbrei um, gibt „Bio-Minze aus Papas Garten“ sowie halbierte und zuvor gesalzene Avocados hinzu. Das Mengenverhältnis ist geheim, die genaue Würzung – auch Limettenschale kommt zum Einsatz – ebenfalls. Trotta hat ihre aufwendigen Soßen schon mal nach Bologna vorgeschickt, nur den Ziegenjoghurt und den griechischen Joghurt bringt sie bei der Anreise mit.

„Deutsche lieben Eis“, sagt Annalisa Carnio vom Verband Unities, dem Bundesverband der italienischen Speiseeishersteller. Vor allem Eis nach italienischer Tradition stehe in Deutschland hoch im Kurs. Ihren Angaben zufolge haben hierzulande rund 3300 Eisdielen eine eigene Eis-Produktion. Weitere rund 6000 seien Filialen dieser eisherstellenden Betriebe oder bezögen ihr Eis von einem Betrieb, der selbst herstellt.

Nach Branchendaten des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) schleckten die Menschen hierzulande im vergangenen Jahr rund acht Liter Speiseeis pro Kopf – davon etwa einen Liter Eisdieleneis. Umsatzzahlen für Eisdieleneis gibt es nicht.

Auch Cimino gibt keine Umsatzzahlen preis – aber die Geschäfte laufen nach seinen Angaben gut. Schon oft waren seine Brüder und er medial präsent: mit Hundeeis etwa oder zu Beginn der Pandemie erdachten Klopapier-Eistorten. Cimino versucht, sich immer auf den jeweiligen Zeitgeist und die herrschenden Trends einzustellen. Pro Saison entwickelt er bis zu neun Eissorten neu und auch Trotta probiert ständig Neues aus.

Trotta und Cimino haben einige Zeit am perfekten Rezept getüftelt. Die beiden Sorten, mit denen sie in Bologna die Jury überzeugen wollen, kommen bei ihren Kunden sehr gut an. Mit Avocado wollte er schon immer mal was machen, sagt Cimino. Schließlich wird die Frucht überall gehypt als gesund, reich an ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen. „Beim Wort „Ziegenjoghurt“ sind manche zunächst skeptisch“, erzählt Trotta. „Aber wenn sie das Eis dann probieren, finden sie es toll.“

Den Ausbildungsberuf „Fachkraft für Speiseeis“ gibt es nach Informationen des Baden-Württembergischen Handwerkstags seit 2019 nicht mehr, aber das spielt weder für Cimino noch Trotta eine Rolle. Cimino, gelernter Industriemechaniker, hat das Eismachen trotzdem von der Pike auf gelernt, von seinem Vater und der wiederum von seinem Großvater. Um ein gutes Eis zu machen, brauche man „Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung“, sagt er. „Und gute Zutaten.“

Konkurrentin Trotta stellt erst seit sechs Jahren Eis alleine her – vorher hatte sie sich das ganze Know-how bei ihrem Mann 20 Jahre lang abgeschaut.

Eine achtköpfige Jury wird ihre kühlen Kreationen bald in Bologna begutachten: Bewertet werden neben dem Geschmack auch Farbe, Konsistenz und Geschmeidigkeit. Schade nur, dass Ciminos eigentlich typisches Sommereis nun im Winter verkostet wird. „Das ist für mich ein Nachteil“, glaubt er. Trotta findet, dass man „Edelweiß Ziegenjoghurt“ das ganze Jahr über essen kann und hofft, dass die Jury das genauso sieht.

Eigentlich sollte die Weltmeisterschaft deutlich früher stattfinden, wurde wegen Corona aber verschoben und schließlich auch noch von Florenz nach Bologna verlegt. Apropos Corona – es ist theoretisch denkbar, dass deswegen mal wieder alles ins Wasser fällt. „Hoffentlich nicht“, sagt Cimino. (Anika von Greve-Dierfeld, dpa)

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