Wenn die Welt kopfsteht, muss der Mensch sich bewegen, um sie erkennen und verändern zu können. Macht sogar Spaß!
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Wenn die Welt kopfsteht, muss der Mensch sich bewegen, um sie erkennen und verändern zu können. Macht sogar Spaß!

FR-Serie

Die Welt nach Corona: Vieles neu und alles besser?

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Die Welt nach Corona ist ein Auftrag an die Politik. Und an uns alle.

Es war Montag, der 30. März, als hier, auf den Magazinseiten der FR, zum ersten Mal das Motto „Die Welt nach Corona“ zu lesen war. Es war gerade eine Woche her, dass der Kampf gegen das Virus mit den härtesten Freiheitsbeschränkungen in der Geschichte der Bundesrepublik, dem „Lockdown“, seinen Höhepunkt erreicht hatte. Und doch erschien es uns richtig, über das akute Geschehen hinauszublicken.

Natürlich lag es auf der Hand, die Fragen zu stellen, die die Serie von Anfang an begleiteten: „Mitten in der Krise über die Welt danach zu reden – ist das eine Zumutung? Haben wir nicht alle genug damit zu tun, die Beschränkungen des alltäglichen Lebens, die Angst vor der Erkrankung und den materiellen Folgen zu bewältigen?“ Die Antwort der FR-Redaktion: „Wir sind überzeugt, dass wir jetzt überlegen müssen, was auf Dauer anders werden muss, damit es für alle besser wird.“

Corona hat nicht nur die Kraft zu zerstören

Auch der Auftakttext auf der ersten Doppelseite, der sich mit dem Gesundheitswesen beschäftigte, betonte noch einmal: „Wie jede Krise, so hat auch diese nicht nur die Kraft zur Zerstörung. In den Trümmern mancher Gewissheit lassen sich womöglich Hinweise darauf finden, an welchen Stellen die Statik gewohnter Gedankengebäude oder gar der ganzen Gesellschaft so stabil nicht war, wie wir meinten. Nur wenn wir diese Hinweise frühzeitig erkennen, wird ein Wiederaufbau zu bewerkstelligen sein, der alte Fehler vermeidet. Das wäre ganz sicher auch im Sinne derjenigen, die Corona nicht überlebt haben. Was hätten sie sich mehr wünschen können als ein System, das sie besser beschützt hätte als das bestehende?“

Für das Gesundheitswesen folgerten wir aus diesen Überlegungen, Vorsorge und Versorgung konsequent als Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge zu begreifen – und konsequenterweise dem Markt und dem privaten Profitstreben zu entziehen. „Die Lehre aus Covid-19 wäre also eine doppelte: Erstens müssen die Kliniken zurück in die öffentliche Hand oder in den Besitz gemeinnütziger, nicht gewinnorientierter Unternehmen. Zweitens darf nicht mehr der Profit Kriterium des Handelns sein, sondern nur der Bedarf der Gesellschaft am Gemeingut Gesundheit. Dazu gehört übrigens eine Bezahlung von Pflegekräften, die ihrem Engagement angemessen wäre.“ Der Arzt und Autor Bernd Hontschik hat das in einer späteren Folge ausführlich erläutert.

Jede und jeder Einzelne ist gefragt

Aber da war noch ein anderer Aspekt, der heute erst recht erhöhte Aufmerksamkeit verdient: „Hier ist nicht nur die Politik gefragt, sondern jede und jeder Einzelne: Will ich auch in Zukunft einfach zulassen, dass ein Teil meines Krankenkassenbeitrags in die Taschen der Aktionäre eines Krankenhauskonzerns fließt? (...) Wäre es etwas für mich, bei der nächsten Sozialwahl die Unterlagen nicht wegzuwerfen – und mich vielleicht sogar in die Selbstverwaltung meiner Kasse wählen zu lassen? Oder bin ich in der ,AG Soziale Sicherungssysteme‘ bei Attac am besten aufgehoben?“

Die Politik hat inzwischen einiges getan, um die Folgen der Krise abzumildern. Und sie hat versprochen, was auch in der FR-Serie immer wieder gefordert wurde: alte, überholte, womöglich schädliche Strukturen nicht einfach wiederherzustellen. Aber das wird nur gutgehen, wenn die Gesellschaft aufpasst. Wenn wir alle wach bleiben und uns für unsere eigenen Vorstellungen von einer besseren „Welt nach Corona“ engagieren. Vielleicht hat die Serie dazu ein paar Anstöße geben können.

Lesen Sie alle Texte zu unserer Serie „Die Welt nach Corona“ auf der Themenseite der Frankfurter Rundschau.

Die Welt nach Corona

Das Buch zur Serie: Raum für Visionen hat die Frankfurter Rundschau namhaften Autorinnen und Autoren in ihrer Serie „Die Welt nach Corona“ geboten. Alle Folgen zusammen gelesen lassen ganz neue, vielfältige Zusammenhänge und Abhängigkeiten aufscheinen. Auf dieser Seite schließen wir die Serie ab und blicken mit Zitaten aus einigen der Texte noch einmal zurück. 

Die Serie als Buch können Sie Ende des Jahres erwerben. Wenn Sie unserem Lektor Berry Kilb eine E-Mail mit dem Betreff „Die Welt nach Corona“ zusenden, wird er Sie verständigen, sobald Erscheinungsdatum und Preis der Sonderedition feststehen. Mit der Anfrage für das FR-Buch gehen Sie keinerlei Kaufverpflichtung ein. Hier können Sie sich unverbindlich per E-Mail vormerken lassen: berry.kilb@societaets-verlag.de FR

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