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Sehet, die Königin: Das offizielle Porträt zum Jubiläum. Per Morten Abrahamsen/Königshaus Dänemark/dpa
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Sehet, die Königin: Das offizielle Porträt zum Jubiläum. Per Morten Abrahamsen/Königshaus Dänemark/dpa

Thronjubiläum

Die Unantastbare

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
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Dänemarks Königin Margrethe ist eigenwillig und mitunter unbequem. Und macht zum 50. Thronjubiläum klar, dass sie das auch bleibt

Als sich Dänemarks schüchterne Kronprinzessin vor einem halben Jahrhundert auf dem Kopenhagener Schlossplatz zur Königin ausrufen ließ, schwante dem Regierungschef nichts Gutes. Der Sozialdemokrat Jens Otto Krag rief der Menge auf dem Platz dreimal zu: „König Frederik IX. ist tot. Lang lebe Königin Margrethe II.!“ Ins Tagebuch trug er diskret ein: „Das kann anstrengend werden. Sie hat im Übrigen politisches Wissen, was nicht unbedingt von Vorteil ist.“

Welch ein Irrtum. Die dänische Königin hat in ihren vielen Dienstjahren – nur Queen Elizabeth II. regiert derzeit länger – nicht nur die Schüchternheit abgelegt und eine bisweilen entwaffend souveräne Selbstironie entwickelt. Auch jene, die Monarchie für eine unzeitgemäße Operetteninszenierung halten, bescheinigen der 81-Jährigen eine verblüffend souveräne Amtsführung. Hätte jetzt nicht Corona wie schon beim 80. Geburtstag mitten im Lockdown 2020 große Feste verhindert, könnte sich die vollkommen kristenfest populäre Margrethe massenhafter und warmherziger Glückwünsche vor ihrem Kopenhagener Schloss Amalienborg sicher sein. Im Sommer soll das nachgeholt werden.

Immerhin sind zwei Tage vor dem Jubiläum die Restriktionen in Dänemark schon mal gelockert worden. Bei Margrethes traditioneller Neujahrsansprache wusste noch niemand, wie schlimm die Omikron-Variante das bisher beneidenswert gut durch die Pandemie gekommene Königreich heimsuchen würde. Wie immer gehörten die zehn Minuten voller hübsch klingender Allgemeinplätze über das Leben an sich („Wenn man jung ist, strebt man nach Anerkennung“) und wie schön es in Dänemark ist, zum freiwilligen Pflichtprogramm dänischer Silvesterfeiern. Und werden jedes Jahr aufs Neue mit Spannung verfolgt.

Hat die Königin nun in einem Nebensatz ihre knapp sechs Millionen Landsleute zu mehr Toleranz gegenüber Zuwanderern aufgefordert? Oder doch die Zuwanderer zu mehr Anpassung? Obwohl die Redetexte vorher in Regierungskanzleien abgeliefert und im Bedarfsfall „auf Linie“ gebracht werden, quellen die Medien über mit haarfeinen Kommentaren, welche Botschaft Margrethe denn nun dem Volk übermitteln wollte. Kritik gibt es praktisch nicht. Als menschlich, positiv und herzerwärmend wird vermerkt, dass die Königin jetzt im fortgeschrittenen Alter schon mal Probleme hatte, die richtige Seite im Manuskript zu finden. Und: Was soll daran verkehrt sein, wenn sie den feierlichen Redefluss unterbricht, um ein Taschentuch aus der Schublade zu nehmen und sich in Ruhe zu schnäuzen?

Auch altersunabhängige Eigenschaften mit Potenzial für Häme wie etwa ihre Nikotinsucht, der sie bis heute frönt, werden Margrethe verblüffend konsequent nachgesehen. Sie raucht nicht mehr öffentlich, bekennt sich aber in Interviews ausgesprochen stoisch zur Freude am Rauchen. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag äußerte sie Zweifel, ob die Klimaveränderungen vom Menschen bewirkt seien – krass im Widerspruch zur Regierungslinie und eine für das Königshaus eigentlich nicht statthafte politische Äußerung. Doch der Aufschrei blieb aus. Und der über das Königshaus stets begeistert bis untertänig wie im 19. Jahrhundert berichtende TV-Sender DR kommentierte: „Die Königin wird bald 80 und vom Volk geliebt. Sie ist unantastbar, fast egal was sie sagt.“

Das ist wohl wahr, also Schwamm drüber. So wird viel lieber bewundernd zur Kenntnis genommen, dass die vielseitig als Amateur-Künstlerin aktive zweite Regentin Dänemarks in tausend Jahren Könighaus Geschichte gerade erst einen neuen Auftrag angenommen hat. Sie soll für einen Film von Regisseur Bille August Szenografie und Kostüme entwerfen. Was hat sie nicht schon alles an Kunst und Kultur produziert und immer unerschrocken der Öffentlichkeit präsentiert! Von der Übersetzung des Feminismus-Klassikers „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir über das Design von Altarteppichen sowie Bischofsgewändern, über Bühnenausstattungen für Andersen-Märchen bis zu Landschaftsaquarellen. Von der professionellen Kollegenschaft nicht immer gnädig, von den Medien dafür umso wohlwollender beäugt.

Die Königin hat diesen Status auch als Spiegel für das positive Bild der dänischen Gesellschaft von sich selbst erreicht. Was immer in ihrem langen Leben als Regentin als Problem auftauchte, änderte nichts an der unerschütterlichen Überzeugung, dass im Grunde doch alles zum Besten steht. Der 2018 mit 83 verstorbene Ehemann Prinz Henrik lief in seiner letzten Lebensphase nicht nur öffentlich Amok gegen seine Rolle als „Nummer zwei“, sondern erklärte nach einem halben Jahrhundert Ehe genauso öffentlich, er wolle unter keinen Umständen an der Seite der Königin im Dom von Roskilde bestattet werden. Da waren schon zwei Glassärge nebeneinander an dieser traditionellen Ruhestätte für das Königshaus aufgestellt. Margrethe hielt eisern zu ihrem Mann.

Wer in Dänemark schon länger die Royals verfolgt, wird nie folgende Begebenheit vergessen, die ein Schlaglicht auf das Verhältnis von Königin Margrethe und „ihrem Volk“ wirft: 1993 ging Prinz Henrik mit seinem Hofdackel Asterix sowie Zenobie, dem der Königin, Gassi im Wald bei Schloss Fredensborg. Unterwegs kam ihm Zenobie abhanden. Die Königin suchte wochenlang selbst im riesigen Wald und legte „Schnüffeldepots“ zum Anlocken für die schmerzlich Vermisste an. Ohne Erfolg, worauf sich Margrethe mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit wandte. Das Fernsehen zeigte kurz darauf, wie eine beeindruckend große Menschenschar Würstchen schwenkend und „Zenobie“ rufend durch den Wald streifte. Ebenfalls ohne Erfolg. Worauf die Königin sich beim Volk von Herzen bedankte und zu Weihnachten von Prinz Henrik einen neue Hofdackeldame namens Celine geschenkt bekam.

Apropos Dank: Dass Margrethe abdankt und Platz für ihren 53-jährigen Sohn Prinz Frederik macht, gilt als unwahrscheinlich.

Sehet, der Erstgeborene: Prinzessin Margrethe und Prinz Henrik mit ihrem Sohn Frederik, 1968. dpa

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