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Der Schnee liegt heute im Schnitt fast einen Monat weniger lang.
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Der Schnee liegt heute im Schnitt fast einen Monat weniger lang.

Studie

Die Schnee-Saison schmilzt dahin

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Einer Studie zufolge ist der Winter in den Alpen in den vergangenen 50 Jahren rund einen Monat kürzer geworden

Die Schnee-Saison in den Alpen hat sich in den letzten 50 Jahren deutlich verkürzt. Der Schnee liegt heute im Schnitt fast einen Monat weniger lang. Genau: Je nach Region um 22 bis 34 Tage. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsinstituts „Eurac Research“ in Bozen in Südtirol. Allerdings: Es kann durchaus auch noch einzelne schneereiche Winter geben.

Die Untersuchung ist die bisher umfassendste zu dem Thema. Bisherige Studien hätten sich auf einzelne Regionen oder Staaten bezogen und bestenfalls Daten von ein paar Hundert Messstationen genutzt, schreiben die Forschenden. Für die neue Studie sind demnach erstmals die Werte aller verfügbaren Stationen in Italien, Österreich, Slowenien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich in Lagen unterhalb von 2000 Metern – insgesamt mehr als 2000 Stationen – gesammelt und nach einer einheitlichen Methode ausgewertet worden. Untersucht wurde der Zeitraum zwischen 1971 und 2019. In höheren Lagen gibt es, so die Expertinnen und Experten, zu wenige Messtationen, um gesicherte Aussagen für die Alpen zu treffen.

Die Daten zeigen laut Eurac Research allerdings, dass der Schnee nicht überall in gleichem Ausmaß zurückgegangen ist. Im ohnehin schneeärmeren Süden der Alpen haben die Schneehöhen in den meisten Wintermonaten deutlich stärker abgenommen als im Norden. Die längerfristigen Veränderungen verliefen aber im gesamten Alpenraum ähnlich. Die 1970er und 1980er Jahre waren laut der Studie allgemein schneereich, Ende der 1980er und Anfang der 1990er folgte eine schneearme Phase. Seither nahmen die Schneehöhen teils wieder zu, erreichten aber nicht mehr das Niveau der 1970er. Die mittlere Schneehöhe von November bis Mai ging pro Jahrzehnt im Schnitt um 8,4 Prozent zurück, die Dauer der Schneebedeckung um 5,6 Prozent.

Generell gilt: Der Boden ist im Winter später schneebedeckt und gegen Frühling früher schneefrei. Dies sei eine Folge des Klimawandels, kommentierte Michael Matiu, Forscher am Institut für Erdbeobachtung von Eurac Research. „Wir haben die Zusammenhänge in dieser Studie nicht explizit untersucht, doch ist klar, dass der Schnee aufgrund höherer Temperaturen früher und schneller schmilzt und Niederschlag als Regen statt als Schnee fällt.“

Praktisch überall gebe es weniger Schnee im Frühling, sagte Co-Autorin Alice Crespi. „Während im Winter je nach Lage und Höhe eine große Bandbreite an Veränderungen festzustellen ist, auch mit vereinzelten Zunahmen vor allem in höheren Lagen, verzeichneten im Frühling fast alle Messstationen Rückgänge.“ Erschienen ist die Studie in der Fachzeitschrift „The Cryosphere“.

Die Entwicklung in den Alpen spiegelt die Entwicklung auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde. Seit 1950 nehmen dort Schneefälle, das Ausmaß der Schneedecke und die Dauer der Schneesaison ab, wie der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Sonderbericht zu den Meeren und Eismassen feststellte. Pro Jahrzehnt wird die Schneesaison fünf Tage kürzer, und die Schneedecke in den Monaten März-April, um ein bis zwei Prozent kleiner.

Folgen für den Alpinsport

Freilich gibt Ausreißer. So war beispielsweise der Winter 2017/18 nach drei schneearmen Jahren besonders schneereich. In den Alpen war er oberhalb von 1500 Metern sogar der schneereichste Winter seit drei Jahrzehnten, wie das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung feststellte. Unterhalb von 1000 Metern allerdings fiel damals nur halb so viel von der weißen Pracht wie gewöhnlich. Der aktuelle Winter zählt zu den eher schneereichen. In den höheren Alpenlagen liegt ein Meter Schnee und mehr, und auch in vielen Alpentälern gibt es geschlossene Schneedecken. Wie lange das Weiß noch liegen bleiben wird, kann man nur spekulieren. Auf den Winter 2017/18 etwa folgte ein extrem warmer April, in dem der Schnee dann schneller als gewöhnlich abschmolz.

Die Folgen der schrumpfenden Schneesaison für den Wintersport sind einschneidend. Eine vom Deutschen Alpenverein in Auftrag gegebene Studie ergab 2013, dass bei einem Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur nur um ein weiteres Grad im Vergleich zur mittleren Temperatur von 1970 bis 2000 nur noch ein Viertel der alpinen Skigebiete in Bayern ohne künstliche Beschneiung schneesicher sein werden, nämlich elf. Mit Kunstschnee wären es immerhin noch drei Viertel. Bei einer Erwärmung um zwei Grad – bis 2100 nicht unrealistisch – gäbe es nur noch vier Skigebiete in den bayerischen Alpen, die ohne Kunstschnee schneesicher sind: Zugspitze, Nebelhorn, Fellhorn und Grasgehren im Allgäu.

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