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Die Rückkehr des Furoshiki

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Über dieses Geschenk freut sich auch die Umwelt.
Über dieses Geschenk freut sich auch die Umwelt. © Christian Satorius

Geschenke machen Freude. Weniger erfreulich ist, dass dabei jährlich Unmengen an Verpackungsmüll anfallen. Eine Tradition aus Japan zeigt, dass es auch anders geht.

Geschenke sind eine feine Sache. Wenn sie dann noch schön verpackt sind, steigert das die Vorfreude enorm und das Auspacken kann richtig Spaß machen. Nur wohin danach mit der Geschenkverpackung? Ab in den Müll natürlich. Natürlich? Es geht auch besser.

Aus Japan kommt ein kleines buntes quadratisches Tuch zu uns, das dort seit mehr als 1000 Jahren für Verpackungen aller Art verwendet wird – und das immer wieder von Neuem. Verpackungsmüll? Fehlanzeige! Furoshiki nennt es sich und es verpackt einfach alles, indem es lediglich gefaltet, gewickelt und geknotet wird. Geschenke, Lebensmittel, Kleidung, ja früher wurden sogar Babys in diese traditionellen Tücher gehüllt. Klar, dass man in Japan längst eine regelrechte Kunst aus dieser Art des Verpackens gemacht hat. Dabei ist es gar nicht mal so schwer, Geschenke mit einem Furoshiki schnell, sicher und schön zu verpacken – ein paar Handgriffe genügen.

Bereits im 8. Jahrhundert, in der sogenannten Nara-Zeit, verpackten wandernde Kaufleute ihre Handelsware in solchen Tüchern, die sie auf dem Kopf, über der Schulter, auf dem Rücken oder an einer Stange trugen. Später verwendete man die Tücher, um während eines Besuchs der öffentlichen Badehäuser die eigenen Kleider darin aufzubewahren. Dieser Verwendungszweck brachte dem „Furoshiki“ seinen Namen ein, der sich aus den Schriftzeichen für „Bad“ (furo) und „ausbreiten“ (shiku) zusammensetzt, und schlicht „Badetuch“ bedeutet. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte dann aber die billige Plastiktüte den Siegeszug des praktischen quadratischen Tuchs jäh zum Erliegen.

Erst der Nachhaltigkeitsgedanke unserer Tage führte ab den 1990er Jahren zu einer Neubelebung der Tradition. Der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser machte mit seinem „Binkel-Bündel Furoshiki“ das Tuch etwas bekannter. 2006 brachte die japanische Umweltministerin Yuriko Koike es ins Gespräch und plädierte mit einem selbst gestalteten Furoshiki für mehr Umweltbewusstsein.

Mit anderen Worten: Das Furoshiki ist heute wieder „in“. Gerade das Weihnachtsfest ist eine Gelegenheit, es auszuprobieren. Furoshikis gibt es in verschiedenen Qualitäten und Mustern sowie in Größen von etwa 50 mal 50 Zentimetern bis hin zu 100 mal 100 Zentimetern. Für große Gegenstände sind auch Tücher mit einer Kantenlänge von zwei Metern und mehr erhältlich. Es eignet sich aber auch jedes andere schöne quadratische Tuch, zur Not sogar ein Taschentuch. Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden sich im Buchhandel und auch im Internet zuhauf.

Beim Einpacken kann man eigentlich auch nichts falsch machen. Sollte das Ergebnis einmal nicht so gelungen sein, dann wird der Knoten einfach wieder gelöst und man fängt von vorne an. Die eigentliche Herausforderung besteht vielmehr darin, für jedes Geschenk die richtige Furoshikigröße auszuwählen und die Technik des Einpackens darauf abzustimmen. Allgemein gilt: Knoten und Doppelknoten sind praktisch und schön, man sollte sie aber auch wieder lösen können, denn auspacken wollen wir die Geschenke ja schließlich auch wieder. Daher auch nicht mit aller Gewalt festziehen, sondern besser mit einer gewissen fernöstlichen meditativen Gelassenheit.

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