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„Die Verbrennung fossiler Brennstoffe bringt uns um“, warnt die WHO.
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„Die Verbrennung fossiler Brennstoffe bringt uns um“, warnt die WHO.

Gesundheit

„Größte Gefahr für Gesundheit“: WHO mit dringender Warnung vor Klimakrise

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert vor dem UN-Klimagipfel in Glasgow den Abschied von den fossilen Energien und warnt mit deutlichen Worten vor der Klimakrise.

Glasgow - Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einer medizinischen Katastrophe durch den Klimawandel und die weiter ungebremste Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas. In einem neuen Report, vorgelegt im Vorfeld des UN-Klimagipfels in Glasgow Anfang November, finden sich dramatische Worte: „Die Verbrennung fossiler Brennstoffe bringt uns um. Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit.“ Auf dem Gipfel müssten die Regierungen ehrgeizige nationale CO2-Reduktionsziele festlegen, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dies helfe auch, um eine nachhaltige Erholung von der Corona-Pandemie sicherzustellen.

WHO zur Klimakrise: Extreme Wetterereignisse bedrohen die Gesundheit

Die WHO betonte, noch nie dagewesene extreme Wetterereignisse und andere Klimaauswirkungen beeinträchtigten das Leben und die Gesundheit der Menschen zunehmend und bedrohten gleichzeitig die Gesundheitssysteme und -einrichtungen, wenn sie am meisten benötigt würden. Sie gefährdeten zudem die Ernährungssicherheit und gäben zahlreichen Krankheiten Auftrieb, darunter Infektionskrankheiten wie Malaria. Zudem wirke sich der Klimawandel auch auf die psychische Gesundheit aus.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus kommentierte, Corona habe die engen Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und unserer Umwelt deutlich gemacht. „Die gleichen nicht nachhaltigen Entscheidungen, die unseren Planeten zerstören, zerstören auch Menschen.“ Seine Organisation rufe daher alle Länder auf, sich in Glasgow zu entschlossenem Handeln zu verpflichten, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Falls die Staaten noch die Ziele des Pariser Klimavertrages erreichten, könnten Millionen Menschenleben gerettet werden, so die WHO.

WHO-Bericht zur Klimakrise: 13 Tote pro Minute durch Luftverschmutzung

Um das 1,5-Grad-Limit in Reichweite zu halten, müsste der CO2-Ausstoß global bis 2030 etwa halbiert werden. Bisher reichen die Zusagen der Regierungen, wenn sie eingehalten werden, dafür lange nicht aus. Es wird sogar ein Anstieg der Emissionen bis zum Ende des Jahrzehnts erwartet.

Laut dem WHO-Bericht über Klimawandel und Gesundheit ist die Luftverschmutzung, die vor allem durch das Verbrennen fossiler Energien verursacht wird, pro Jahr für den vorzeitigen Tod von fast sieben Millionen Menschen verantwortlich – 13 Opfer pro Minute.

UN für Kinderrechte

Ein UN-Ausschuss hat erstmals die Verantwortlichkeit von Staaten für schädliche Auswirkungen des Klimawandels auf Kinderrechte anerkannt. Ein Staat könne für Konsequenzen der Erderwärmung inner- und außerhalb seines Territoriums zur Rechenschaft gezogen werden, entschied das Kinderrechtskomitee laut einer UN-Mitteilung vom Montag in Genf.

WHO-Bericht zur Klimakrise: Verzicht auf fossile Energieträger hat doppelten Nutzen

Ein Umstieg auf CO2-freie Energien würde laut WHO doppelt positive Folgen haben. „Eine Senkung der Luftverschmutzung auf das Niveau der WHO-Leitlinien würde beispielsweise die Gesamtzahl der weltweiten Todesfälle durch Luftverschmutzung um 80 Prozent reduzieren“, erläuterte die WHO-Direktorin für Umwelt, Klimawandel und Gesundheit, Maria Neira. Gleichzeitig würden damit auch die Treibhausgasemissionen drastisch reduziert.

Die Organisation hat ihre Empfehlungen für Grenzwerte etwa für Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) erst im vergangenen Monat verschärft. Die neuen WHO-Werte werden in vielen Ballungsgebieten und Städten weltweit überschritten – laut dem Umweltbundesamt auch in weiten Teilen Deutschlands.

WHO stellt Zehn-Punkte-Plan für Klimaschutz vor, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt

Der Report kommt zu dem Schluss, dass der Klimaschutz und der Schutz der Gesundheit der Menschen Veränderungen in jedem Sektor nötig mache, darunter Energie, Verkehr, Naturschutz, Nahrungsmittelproduktion und Finanzen. Dabei werde der Nutzen für die öffentliche Gesundheit die Kosten bei weitem überwiegen. „Nie war es klarer, dass die Klimakrise eine der dringendsten Gesundheitskrisen ist, mit denen wir alle konfrontiert sind“, sagte Neira.

In einem Zehn-Punkte-Plan rief die WHO den Glasgow-Gipfel zu einem Klimaschutz auf, der Gesundheit und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. Dies betreffe unter anderem die Stadt- und Verkehrsplanung, den Schutz von Naturräumen sowie gesunde und nachhaltige Ernährungssysteme.

Klimakrise: Fachkräfte aus Gesundheitswese warnen vor schlimmeren Folgen als bei Corona

Parallel zum WHO-Bericht wurde ein offener Brief von 300 Organisationen veröffentlicht, die etwa 45 Millionen Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen vertreten – etwa drei Viertel des weltweiten Gesundheitspersonals. Er richtet sich ebenfalls an die Delegationen auf dem Klimagipfel. Darin heißt es: „Wo immer wir Pflege leisten, reagieren wir in unseren Kliniken auf der ganzen Welt bereits auf die gesundheitlichen Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden.“ Die Klimakrise beschleunige sich schnell und werde „weitaus katastrophaler und länger andauern als die Covid-19-Pandemie“.

Die Organisationen fordern die reichen Länder auf, bei der Umstellung auf Ökoenergien voranzugehen und ärmeren Ländern dabei zu helfen, ihnen zu folgen. Dazu müssten alle Genehmigungen, Subventionen und Finanzierungen für fossile Brennstoffe gestrichen werden und die Gelder in den Ausbau sauberer Energie umgeschichtet werden. Außerdem sollten die Länder „klimaresistente, kohlenstoffarme und nachhaltige Gesundheitssysteme“ aufbauen. Weiterer Punkt: „Wir fordern die Regierungen auf, auch dafür zu sorgen, dass Investitionen zur Pandemievorsorge Klimamaßnahmen unterstützen und soziale und gesundheitliche Ungleichheiten abbauen.“ (Joachim Wille)

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