Magnetic Island im März 2020: Über- und Unterwasseraufnahme einer etwa zwei Meter großen gebleichten Porites-Koralle am Great Barrier Reef.
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Magnetic Island im März 2020: Über- und Unterwasseraufnahme einer etwa zwei Meter großen gebleichten Porites-Koralle am Great Barrier Reef.

Great Barrier Reef

Die Hälfte der Korallen ist weg

Das größte Riffsystem der Welt stirbt: Am Great Barrier Reef in Australien sind innerhalb zweier Jahrzehnte mehr als die Hälfte der Korallen verschwunden.

Das Great Barrier Reef hat einer Studie zufolge innerhalb von gut zwei Jahrzehnten mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren. Betroffen seien Korallen fast aller Gruppen und sämtlicher Größenordnungen, berichten Forscher nach einer systematischen Bestandsaufnahme im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“. „Wir dachten immer, das Great Barrier Reef sei durch seine schiere Größe geschützt“, sagt Ko-Autor Terry Hughes von der James Cook University in Townsville. „Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass selbst das weltgrößte und relativ gut geschützte Riffsystem zunehmend geschwächt wird und schwindet.“

Hohe Wassertemperaturen

Die Forscher untersuchten Mitte der 1990er Jahre und 2016/2017 fünf festgelegte Abschnitte vor der australischen Ostküste des 2300 Kilometer langen Riffs. Darin vermaßen sie in verschiedenen Arealen die einzelnen Korallenkolonien auf den Riffkämmen und an den Hängen bis in sieben Meter Tiefe.

Demnach sank die Gesamtzahl kleiner Kolonien auf den Kämmen insgesamt um 76 Prozent und an den Hängen um durchschnittlich 57 Prozent. Die großen Kolonien gingen auf dem Kamm um 63 Prozent und an den Hängen um 32 Prozent zurück. Am ausgeprägtesten war die Entwicklung im Norden bis etwa auf die Höhe der Stadt Townsville. So fiel in den beiden nördlichsten Abschnitten die Zahl der Kolonien auf den Korallenkämmen um 88 und 98 Prozent. Lediglich im südlichsten der fünf Sektoren – etwa auf Höhe der Stadt Gladstone – nahm die Zahl der Korallenkolonien leicht zu.

Die Entwicklung begründen die Forscher vor allem mit den hohen Wassertemperaturen und den resultierenden Korallenbleichen in den Jahren 2016 und 2017, die vor allem Korallen in seichtem Wasser zusetzen. Weitere Ursachen seien schwere Stürme sowie Invasionen von Dornenkronen-Seesternen, die sich von Korallen ernähren.

Erstautor Andreas Dietzel von der James Cook University betont, auch die Fähigkeit des Riffs, sich wieder zu erholen, habe nachgelassen. Grund sei, dass es weniger Baby-Korallen gebe. Die Forscher schreiben, dass Klimaprognosen zufolge in den kommenden Jahrzehnten praktisch alle Korallenriffe weltweit Korallenbleichen ausgesetzt sein werden, sofern der Ausstoß von Treibhausgasen nicht zurückgehe. „Der Verlust dieser Korallen bedeutet den Verlust eines Lebensraums, was wiederum den Fischreichtum und die Produktivität der Korallenriff-Fischerei verringert“, heißt es in der Studie. (dpa)

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