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Hier in Sankt Petersburg lebt Luisa Rosowa.
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Hier in Sankt Petersburg lebt Luisa Rosowa.

Russland

Gerüchte um mögliche Putin-Tochter: Die Frau, die ihr Gesicht verbirgt

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Luisa Rosowa wirkt wie eine typische Vertreterin der goldenen Jugend Sankt Peterburgs. Aber auf die Frage, ob ihr Vater Wladimir Putin heißt, schweigt sie.

Sankt Petersburg - Wovon Sie träumt? „Ich weiß nicht“, antwortet Luisa Rosowa. Überhaupt sei sie gerade verliebt, habe das Gefühl, sie brauche nicht mehr im Leben. „Es gibt nur Liebe und keine Träume.“ Stellenweise gibt sich Rosowa sehr offen in ihrem jüngsten Interview mit dem russischen Jugend-Portal „SRSLY“, das sich Blogger:innen, Musiker:innen und Influencer:innen widmet. Aber wie immer im Umgang mit Journalistinnen und Journalisten verbirgt Rosowa ihr Gesicht. Und meidet die Antwort auf die Frage, ob Wladimir Putin ihr Vater ist.

Viel weiß die Öffentlichkeit nicht über Luisa Rosowa aus Sankt Petersburg. Im November veröffentlichte das Portal „Projekt“, keineswegs ein Revolverblatt, sondern für solide recherchierte Hintergründe bekannt, einen Artikel über ihre Mutter Swetlana Kriwonogich. Angeblich war sie einst eine enge bis intime Freundin des russischen Präsidenten. Dank dieser Bekanntschaft sei Frau Kriwonogich Besitzerin von Immobilien und Bankaktiva geworden mit einem Wert von umgerechnet 20 Millionen Euro. Ihre Tochter, die zuerst den gutbürgerlichen Vornamen Jelisaweta trug, aber höre auf den Vatersnamen Wladimirowitsch. Seitdem wird Luisa als mögliche dritte, wenn auch uneheliche, Tochter Putins gehandelt, als Zarentochter mit Fragezeichen. Die „Portal“-Redaktion aber musste im Juli schließen, sie war von den russischen Behörden als „unerwünschte Organisation“ eingestuft worden.

Verbindung zu Wladimir Putin: Luisa Rosowa gibt sich geheimnisvoll

Rosowa geht sehr dosiert mit ihrem mehrdeutigen Ruhm um. Auf ihrem Instagram-Account mit 85.000 Abonnent:innen zeigt sie kein Gesicht. Alle paar Monate gibt sie ein Interview, einmal trat sie im Audio-Chat „Clubhouse“ auf, einmal als DJ im Moskauer Jugendklub „Rowesnik“. Dieser gilt als regimekritisch und unterstützte Alexei Nawalnys Antikorruptionsstiftung FBK finanziell, bis diese im Juni verboten wurde. Ob sie dem Präsidenten optisch ähnlich sähe, fragt man sie. „Nach seinen Jugendfotos zu urteilen, vermutlich ja.“ Aber es gebe sehr viele Leute, die Herrn Putin ähnelten.

Rosowa posiert nicht mit Botox-Lippen, italienischen Luxussportwagen oder zahmen Pumas auf der Instagram-Seite richrussianskids, auf der sich vor allem der Nachwuchs Moskauer Milliardäre inszeniert. „Die Kinder erfolgreicher Eltern in Petersburg mögen Publizität nicht besonders“, erklärt der Gesellschaftjournalist Leonti Kasatkin dem Kanal „TV-Rain“. „Diese Zoomer wollen etwas darstellen. Sich nur amüsieren, reicht ihnen nicht.“ Bei ihnen sei es nicht angesagt, nur It-Girl zu sein.

Mal schlicht, mal smart: Putins angebliche uneheliche Tochter macht in Mode

Rosowa studiert in Sankt Petersburg Kulturmanagement für Kino, Theater, Malerei, Design und Mode, sie gibt eine eigene Kleidermarke namens „123th ave“ heraus, sagt aber, das sei nur ein Hobby – wie DJ-Musik oder Fotografie. Sie habe Angst, sich zu sehr in etwas zu vertiefen, weil es ihr dann nicht mehr gefallen könnte. Klingt schöpferisch, aber auch ein bisschen müßig, nach Prinzessinnen-Alltag. Kürzlich war sie in Paris, um in der Modestadt Energie zu tanken. Aber in Paris oder auch Amsterdam sei sie nur mit ihren russischen Freund:innen unterwegs, diese seien offenherziger als Europäer:innen. Andererseits finde sie die Plakate mit sich küssenden Männern in Paris cool, habe selbst homosexuelle Freunde, mit denen mache es Heidenspaß, shoppen zu gehen.

Rosowa ist mal schlicht, mal smart, ignoriert Tiktok, schwärmt von Elisabeth Gilberts Roman „City of Girls“, von Schriftstellern wie Remarque und Orwell. In „Clubhouse“ wird sie gefragt, was sie von Putins Kommentar zum Giftanschlag auf Nawalny halte. Putin hatte erklärt, wenn man Nawalny hätte töten wollen, wäre er auch tot. Rosowa holt mit ihrer Antwort weit aus: Es gäbe eine „goldene Milliarde“, einen Verein der Superreichen, der all diese Scherereien mit Corona angezettelt habe. „Sie bringen Menschen um, daran glaube ich. Wenn das gewöhnliche Leute tun können, warum nicht auch der Staat für vernünftige Zwecke?“ Nicht, dass sie dafür sei, aber so etwas gäbe es und man lebe damit. Auch „SRSLY“ fragt, was sie dem Präsidenten bei einem Treffen sagen würde? Luisa erklärt, sie wolle ihm eine Frage stellen: „Warum?“ Die Leserschaft bleibt mit vielen Antworten zurück, die sie sich selbst ausdenken muss. (Stefan Scholl)

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