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„Diese majestätischen Wesen aus Gummi werden von vielen missachtet.“ imago images
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„Diese majestätischen Wesen aus Gummi werden von vielen missachtet.“ imago images

Creepy Crawly

Die etwas andere Unterwasserromanze

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Noch bevor in Hollywood der Dokumentarfilm „My Octopus Teacher“ mit einem Oscar prämiert wird, lenkt ein südafrikanischer Kabarettist den Blick auf eine nicht weniger erstaunliche Kreatur im Pool

Wir Deutschen bedürfen hinsichtlich der Intelligenz und den seherischen Fähigkeiten von Tintenfischen keiner Belehrung. Spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika wissen wir, was Kraken können: Schließlich hat Paul in seinem Aquarium in Oberhausen den Ausgang sämtlicher sieben Begegnungen des Löw-Teams schmerzlich korrekt vorausgesagt. Wer sich als Deutscher den jüngst mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm „My Octopus Teacher“ („Mein Oktopus-Lehrer“) anschaut, sieht sich eher bestätigt als überwältigt: Keine Frage, dass wir von dem achtarmigen Tintenfisch „noch jede Menge lernen können“, wie es Craig Foster formuliert.

Der südafrikanische Filmemacher verbrachte ein ganzes Jahr im kühlen Atlantikwasser der Kapstädter „False Bay“: Ursprünglich um den dortigen Seetangwald zu filmen, der wie alles in der Welt von der Menschen Umtriebe gefährdet ist. Bei seinen Recherchen stieß Foster auch auf eine Krakendame, in die er sich alsbald verliebte. „Ich erinnere mich an den Tag, als alles anfing“, haucht der Taucher ins Mikrofon: Während der gesamten 85 Spielminuten oszilliert seine tonlose Stimme zwischen Untergangsstimmung und tiefster Ergriffenheit.

Parodie im Swimmingpool

Um dem Protagonisten Foster sowie dem prämierten Regie-Duo Pippa Ehrlich und James Reed kein Unrecht zu tun: Sie haben mithilfe des Kameramanns Roger Horrocks ein Meisterstück des Naturfilm-Genres geschaffen. Die Unterwasserbilder sind phänomenal, die Geschichte ist höchst anrührend: Foster begleitet die achtarmige Dame durch ihr Unterwasserleben, wo es von Feinden nur so wimmelt. Mit ihren sagenhaften Verwandlungskünsten gelingt es der glubschäugigen Meeresprinzessin, im Reich der Haifische zu überleben; selbst ein abgebissenes Ärmchen wächst wieder nach. Zum herzzerreißenden Ende kommt es erst, als die Meeresprinzessin Zehntausende von Eiern legt: Kraken-Damen sterben, nachdem sie ihre Fortpflanzungspflicht erfüllt haben.

An dieser Stelle verfinstert sich Fosters Stimme vollends: Sein Schmerz über den Tod der Angebeteten erreicht die Tiefen griechischer Tragödien. Foster hat allerdings nicht nur sein Herz unter Wasser verloren, offenbar wurde auch sein Gehirn vom Tintenfisch verzaubert: „Ich fing an, wie ein Oktopus zu denken.“

Nun, als Landratten wissen wir zwar nicht, wie eine Krake denkt. Doch spätestens an dieser Stelle ahnen wir, dass der Filmemacher beim Schreiben des Manuskripts einen kühlen Kopf nötig gehabt hätte … doch die Oscar-Jury war anderer Meinung. Womöglich sah sie in der Tintenfisch-Tragödie eine Symbiose aus Hollywood-Drama und Naturfilm.

Südafrikaner:innen sind für ihr überschwängliches Gefühlsleben bekannt, beim „Lehrer Oktopus“ jedoch regte sich in manchen Menschen am Kap eine gewisse Irritation. Den jungen Kabarettisten Glen Biderman-Pam inspirierte die Unterwasser-Tragödie gar zu einer Parodie: Statt einer Krake sucht er sich in einem Video als Lehrmeister einen Creepy Crawly aus. Die Staubsauger sind in jedem südafrikanischen Pool unterwegs, wo sie mit ihrem schlabbernden Gummimaul und dem zuckenden Schlauch sämtlichen Schmutz vom Boden der Schwimmbecken saugen. „Diese unglaublich majestätischen Kreaturen aus Gummi werden von vielen missachtet“, haucht der Kabarettist mit derselben tonlosen Stimme wie der Oscar-Gewinner, bevor er mit Taucherbrille und Schnorchel in den Pool steigt, um sich seiner Romanze mit dem Creepy Crawly, dem gruseligen Kriecher, hinzugeben.

Zumindest im Internet stellte die Parodie das preisgekrönte Original in den Schatten: „My Kreepy Teacher“ löste bereits am ersten Tag einen viralen Sturm aus.

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