Das Brettspiel „Dreamscape“ im Test.
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Das Brettspiel „Dreamscape“ im Test.

Spielzeit

Die Architektur der Träume

Im Brettspiel „Dreamscape“ lassen sich dreidimensionale Fantasiewelten bauen – eine Rezension von Hunter & Cron.

Träume haben sich, so scheint es, zu einem beliebten Thema für ungewöhnliche Brettspiele entwickelt. Bei Spielen wie „Dreams“ aus dem Jahr 2017, „When I Dream“ aus 2018 oder im weitesten Sinn auch „Dixit“, dem Spiel des Jahres 2010, ging es jedoch meist um den Aspekt der Assoziation, der Fantasie oder dem richtigen Erraten von Hinweisen innerhalb einer Traumwelt. Nicht so bei „Dreamscape“, dem neuen Spiel von Autor David Ausloos, das jetzt im HUCH!-Verlag auf Deutsch erschienen ist.

Hier behalten die Spielenden die Kontrolle über ihre Träume, werden zu Architektinnen und Architekten der eigenen Traumwelt und schützen sich vor dem schädlichen Einfluss des „Herrn der Alpträume“. Dies alles stellt „Dreamscape“ in Form eines kniffligen Strategiespiels dar, bei dem dreidimensionale Traumwelten mit Hilfe von Traumsplittern zusammengebaut, verändert und sogar bereist werden können.

Wer am Zug ist, bewegt eine Spielfigur auf einem großen Spielplan zwischen sechs Feldern hin und her, um dort verschiedenfarbige, runde Holzscheiben, die sogenannten Traumsplitter, einzusammeln oder die Spezialfähigkeit eines jeweiligen Orts zu nutzen. Zum Beispiel, um neue Traumsplitter erscheinen zu lassen oder neue Auftragskarten zu besorgen.

Diese Auftragskarten zu erfüllen, ist die Hauptaufgabe im Spiel und belohnt die Mitspielerinnen und Mitspieler je nach Schwierigkeit mit Siegpunkten. Die Aufträge bestehen dabei aus dem Bauplan einer Traumlandschaft, die jede Spielerin und jeder Spieler mit Traumsplittern auf einem eigenen Bautableau exakt nachbilden muss.

Dabei entstehen kleine Landschaften bis hin zu fantastischen Traumwelten mit teils bizarren Elementen wie verwunschenen Seen, einsamen Bäumen auf hohen Berggipfeln oder wilden Steilküsten am Meer. Um die Aufträge zu erfüllen, müssen diese Landschaften aber auch noch mit einem Träumer bereist werden. Der Träumer ist eine weitere Spielfigur, die mittels Bewegungspunkten durch die gebauten Gebilde bewegt werden kann.

Bewertungen

Hunter: 7,8 von 10

+ sehr originelles Puzzlespiel

+ herausfordernd selbst für Kenner

+ viele Möglichkeiten ergeben sich mit jedem Spielzug

+ die eigenständige Alptraumvariante ist ebenso anspruchsvoll wie das eigentliche Hauptspiel

+ die inhaltliche Nähe zum Film „Inception“ ist toll

+ endlich ein dreidimensionales Puzzlespiel, das sich auf dem Niveau eines Kennerspiels bewegt

Cron: 7,9 von 10

- die Auswahl der Traumsplitter ist eher standardmäßig

- auch was auf dem großen Spielplan passiert, lässt sich eher als Standardprogramm beschreiben

- hohe „Downtime“, selbst erfahrene Spielerinnen und Spieler werden immer wieder den Knoten im eigenen Kopf lösen müssen

- wer 3-D-Puzzels nicht gern mag, wird auch von „Dreamscape“ keines Besseren belehrt

Um mit denselben Traumsplittern mehrere und komplexere Traumlandschaften innerhalb einer Partie zu erschaffen, können die Landschaften dann auch noch durch das Verschieben der einzelnen Elemente so verändert werden, dass vor den Augen der Mitspielenden eine Landschaft wie durch übernatürliche Kräfte in eine andere übergeht.

Wer größere Herausforderungen sucht, kann außerdem noch die Alptraumvariante hinzunehmen, in welcher der Herr der Alpträume den Zugang zu bestimmten Aktionsfeldern blockiert und die Spielerinnen und Spieler zwingt, Alptraumsplitter zu nehmen, die wertvolle Plätze der Traumlandschaft für immer besetzen und am Ende Minuspunkte geben.

Die spannendste Herausforderung liegt darin, mit begrenzten Traumsplittern und Spielzügen möglichst viele, komplexe Traumlandschaften zu erschaffen und dabei Punkte bei stets wechselnden allgemeinen Aufgaben zu holen. Dabei müssen die Spielenden ihre mit runden Holzklötzchen gebauten 3-D-Puzzles mit möglichst vielen Synergieeffekten immer wieder neu anordnen.

Alles in allem ist „Dreamscape“ ein gelungenes Strategiespiel auf hohem Niveau. Ein bisschen fühlt es sich an, als sei man eine Traumarchitektin oder ein Traumarchitekt aus Christopher Nolans Film „Inception“.

Diese und weitere Rezensionen von Hunter & Cron: youtu.be/KnvHKrBISLs

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