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Bei „Dona Manolita“ in Madrid knallen die Korken für „El Gordo“.
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Bei „Dona Manolita“ in Madrid knallen die Korken für „El Gordo“.

Lotterie

Dickes Ding

  • Martin Dahms
    vonMartin Dahms
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Spaniens traditionelle Weihnachtslotterie kann zwar nicht wie üblich zelebriert werden, ist aber dennoch ein Spektakel.

Den Hauptpreis hätten die Kinder verdient. Unermüdlich singen sie, eine fünfstellige Zahl nach der anderen, eine Preissumme nach der anderen. Im Hintergrund dreht ein Mann an einer Kurbel, eine von 100 000 Holzkugeln rollt aus der Lostrommel, ein Mädchen ergreift sie, blickt kurz darauf und verkündet singend die Zahl, während ein Junge zugleich eine andere Kugel aus einer anderen Trommel an sich nimmt, in die ein Geldbetrag eingeprägt ist, den er ebenfalls singt. Um kurz nach 9 am Dienstagmorgen beginnt die Zeremonie, mittags um 12 verkündet die zweite Kugel den Hauptgewinn für die zuvor ausgerufene Nummer 72 897. Das ist der Gordo, der „dicke“ Hauptpreis 2020.

Das gesungene Spektakel zwei Tage vor Heiligabend gehört zur spanischen Weihnacht wie Krippe und Christbaum. Drei Viertel aller Erwachsenen spielen mit bei dieser Lotterie der staatlichen Glücksspielgesellschaft. Mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro 2019 soll sie die größte Lotterie der Welt sein. Mindestens ist sie eine der schönsten und bewegendsten. Die Gewinne sind fast Nebensache, obwohl 400 000 Euro Hauptgewinn nicht zu verachten sind. Wichtiger ist das nationale Gemeinschaftserlebnis. Die gemeinsamen Tränen angesichts der immer rührenden Fernsehwerbespots. Das gemeinsame Schlangestehen bei Doña Manolita oder einer der anderen Lottoannahmestellen im Land. Die gemeinsame Freude für die Gewinner:innen – dieses Jahr vornehmlich in Punta Umbría, Reus und Granada. Oder sogar die Freude, mit Nachbar:innen oder Arbeitskolleg:innen ein Siegerlos geteilt zu haben.

Gemeinschaftserlebnisse hatten die Spanierinnen und Spanier 2020 weniger, als ihnen lieb war. Die Pandemie hat in Spanien schlimm gewütet. Wie fast überall blieben die Menschen mehr zu Hause als sonst, und das hat auch auf die Losverkäufe durchgeschlagen. Knapp die Hälfte der Lose kaufen die Menschen nicht in der Lottoannahmestelle, sondern in der Kneipe oder im Verein. 2020 kamen daher weniger Lose unter die Leute. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht; der Direktor der staatlichen Glücksspielgesellschaft schätzt den Rückgang der Losverkäufe auf rund zehn Prozent. Als der Weihnachtslosverkauf begann, berichteten die Betreiber:innen der Annahmestellen von dramatischen Einbrüchen im Vergleich zum Vorjahr, aber dann zogen die Verkäufe offenbar doch noch an.

Vorsicht waltete während der Ziehung, die wie immer im Teatro Real, dem Madrider Opernhaus, stattfand. Es ist eine der wenigen Opern, die ihrem Publikum eine fast normale Saison anbietet und derzeit einen sehr unterhaltsamen Don Giovanni auf die Bühne gebracht hat – vor maskentragendem Publikum, die Sitzreihen zu drei Viertel besetzt. Am Dienstag blieben sie leer. Die Kinder singen ihre Zahlen in die Fernsehkameras, ohne Applaus.

Kein Glück mit der 14 320

Etwas Jubel gab es dann doch an den Lottoannahmestellen, die das eine oder andere Siegerlos verkauft hatten. Auch der Sekt floss, wie sich das gehört.Aber: Weniger Auflauf, keine Umarmungen, die Verkäufer:innen selbst mussten für etwas Stimmung sorgen.

Dass in Krisenzeiten die Losverkäufe zurückgehen – das war schon 2007 so –, während es umso mehr Leute gibt, denen ein Gewinn aus der Not helfen könnte. Die Weihnachtslotterie ist eine recht demokratische Angelegenheit. Fast alle kaufen, die Älteren etwas mehr als die Jüngeren, ansonsten gibt es keine demografischen Auffälligkeiten. Die Gewinnchancen sind vergleichsweise hoch: 1 zu 100 000 für den Hauptgewinn. Dieser ist vergleichsweise niedrig: 400 000 Euro. Und Gewinner gibt es besonders viele – jede Nummer wird 1720 Mal verkauft. Eine Nummer gab es 2020, die besonders schnell ausverkauft war, die 14 320. Sie steht für den 14. März, an dem der erste Corona-Alarm ausgerufen wurde. Gewonnen hat diese Nummer in diesem Jahr: nichts.

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