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Sommerwelle rollt an – Corona-Fallzahlen in Deutschland schnellen in die Höhe: RKI warnt vor Varianten

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Von: Martina Lippl

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Omikron-Varianten
Die WHO hat auch die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 im Visier. (Symbolfoto) © Imago Images

Vor einer Sommerwelle 2022 warnen Corona-Experten schon länger. Jetzt steigen die Corona-Zahlen deutlich an. Die Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 spielen dabei eine Rolle.

Berlin – Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie können es viele wohl kaum mehr hören: Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Und nun gönnt uns der Sommer 2022 auch keine Pause. Die fünfte Corona-Welle ist kaum abgeflacht, schon baut sich offenbar die nächste auf. Droht jetzt der dritte Corona-Sommer?

Corona in Deutschland: RKI meldet mehr als 100.000 Neuinfektionen

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen entwickelt sich aktuell sehr dynamisch. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 105.840 Fälle am Dienstag. Die bundesweite Inzidenz steigt auf 447,3 (Vortag: 331,8). Zudem starben 107 Menschen mit oder an Corona. Ein Vergleich mit den Werten der Vorwoche ist wegen der eingeschränkten Meldungen am Pfingstmontag kaum sinnvoll. Dazu wird insgesamt weniger getestet und nur PCR-Tests fließen in die Covid-Statistik des RKI ein. Doch die Werte sind deutlich.

Corona in Deutschland: So ist die Lage auf den Intensivstationen

Auf den Intensivstationen ist der Abwärtstrend der vergangenen Wochen gestoppt. 659 Covid-Patienten müssen derzeit intensivmedizinisch behandelt werden. Davon werden 237 künstlich beatmet. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervor - Stand Dienstag (14. Juni).

„Eine Sommerwelle war zu erwarten“, kommentiert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Corona-Lage auf Twitter. Vergangene Wochen gab sich Lauterbach eher untypisch beim Thema Sommerwelle eher vage. „Es könnte tatsächlich eine Sommerwelle geben. Sicher ist das noch nicht“, twitterte der 59-Jährige. Nun rollt die Sommerwelle offenbar an. Dabei bereitet sich Deutschland eigentlich nach Aussagen des Bundesministers auf die nächste Corona-Welle und verschiedene Szenarien im Herbst vor.

Corona in Deutschland: Neue Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 breitet sich in Europa schnell aus

Zwar spielen die Omikron-Typen BA.4 und BA.5 in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle, doch das könnte sich schnell ändern. In Portugal ist die Omikron Subvariante BA.5 schon seit Ende Mai dominant. Die Inzidenz liegt nach dem jüngsten Bericht des Nationalen Gesundheitsinstituts INSA bei 1.539. Der Trend sei landesweit rückläufig, außer in der Region Lissabon, im Tejotal und auf Madeira. Die Hospitalisierungsrate sei stabil und weise auf einen milden Verlauf bei BA.5 hin – ähnlich, wie bei der Omikron-Welle Anfang 2022. Bei der spezifischen Mortalität zeige sich nach der Analyse der portugiesischen Gesundheitsbehörden ein steigender Trend und liegt demnach bei 50,1 Todesfällen in 14 Tagen pro 100.000 Einwohnern. Die Sterblichkeit sei generell höher als für die Jahreszeit erwartet. Das sei in geringem Ausmaß auch mit dem Anstieg der spezifischen Sterblichkeit durch Covid-19 verbunden.

Warum breitet sich Omikron BA.5 so rasant in Europa und Deutschland aus?

Laut dem INSA-Bericht sei der Omikron-Subtyp BA.5 ansteckender. Zusätzliche Mutationen könnten dafür verantwortlich sein, die das Eindringen in menschliche Zellen erleichtert und oder das Immunsystem des Körpers austrickst (sogenannter Immun-Escape-Vorteil). Also, auch die Immunabwehr, die der Körper durch eine Impfung oder eine Infektion gebildet hat.

Omikron BA.5 weist eine Mutation auf dem Spike-Protein auf. Dabei handelt es sich um die sogenannte Mutation L452R, die schon bei der Delta-Variante zu finden ist. Auch beim Omikron Subtyp BA.4 ist diese Mutation zu finden.

„Die Untervariante BA.5 ist noch ansteckungsfähiger als alle Varianten zuvor, kann sich also auch unter den für das Virus widrigen Bedingungen im Sommer verbreiten“, erklärt Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Zudem könne BA.5 nach derzeitigem Kenntnisstand dem Immunsystem entwischen, selbst wenn es schon Kontakt zu Omikron-Varianten hatte, mahnt Ulrichs. Auch vollständig Geimpfte seien nicht vor einer Infektion gefeit. „Das bedeutet, es kommt eine große Anzahl von Wirten für die Verbreitung infrage.“

Omikron-Subvariante BA.5 - das Wichtigste auf einen Blick

So schnell breitet sich Omikron BA.5 in Deutschland aus

Der Anteil der Sublinien BA.4 und BA.5 wächst laut RKI momentan am stärksten. „Dies lässt darauf schließen, dass diese Omikron-Sublinien in wenigen Wochen die Mehrzahl der Nachweise ausmachen dürften“, teilt das RKI in seinem Wochenbericht mit.

Das RKI gibt zudem eine Prognose zum Pandemie-Verlauf mit Blick auf die Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5 ab: „Aller Voraussicht nach werden sich diese beiden Sublinien stärker verbreiten, sodass es auch insgesamt zu einem Anstieg der Infektionszahlen und einem erneut verstärkten Infektionsdruck auf vulnerable Personengruppen schon im Sommer kommen kann.“

Omikron BA.5 lässt sich kaum bremsen – Lauterbach empfiehlt Masken und 4. Impfung

Omikron BA.5 lässt sich nach Ansicht von Corona-Experten kaum aufhalten. Wie sich die Welle tatsächlich entwickelt, lässt sich derzeit noch schwer vorhersagen. Es gibt kaum mehr Corona-Maßnahmen. Viele tragen keine FFP2-Maske mehr. Impfungen schützen weniger vor einer Ansteckung. „Die Impfung hat aufgrund ihrer hohen Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf auch bei Erkrankungen durch die Omikron-Variante nicht an Bedeutung verloren“, betont auch das RKI erneut.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach schreibt auf Twitter: „Freiwilliges Tragen von Masken im Innenraum und eine 4. Impfung sind die besten Gegenmittel. Die vierte Impfung schützt vor schwerer Krankheit und senkt für ein paar Monate, wenn auch unvollständig, Ansteckungsrisiko. Das hilft jetzt sehr vielen.“

Übrigens: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bisher eine zweite Auffrischungsimpfung oder eine 4. Corona-Impfung allen Menschen über 70 Jahre und bestimmten Personengruppen. (ml)

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