Vorbereitung

In Deutschland ist bislang alles ruhig

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Nach ersten Corona-Verdachtsfällen betonen Experten in Deutschland, gut vorbereitet zu sein.

Es waren ein paar Stunden Ungewissheit, doch dann gab es Entwarnung. Die Patientin war gerade aus China eingereist – und hatte sich mit akuten Beschwerden im DRK-Klinikum in Berlin-Mitte gemeldet. Die Frau wurde isoliert untergebracht. Wenig später war klar, dass sie nicht infiziert ist mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV. Aufatmen in Berlin. Doch die Sorge bleibt. Was, wenn sich der Erreger auch hier bei uns breitmacht? Denn dass es in Deutschland nicht bei Verdachtsfällen bleiben wird, davon gehen die Behörden fest aus.

Was sich derzeit in China zuträgt, mutet aus Sicht der Verantwortlichen hier in Deutschland einigermaßen skurril an. Doch die Bilder vom Krisenmanagement in der Volksrepublik entfalten auch hier Wirkmacht. Und plötzlich ist dieses rätselhafte Virus das große Thema. Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, steht im ZDF-Morgenmagazin Rede und Antwort. Der 60-jährige Veterinärmediziner ist ein besonnener Mann. Und keiner, der den vielen Fragen, die sich jetzt stellen, aus dem Weg gehen würde.

Auch Wieler teilt die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation, dass es von einem weltweiten Notstand keine Rede sein kann – vorerst jedenfalls nicht. Inzwischen ist belegt, dass 2019-nCoV, bereits von Mensch zu Mensch übertragen worden ist – allerdings bisher nicht außerhalb Chinas. Dass es auch hier in Deutschland einige Erkrankungen geben könnte, schließt der Experte für Infektionskrankheiten nicht aus. „Die Gefahr, dass sich diese Einzelfälle ausbreiten, ist zurzeit gering einzuschätzen“, beruhigt Wieler. Die Sterberate bei den bekannten Infektionen sei bisher nicht besonders hoch. Immer dieses „bisher“. Das Wort findet sich mit großer Regelmäßigkeit in Statements und offiziellen Lagebildern zur Ausbreitung des neuen Erregers. Tatsächlich wären die Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft nicht gut beraten, irgendeine Entwicklung kategorisch auszuschließen. Eine Pandemie mit voneinander unabhängigen Infektionsketten wäre das Worst-Case-Szenario.

Die Bundesregierung verzichtet auf Einreisebeschränkungen oder vorsorgliche Tests, setzt stattdessen auf Appelle. „Wir sensibilisieren Flugpassagiere aus China. Sie werden angehalten, sich direkt beim Arzt zu melden, sollten Fieber oder Symptome von Atemwirkungserkrankungen auftreten“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministerium. Immer mehr Länder, darunter Großbritannien, Belgien, Dänemark und den Niederlanden wollen jedoch ihre Staatsangehörigen aus besonders betroffenen Regionen Chinas in die Heimat zurückholen wollen. Andere Länder wie Japan, Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet.

Auch die Bundesregierung erwägt, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD). In der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan leben etwa 90 Deutsche, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte. Hinweise darauf, dass sich einer von ihnen mit dem neuartigen Virus angesteckt hat, gibt es demnach bisher nicht.

Dass es vergleichsweise schnell Gewissheit gibt, ist dem weltweit führenden deutschen Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité (siehe Interview Seite 39) zu verdanken, der innerhalb weniger Tage ein einfaches Diagnoseverfahren entwickelt hat. (mit dpa)

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