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Viele neue Baustellen der Bahn bis ins nächste Jahr

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Von: Michael Bayer

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Wehrheim. 09.10.2019. Gleisbauarbeiten auf der Strecke der Taunusbahn zwischen Neu-Anspach und Wehrheim. Schwellen aus Holz werden durch Betonschwellen ersetzt. Mit einem Spezialzug werden Schwellen und Schienen automatisch gewechselt. Materialzug bringt neue Schwellen.
Schwachpunkt Schwelle: Auf die Bahn kommt viel Arbeit zu. © Renate Hoyer

Die Deutsche Bahn muss nach dem Zugunglück in Bayern bundesweit Schwellen austauschen - das bremst vielerorts die Reisenden aus.

Das Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen bringt teure Reparaturen im deutschen Schienennetz mit sich – und viele Einschränkungen im laufenden Betrieb. Die Deutsche Bahn teilte am Freitag mit, ihre Prüfung von bundesweit rund 200 000 Schwellen eines bestimmten Bautyps gehe dem Ende entgegen. Mit beachtlichen Folgen: Schon jetzt gibt es Einschränkungen an 165 Stellen im Netz. Die Züge fahren dort langsamer, werden umgeleitet – oder wegen Sperrungen mit Bussen ersetzt. Auch der Güterverkehr leidet.

Besonders viel Geduld müssen Reisende auf Regionalstrecken im Süden Bayerns aufbringen. Dort würden Züge mal auf 70 Kilometer pro Stunde heruntergebremst, mal seien es 40 Kilometer – im Extremfall nur zehn Kilometer pro Stunde, berichtete jüngst der „Münchner Merkur“. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es viele solcher Langsamfahrstellen. Moderat betroffen ist das Rhein-Main-Gebiet: konkret in Hanau die Strecken Frankfurt – Aschaffenburg und Hanau - Friedberg.

Bei dem Unglück in Garmisch-Patenkirchen war Anfang Juni ein Regionalzug mit doppelstöckigen Wagen entgleist. Vier Frauen und ein 13-Jähriger starben. Die Unfallursache ist noch nicht abschließend ermittelt. Erste Gutachten richteten ihr Augenmerk auf Unregelmäßigkeiten der dort verwendeten Betonschwellen, wie die Bahn erläuterte. Ein Bericht des Bundesverkehrsministeriums hatte schon früher von „horizontalen Brüchen“ gesprochen. Damit verlören die Schienen ihren Halt.

Nach Informationen des Berliner „Tagesspiegels“ fuhren bis vor vier Wochen noch ICE-Züge mit Tempo 200 in Brandenburg über Schwellen dieses Typs, zwischen Berlin und Halle. Dort ist der Austausch inzwischen abgeschlossen. Anderswo werden die Arbeiten ihre Zeit brauchen.

Die Bahn will wichtige Strecken bis Ende Dezember saniert haben. Das Unternehmen warnt aber zugleich, der Umbau könne sich hier und da bis in das kommende Jahr ziehen. Immerhin sei es gelungen, trotz allgemein knapper Materialien ausreichend Ersatzschwellen zu besorgen.

Auch wenn sich die Kosten noch nicht konkret beziffern lassen, ist schon klar: Sie sind erheblich. Die Deutsche Bahn spricht von einem „dreistelligen Millionenbetrag“. Der Schienenkonzern prüft nun juristisch, ob er den Hersteller der defekten Schwellen dafür haftbar machen kann.

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