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In seiner Heimat ist König Rama X. vor allem als Abbild zugegen. AFP
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In seiner Heimat ist König Rama X. vor allem als Abbild zugegen. AFP

König Rama X.

Des Königs neue Steuern

  • VonPatrick Guyton
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Thailands Monarch residiert am Starnberger See, doch Abgaben zahlt er keinen Cent. Das will Tutzings Gemeinderat ändern.

Stefanie Knittl reichte es irgendwann. Thailands König Rama X. lebt seit Jahren mit seiner Entourage in einer Luxusvilla in Tutzing – und bezahlt keinen Cent an Zweitwohnsteuer? Er regiert offenbar sein Land vom noblen Starnberger See aus auf umstrittene und autoritäre Weise – aber niemand will überhaupt offiziell seine Existenz in Bayern und seinen Villenbesitz bestätigen?

Und so fragte Knittl, die einzige SPD-Gemeinderätin in Tutzing, in der vergangenen Sitzung nach. „Skandalös“ sei es, dass man von der Verwaltung keine Informationen bekomme und „mit dem Argument des Steuergeheimnisses vertröstet“ werde. Schließlich gehe es um viel Geld, die Rede ist von einem höheren sechsstelligen Euro-Betrag.

Der König, der Maha Vajiralongkorn heißt, und seine Liebe zu Oberbayern – das ist für die Verwaltungen, die Bürger:innen, den Staat eine leidige Geschichte. Als „exzentrisch“ wird der 69-Jährige beschrieben, mit einem geschätzten Vermögen von rund 60 Milliarden Euro ist er weltweit der reichste Monarch. 2018 hat er offenkundig die „Villa Stolberg“ an der Hauptstraße in Tutzing mit Seezugang gekauft. Nicht mal den Namen des denkmalgeschützten Hauses nimmt man bei der Gemeindeverwaltung in den Mund. Hier spricht man nur von dem „besonderen Objekt“. Über das Internet hingegen lässt sich mit wenigen Klicks die genaue Adresse des Anwesens ermitteln.

Bei der Sitzung ließ Stefanie Knittl nicht locker, pochte darauf, dass die Behandlung des Königs „gegen die Steuergleichheit“ verstoße. Und so stimmte die Verwaltung zu, zu Beginn des neuen Jahres ein Gutachten über den Wert der Villa erstellen zu lassen, um zum 1. Februar die Zweitwohnsteuer erheben zu können, auch rückwirkend bis 2018. „Normale Bürger bekommen in wenigen Tagen ihren Steuerbescheid“, sagt Knittl. Nun könnte es sein, dass erstmals auch Rama X. zahlen muss.

Neben Tutzing verbringt der Monarch auch regelmäßig seine Zeit in einem Luxushotel in Garmisch-Partenkirchen, das er für seine Aufenthalte komplett anmietet. Bekannt wurde das überhaupt erst durch Corona. Denn da fragten sich einige, wie denn das Hotel vermietet sein könne, wenn im Lockdown doch ein touristisches Beherbergungsverbot besteht. Das Landratsamt habe entschieden, sagt Sprecher Stephan Scharf gegenüber dieser Zeitung, dass die thailändische Entourage nicht zu Urlaubszwecken am Alpenrand weilte, sondern dass der König von dort aus arbeitet. Ansonsten ist man beim Landratsamt verschlossen wie eine Auster. Wie oft der König sich in Garmisch im Grandhotel Sonnenbichl aufhält, will der Sprecher nicht wissen. Auch ist Scharf unbekannt, ob er derzeit dort ist. „Das ist höhere Politik, Sache des Bundes.“

100 000 Euro im Jahr fehlen

Die Bundesregierung hat das Problem offenbar erkannt. Einem ausländischen Politiker oder Staatsmann ist es nach deutschem Recht untersagt, hierzulande seiner Arbeit nachzugehen, wenn er damit gegen deutsche Gesetzte verstößt. Rama X. aber unterzeichnet Todesurteile oder verhängt drakonische Gefängnisstrafen wegen Majestätsbeleidigung. Von Amnesty International und anderen Organisationen gibt es zahllose Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen in dem asiatischen Land.

Die neue Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) erhöht nun den Druck auf den Monarchen. Ungewöhnlich undiplomatisch teilt das Auswärtige Amt in dieser Causa mit: „Wir gehen davon aus, dass auf deutschem Boden von ihren Vertretern keine Entscheidungen getroffen werden, die der deutschen Rechtsordnung, dem Völkerrecht oder den international verbrieften Menschenrechten widersprechen.“

Seit längerer Zeit schon befasst sich Lucie Vorlickova vom Verein „Tutzinger Liste“ mit dem König und den Steuern. Schreiben an die Gemeindeverwaltung bleiben ihrer Darstellung nach in der Regel unbeantwortet. Vorlickova hat zur Höhe der bisher entgangenen Steuern recherchiert und bei Maklern nachgefragt. Demzufolge liegt die Miete für ein solches Luxusanwesen bei 30 bis 50 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Diese Häuser sind gesucht, und bei potenziell Miet- oder Kaufwilligen spielt Geld keine Rolle. Die Villa hat 1400 Quadratmeter Wohnnutzungsfläche, die Jahreskaltmiete könnte also bis zu 840 000 Euro betragen. Zwölf Prozent davon müssen jährlich versteuert werden, das wären rund 100 000 Euro. Von 2018 bis 2022 käme man auf eine Steuerschuld von 500 000 Euro. Sehen das die Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) und die Gemeindeverwaltung auch so? Auf zwei Anfragen dieser Zeitung erfolgte keine Reaktion.

Derzeit ist der König offenbar nicht in seiner Tutzinger Villa. Es gibt Berichte, der König wolle nicht mehr nach Bayern zurückkehren. Im Ort aber kursiert das Gerücht, dass sich der Pudel-Narr mit 30 Hunden im Schlepptau und einigen Kunstwerke im Gepäck gerade auf der Anreise befindet.

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